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Lufthansa-Aktionär Thiele: Eine unnötige Machtprobe zum völlig falschen Zeitpunkt

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Eine unnötige Machtprobe zum völlig falschen Zeitpunkt

Lufthansa-Aktionär Thiele: Eine unnötige Machtprobe zum völlig falschen Zeitpunkt. Einlenken in vorletzter Sekunde: Lufthansa-Großaktionär Heinz Hermann Thiele (l.) will dem Rettungspaket für die Airline zustimmen, das Konzernlenker Carsten Spohr (r.) mit dem Bund ausgehandelt hat. (Quelle: imago images)

Einlenken in vorletzter Sekunde: Lufthansa-Großaktionär Heinz Hermann Thiele (l.) will dem Rettungspaket für die Airline zustimmen, das Konzernlenker Carsten Spohr (r.) mit dem Bund ausgehandelt hat. (Quelle: imago images)

Der Lufthansa-Großaktionär Thiele lenkt ein, die Airline scheint vorerst gerettet. Für Kunden und Beschäftigte ist das gut. Einen schlechten Nachgeschmack hat die Aktion trotzdem.

Musste all das wirklich sein, wird sich Lufthansa-Chef Carsten Spohr fragen. War das unbedingt nötig? Er fragt zurecht. Der größte Einzelaktionär der Airline, Millionär Heinz Hermann Thiele, hatte in den vergangenen Tagen mit einem Interview in der "FAZ" für viel Furore gesorgt, als er sich kritisch über das Rettungspaket für den Konzern äußerte, das eine direkte Beteiligung des Staates an dem Unternehmen vorsieht.

Bis Mittwochabend hielt er die Lufthansa, ihre Mitarbeiter, ihre Anteilseigner und Kunden in Atem. Die Zeichen standen auf Sturm: Auf eine Insolvenz stellte sich die Airline ein, darauf, dass Thiele auf der Hauptversammlung der Aktionäre am Donnerstag dem Deal mit dem Bund nicht zustimmt – und das Unternehmen damit in die Pleite treibt.

Dann die unerwartete Wendung: Keine 24 Stunden vor der Entscheidung teilte Thiele – erneut via "FAZ" – mit: "Ich werde für die Beschlussvorlage stimmen."

Mitarbeiter, Kunden, Aktionäre können sich freuen

Für den ersten Moment sind diese sechs Worte ein Grund zum Aufatmen. Besonders die 135.000 Beschäftigten des Konzerns können sich freuen. Die Veräußerung weiterer Teile des Unternehmens, ein Kahlschlag-ähnlicher Stellenabbau ist damit vorerst abgewendet.

Für Lufthansa-Kunden ist die Nachricht ebenso gut. Sie können nun auf eine baldige Entschädigung stornierter Flüge hoffen, Geld, das die Lufthansa zuletzt noch zurückzuhalten schien. Und auch bei manchem Aktionär dürfte der Korken knallen: Die Aktie legte nachbörslich einen Sprung von mehr als 16 Prozent hin.

Der geschlürfte Schampus aber hat einen schlechten Nachgeschmack. In der Rückschau werden sich viele Menschen fragen, aus welchem Motiv Thiele gehandelt hat. Warum hat er die Betroffenen eine Woche lang zittern lassen? Wieso gibt er sich selbst nach einem Gespräch mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Finanzminister Olaf Scholz uneinsichtig – um dann in der vorletzten Sekunde doch noch einzulenken?

Machtprobe ist nicht grundsätzlich verwerflich

Die Antworten bleiben zunächst Thieles Geheimnis. Klar ist: Unerlaubtes hat er nicht getan. Thiele hat lediglich auf sein Recht als wichtigster Miteigentümer des Konzerns gepocht, signalisiert, worauf er auch in Zukunft wert legt: Eine zügige Verkleinerung der Airline, eine Restrukturierung, damit die Lufthansa für die Zukunft schmaler aufgestellt ist und potenziell größere Gewinne erwirtschaftet.

Grundsätzlich ist eine solche Machtdemonstration nicht verwerflich – wäre sie nur nicht so unnötig und käme sie nicht zum völlig falschen Zeitpunkt.

Denn die Airline befindet sich, wie die gesamte Branche, in der tiefsten Krise ihrer Geschichte. Sie hat schon genug Probleme. Dass sie sich verändern muss, dass die Lufthansa nach der Corona-Krise nicht mehr dieselbe sein wird wie zuvor, hat Konzernchef Spohr längst erkannt. Auch ohne Thiele. 22.000 Stellen müsse der Konzern mittelfristig abbauen, rechnete er zuletzt vor, die Flotte soll bis 2023 um 100 Flugzeuge schrumpfen, Germanwings und der deutsche Sunexpress-Ableger – für beide Tochter-Airlines hat die Lufthansa bereits das Betriebsende beschlossen.

Eine Karnevalsnummer auf dem Rücken der Betroffenen

Nun mögen Thiele diese Pläne nicht weit genug gehen. Das aber hätte er, und das ist der zweite wichtige Punkt, auch anders artikulieren können. Und zwar im direkten Gespräch mit Spohr, bei dem er dank seiner Position ohnehin Gehör gefunden hätte.

Thiele aber zog es vor, den beleidigten Eigentümer zu spielen, der sich bei der Verhandlung der Konzernspitze mit dem Staat übergangen fühlte. Was bleibt, ist der Eindruck eines 79-jährigen Mannes, der es auf seine alten Tage noch einmal wissen wollte, der sich und Deutschland beweisen wollte, zu was er, zu was Geld im Zweifel in der Lage ist, wenn er denn nur will.

Doch Thiele wollte offenbar gar nicht. Die Aktion und die Aufregung, die er ausgelöst hat, ist deshalb vor allem eines: eine Karnevalsnummer auf dem Rücken Tausender Betroffener.

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