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Die höchsten Tagesverluste von Dax-Aktien


Die höchsten Tagesverluste von Dax-Aktien

25.06.2020, 11:55 Uhr | dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Mit dem Absturz nach dem Insolvenzantrag am Donnerstag könnte sich die Wirecard-Aktie in der Liste den zehn höchsten Tagesverluste eines Dax-Wertes ganz an die Spitze setzen. Wegen der Turbulenzen infolge des Bekenntnisses, dass in der Bilanz ausgewiesene Guthaben von 1,9 Milliarden Euro nicht aufzufinden sind, hat sich die Aktie in den vergangenen Tagen mehrmals in diese Tabelle eingetragen.

In den ersten Minuten nach der Wiederaufnahme des Handels verlor die Aktie 80 Prozent auf 2,50 Euro. Sollte sie bis zum Handelsende ein Minus in ähnlicher Höhe aufweisen, wäre das der höchste Verlust eines Dax-Titels in der knapp 32-jährigen Geschichte des deutschen Leitindex.

Der Absturz um aktuell rund 98 Prozent seit vergangenem Mittwoch ist im Dax ohnehin schon einmalig. Nicht einmal die Entwicklung des in der Finanz- und Wirtschaftskrise verstaatlichten Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate im Herbst 2008 hält einem Vergleich stand. Beide Werte dominieren die Liste mit den zehn größten Tagesverlusten im deutschen Leitindex.

Umgerechnet in absolute Werte sank die Marktkapitalisierung seit vergangenem Mittwoch um fast 13 Milliarden Euro auf nur noch rund 300 Millionen Euro. Damit droht im Herbst auch der Rauswurf aus dem Dax, in den das Papier erst im September 2018 aufgenommen worden war. Damals war Wirecard mit einer Marktkapitalisierung von fast 25 Milliarden Euro wertvoller als die Deutsche Bank .

Aktuell liegt die Wirecard-Aktie in der Liste der zehn größten Tagesverluste von Dax-Titeln auf den Rängen zwei, fünf, acht und zehn. Würde man die Liste weiterführen, hätte das Papier auch die Pläze elf und zwölf inne. Spitzenreiter ist derzeit aber noch die Hypo Real Estate (HRE). Der inzwischen aufgelöste Finanzierer von gewerblichen Immobilien ist insgesamt drei Mal in der Top Ten vertreten.

1.) Hypo Real Estate -73,9% am 29.09.2008 - Grund: Staatliches Rettungspaket infolge Liquiditätsengpässen in der Finanzkrise. Die Bank wurde inzwischen aufgelöst. Die milliardenschweren Risiken hat der Staat übernommen, das operative Geschäft wird größtenteils von der inzwischen wieder an der Börse notierten Deutschen Pfandbriefbank PBB weitergeführt. Inzwischen rutschten die Pfandbriefbank-Papiere auch aus dem Index mittelgroßer Werte MDax und verlieren damit weiter an Bedeutung.

2.) Wirecard -61,8% am 18.06.2020 - Grund: Bilanzierungsprobleme, die zur erneuten Verschiebung der Zahlenvorlage führten und damit zum endgültigen Vertrauensverlust an der Börse.

3.) MLP -48,7% am 02.08.2002 - Grund: Gewinnwarnung. Verdacht auf Bilanzmanipulation, der sich allerdings nie erhärtete. Das Unternehmen gibt es immer noch. Es spielt aber am Aktienmarkt keine große Rolle mehr.

4.) VW-Stammaktie -45,3% am 29.10.2008 - Grund: Geplatzte Blase infolge eines rasanten Kursanstiegs die Tage davor. Die beispiellosen Kurskapriolen der VW-Stammaktie Ende Oktober 2008 führten dazu, dass die Deutsche Börse die Gewichtung einer Aktie im Dax auf maximal zehn Prozent beschränkte. Da der Streubesitz der VW-Stammaktie inzwischen zu gering ist, ist die VW-Vorzugsaktie im Dax gelistet.

5.) Wirecard -44,1% am 22.06.2020 - Grund: Bilanzskandal spitzt sich zu. Das Unternehmen gesteht ein, dass die Treuhandkonten, auf denen 1,9 Milliarden Euro liegen sollen, wahrscheinlich nicht existieren.

6.) Infineon -39,6% am 03.12.2008 - Grund: Schwache Zahlen, schwacher Ausblick sowie stark angeschlagene Situation des Halbleiterherstellers. Die Aktie des Unternehmens war zwischenzeitlich ein sogenannter Pennystock, kostete also weniger als ein Euro. Das Papier flog auch zeitweise aus dem Dax, hat aber die Wende geschafft. Der Kurs lag zuletzt bei rund 20 Euro - damit ist der Konzern an der Börse rund 27 Milliarden Euro wert.

7.) Hypo Real Estate -37,4% am 06.10.2008 - Grund: Weiteres staatliches Rettungspaket, das nur eine Woche nach dem 74-prozentigem Absturz zu einem weiteren drastischen Wertverlust der Aktie führte.

8.) Wirecard -35,3% am 19.06.2020 - Grund: Sorgen über die Finanzlage und Zukunftsfähigkeit des Konzerns - unter anderem weil die Banken wegen der immer noch fehlenden Bilanz für 2019 Kreditlinien kündigen können.

9.) Hypo Real Estate -35,2% am 15.01.2008 - Grund: Die Hypo Real Estate hatte bereits vor dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008, der dann endgültig zur Finanz- und Weltwirtschaftskrise führte, große Probleme. So schockierte der damalige HRE-Chef Georg Funke bereits Mitte Januar 2008 die Märkte mit einer Abschreibung auf Wertpapiere in den USA.

10.) Wirecard -28,3% am 24.06.2020 - Grund: Zunehmende Furcht der Anleger, dass Kunden dem Unternehmen nun massenweise den Rücken zukehren könnten. Zudem senkten die Experten der Bank of America das Kursziel von 14 auf nur noch einen Euro. Der massive Abschlag spiegele den Verlust von Kunden und Lizenzen, die Streichung bestehender Kreditlinien sowie die generelle Unsicherheit wider, die noch eine Weile fortdauern dürfte, hieß es in der Studie.

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