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Kommt in der Corona-Krise jetzt bald der große Finanzcrash?


Leserfragen beantwortet  

Kommt in der Corona-Krise jetzt bald der große Finanzcrash?

08.07.2020, 11:31 Uhr
Kommt in der Corona-Krise jetzt bald der große Finanzcrash?. Corona-Schriftzug vor fallendem Aktienkurs (Symbolbild): Durch die Corona-Krise sind die Kurse im März gefallen – haben sich mittlerweile aber wieder erholt. (Quelle: imago images/xim.gs)

Corona-Schriftzug vor fallendem Aktienkurs (Symbolbild): Durch die Corona-Krise sind die Kurse im März gefallen – haben sich mittlerweile aber wieder erholt. (Quelle: xim.gs/imago images)

Die Aktienkurse steigen, die Wirtschaft ist im Sinkflug – droht deshalb eine neue Finanzblase? Oder rollt gar eine Inflationswelle auf uns zu? Sie, unsere Leser, haben gefragt – t-online.de gibt Antworten.

Die Corona-Krise verunsichert viele Menschen: Wie kann es sein, dass die Kurse steigen, obwohl es der Wirtschaft schlecht geht? Kommt es jetzt bald zu einem großen Finanzcrash? Und überhaupt – wie kann ich jetzt noch ethisch investieren?

Wir haben Sie gefragt, was Sie zur Corona-Krise und der Börse wissen wollten. Die fünf spannendsten und am häufigsten gestellten Fragen beantworten wir hier.

Kommt wegen der Corona-Krise eine Inflationswelle auf uns zu?

Darüber sind sich die Ökonomen uneins. Der Grund: Es laufen mehrere Entwicklungen gegeneinander. Welcher Effekt sich einstellt, ist noch offen. Fakt ist: In den vergangenen Jahren waren wir weit von einer gestiegenen Inflation entfernt – und das obwohl die Europäische Zentralbank (EZB) alles dafür tut, um ihr Ziel von einer Geldentwertung in Höhe von knapp unter zwei Prozent pro Jahr zu erreichen.

Theoretisch besteht die Gefahr einer Inflation, also einer Geldentwertung, immer dann, wenn das Geld "billig" ist. Auslöser dafür ist einerseits ein niedriger Zins als Preis des Geldes, andererseits eine wachsende Menge an Geld im Umlauf.

In der Praxis versucht die EZB deshalb genau das: Zum einen pumpt sie viel Geld in die Wirtschaft, in dem sie im großen Stil Staatsanleihen aufkauft. Das soll Staaten – und letztlich auch Unternehmen – Liquidität sichern, die sie in einer wirtschaftlichen Krise benötigen. Zum anderen hält die EZB die Zinsen niedrig, zum Teil haben sich bereits Minus-Zinsen gebildet. Gestiegen ist die Inflation deshalb aber kaum.

Deflation wäre viel schlimmer als eine Inflation

Das liegt laut Experten daran, dass das Geld nicht im Geldkreislauf ankommt – und letztlich die Preise nicht antreiben kann. "Das Geld wird gehortet", sagte zuletzt etwa der Ökonom Jens Südekum im Gespräch mit t-online.de. "Die Menschen sparen es und die Unternehmen brauchen es in viel geringerem Maße – weil etwa Investitionen in Computeralgorithmen heute günstiger sind als der Neubau eines Stahlwerks vor 100 Jahren."

Er fürchtet deshalb eher eine Deflation. Das ist im Grunde eine Aufwertung des Geldes durch sinkende Preise. Diese wäre langfristig noch deutlich schlimmer für die Wirtschaft als eine Inflation.

Der Grund: Wenn die Preise sinken, verschieben Unternehmen wichtige Investitionen. Und Privatpersonen verzichten auf Käufe. Für die Wirtschaft wäre das fatal.

Was wiederum für eine Inflation sprechen würde: Experten fürchten, dass es durch die Corona-Pandemie auf lange Sicht zu einer De-Globalisierung kommt – also dass Produktionen etwa ins Inland geholt werden. Wenn aber nicht mehr in China, sondern in Deutschland hergestellt würde, würde sich das stark auf die Preise auswirken: Diese würden drastisch steigen – es käme zur Inflation.

Sie sehen: Die Frage, ob es zu einer Inflation oder einer Deflation kommt, ist nicht leicht zu beantworten. 

Warum wirkt es so, als sei es der Börse egal, das gerade eine Krise ist?

Das ist nicht ganz korrekt. Die Börse reagiert durchaus auf die sinkende Wirtschaftsleistung – meist jedoch früher als es sich in den Konjunkturdaten der Realwirtschaft zeigt. Denn: An der Börse wird die Zukunft gehandelt. Die Aktienmärkte nehmen – je nach Situation – die Entwicklung der Realwirtschaft bis zu ein Jahr vorweg.

Dieser Trend ließ sich auch in der Corona-Krise beobachten. Anfang März, als das Virus noch kaum in Europa angekommen war, und es der Wirtschaft noch gut ging, stürzte der Deutsche Aktienindex (Dax) als Leitindex der 30 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland ab. Denn viele Investoren befürchteten eine schlimme wirtschaftliche Entwicklung – wie sie auch kam.

Seit einigen Wochen aber steigen die Kurse nun wieder – obwohl sich die Wirtschaft noch bei Weitem nicht erholt hat, Millionen Menschen etwa noch in Kurzarbeit sind. Der Grund ist derselbe wie der für den "vorgezogenen" Absturz im März: Die Investoren und Anleger glauben, dass sich die Wirtschaft bald wieder erholt – und versuchen von steigenden Kursen zu profitieren.

Kommt bald der große Finanzcrash?

Wahrscheinlich nicht – auch wenn Crash-Propheten das gerne voraussehen wollen. Klar ist dennoch: Verwerfungen auf den Finanzmärkten hat es schon früher gegeben und auch für die Zukunft ist das nicht ausgeschlossen. 

Die Voraussetzung dafür ist aber meist, dass es zu einer Finanzblase kommt: Investoren setzen auf ein Anlageobjekt – bis der Kurs weit über den echten Wert des Objektes steigt. Häufig nehmen Privatanleger dann noch Kredite auf, um in das Anlageobjekt zu investieren. Dies war beispielsweise beim "schwarzen Donnerstag" im Jahr 1929 der Fall.

Dann kommt es plötzlich zur Panik: Fällt den Anlegern auf einmal auf, dass der Preis viel zu hoch ist, setzt eine Abwärtsspirale ein: Viele Anleger verkaufen dann schlagartig Ihre Anteile, Investoren ziehen ihr Geld aus Unternehmen ab, die daraufhin pleite gehen. Viele Menschen verlieren ihre Arbeit und können Kredite ohnehin nicht bedienen.

Momentan ist eine solche Blase aber nicht in Sicht. Manche Experten befürchten diese bei den Tech-Aktien wie Amazon, Facebook oder Google, die seit Anfang des Jahres drastisch gestiegen sind. Doch das ist wohl nicht der Fall, da hinter den meisten Unternehmen entsprechend große Werte sowie ein zukunftsfestes Geschäftsmodell steht – zumindest nach heutigem Ermessen.

Kann ich auch in Unternehmen investieren, die nicht ethisch fragwürdig sind?

Selbstverständlich. Wenn Sie Bedenken haben, in Rüstungsfirmen wie Rheinmetall, Öl-Konzerne wie Shell oder ExxonMobil oder Tabakunternehmen  wie Philipp Morris zu investieren, können Sie Ihr Geld auch in Firmen anlegen, die sich moralischen, gesellschaftlichen oder ökologischen Standards verschrieben haben.

Am einfachsten gelingt dies mit sogenannten ETFs. Das sind Aktienfonds, bei denen ein Computeralgorithmus einen Aktienindex wie den Dax nachbildet.

Hier gibt es auch Aktienindizes, die beispielsweise nur Solar,- Wasser- oder Windkraftunternehmen enthalten. Auch gibt es Indizes, die die Wertentwicklung von Unternehmen abbilden, die nicht in der Glücksspiel-, Tabak- oder Rüstungsindustrie tätig sind.

Sie sollten sich die Zusammensetzung der Indizes aber genau anschauen – denn manche Indizes geben sich nur einen nachhaltigen Anstrich ohne wirklich nachhaltig zu sein.

Warum steigen die Preise von Edelmetallen wie Gold in der Krise?

Der Preis für Gold als wichtigstes Edelmetall jagte zuletzt von einem Hoch zum nächsten. Das liegt maßgeblich an drei Faktoren:

  1. "Sicherer Hafen": Da Edelmetalle durch ihr Vorkommen auf natürliche Art begrenzt sind sowie einen echten Wert haben, gelten sie deshalb in einer Krise als sicher.
  2. Niedrige Zinsen: Die sogenannten Opportunitätskosten für das Halten von Edelmetallen sinken. Opportunitätskosten sind die Kosten, die entstehen, weil Sie auf etwas anderes verzichten. Investieren Sie in Gold, verzichten Sie auf Zinsen der Tages- oder Festgeldkonto – denn Gold wirft keinerlei Zinsen ab, es ist ein reines Spekulationsobjekt. Da die Zinsen auf der Bank aber ohnehin im Keller sind, sind die Opportunitätskosten entsprechend gering.
  3. Angst vor Inflation: Viele Investoren fürchten langfristig eine Inflation, weil die Zentralbanken viel Geld in die Wirtschaft pumpen. Um zu verhindern, dass ihr Geld auf dem Konto an Wert verliert, investieren sie lieber in Edelmetalle.

Doch ist das auch was für mich als Privatanleger?

Eher nicht. Denn der Goldpreis ist auf sehr hohem Niveau, es ist momentan sehr teuer, Gold zu kaufen. Außerdem ist der Kurs auch sehr volatil. Das bedeutet: Es gibt mitunter hohe Kursschwankungen. Für schwache Nerven ist das also eher nichts.

Sie können aber mit speziellen Gold-Wertpapieren, sogenannten Gold-ETCs, Ihr Geld anlegen – wenn Sie vom "Goldrausch" profitieren möchten. Wie das geht, erfahren Sie hier.

Verwendete Quellen:




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