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Exklusive Studie: Deutsche haben Angst um ihren Job

Exklusive Studie  

Deutsche haben Angst um ihren Job

14.07.2020, 07:39 Uhr
Exklusive Studie: Deutsche haben Angst um ihren Job. Eine Auszubildende trägt bei der Arbeit eine Maske: Viele Deutsche sorgen sich wegen der Corona-Krise um ihren Arbeitsplatz. (Quelle: dpa/Wolfgang Kumm)

Eine Auszubildende trägt bei der Arbeit eine Maske: Viele Deutsche sorgen sich wegen der Corona-Krise um ihren Arbeitsplatz. (Quelle: Wolfgang Kumm/dpa)

Wegen der Corona-Krise bangen Millionen Menschen in Deutschland zurzeit um ihren Arbeitsplatz. Das geht aus einer aktuellen Befragung hervor. Die düsteren Jobaussichten drücken die Kauflaune der Deutschen.

Das Verbrauchervertrauen in Deutschland ist wegen der Corona-Krise dramatisch abgestürzt. Das zeigt eine Studie der US-amerikanischen Denkfabrik The Conference Board (TCB) in Zusammenarbeit mit dem arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW), die t-online.de exklusiv vorliegt.

Der entsprechende Wert des Verbrauchervertrauen-Index fiel von 101,5 Punkten im ersten Quartal auf 86,8 Punkte im zweiten. Zum Vergleich: Der bisherige Höhepunkt wurde Anfang 2018 mit einem Wert von fast 108 erreicht. Der bestmögliche Wert wäre 200 ("exzellent"), der schlechteste 0.

Das Verbrauchervertrauen in Deutschland ist wegen der Corona-Krise abgestürzt. (Quelle: t-online)Das Verbrauchervertrauen in Deutschland ist wegen der Corona-Krise abgestürzt. (Quelle: t-online)

In dem negativen Wert des Index schlugen sich besonders die düsteren Perspektiven der Beschäftigung nieder: wie sicher ein Job angesehen wird, aber auch, wie schwer es ist, einen neuen zu finden. Der Saldo zwischen positiven und negativen Berufserwartungen ist im zweiten Quartal eingebrochen – auf minus 42,2 Prozentpunkte. Im ersten Quartal betrug der Saldo noch plus 16,1 Punkte.

TCB-IW-Verbrauchervertrauen
Der "TCB-IW-Verbrauchervertrauen"-Index ist Teil der internationalen Erhebung "TCB Global Consumer Confidence Survey" für 64 Länder weltweit. Das IW Köln ist der deutsche Kooperationspartner von TCB. Basis des Index, der quartalsweise veröffentlicht wird, sind Onlinebefragungen des Marktforschungsunternehmens Nielsen. 32.000 Konsumenten werden insgesamt befragt – in jedem Land 500.

Der Schluss, den man laut Studien-Mitautor und IW-Ökonom Michael Grömling daraus ziehen kann: "Millionen Menschen in Deutschland machen sich ernste Sorgen um ihren Arbeitsplatz."

Schlechte Jobaussichten drücken Konsumlaune

Das liege vor allem daran, dass zahlreiche Beschäftigte in Kurzarbeit seien. "Es wundert mich deshalb kaum, dass die Beschäftigungsperspektiven so negativ ausfallen", sagte Grömling im Gespräch mit t-online.de.

Experten fürchten zudem, dass es ab Herbst zu einer riesigen Welle von Insolvenzen kommen könnte. "Besonders in der Automobilindustrie und der Luftfahrtbranche sind die Jobaussichten düster", so der Konjunkturexperte Grömling.

Neben der Frage nach den Beschäftigungsperspektiven setzt sich der "TCB-IW-Verbrauchervertrauen"-Index aus Fragen nach der Anschaffungsneigung sowie der eigenen Finanzlage zusammen. Grömling urteilt: "Klar ist: Die schlechten Jobaussichten drücken die Konsumlaune." So hat die Anschaffungsneigung wegen der Corona-Krise stark abgenommen: Nur noch 40 Prozent der Befragten sehen in der aktuellen Situation einen guten Zeitpunkt für Kaufentscheidungen.

Der Saldo aus positiven und negativen Erwartungen sank von plus 5,4 auf minus 15,4 Prozentpunkte. "Besonders die Anschaffung von langlebigen Gebrauchsgütern wird verschoben", schätzt Grömling. "Ich kaufe mir jetzt kein Auto oder Küche, wenn ich nicht weiß, ob ich in einem halben Jahr noch einen Job habe."

IW-Ökonom: "20 Milliarden Euro sollte man nicht einfach ignorieren"

Hier könnte die gesunkene Mehrwertsteuer ansetzen, hofft der Ökonom. Denn bei großen Anschaffungen spare man deutlich mehr als etwa beim Lebensmittelkauf. Voraussetzung dafür sei, dass die Hersteller die geringere Mehrwertsteuer an die Kunden weitergeben.

"Es ist ein ökonomischer Versuch, den Inlandskonsum anzutreiben", sagte Grömling. "Und 20 Milliarden Euro, die die reduzierte Mehrwertsteuer den Staat kostet, sollte man nicht einfach ignorieren."

Die Bewertung der eigenen Finanzlage hingegen hat sich nur wenig verschlechtert: Der Saldo sank von 12,6 im ersten auf 9,7 Prozentpunkte im zweiten Quartal. Laut Grömling liegt das vor allem an den staatlichen Hilfen wie Kurzarbeitergeld oder dem Kinderbonus, der im Herbst ausgezahlt werden soll.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • IW-Kurzbericht 81/2020: Verbrauchervertrauen im Keller
  • Gespräch mit Michael Grömling
  • IW-Trends 2/2019: Konsumentenvertrauen in Deutschland
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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