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Historisches Ausmaß: Deutsche Wirtschaft bricht dramatisch ein

Mehr als 10 Prozent  

Historisches Ausmaß: Deutsche Wirtschaft bricht in Corona-Krise ein

30.07.2020, 16:20 Uhr | fls, dpa, rtr

Historisches Ausmaß: Deutsche Wirtschaft bricht dramatisch ein. Eine Monteurin beim Autozulieferer ZF Friedrichshafen: Wegen der Corona-Krise standen in vielen Fabriken im zweiten Quartal die Bänder still. (Quelle: dpa/Felix Kästle)

Eine Monteurin beim Autozulieferer ZF Friedrichshafen: Wegen der Corona-Krise standen in vielen Fabriken im zweiten Quartal die Bänder still. (Quelle: Felix Kästle/dpa)

Deutschlands Wirtschaft ist wegen der Corona-Krise im zweiten Quartal dramatisch eingebrochen. Laut Statistikamt sank die Wirtschaftsleistung um 10,1 Prozent. Deutschland befindet sich damit in einer Rezession.

Die deutsche Wirtschaft hat auf dem Höhepunkt der Corona-Krise einen noch nie da gewesenen Einbruch erlebt. Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im zweiten Quartal gegenüber dem Vorquartal um 10,1 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden in einer ersten Schätzung mitteilte.

Es war der stärkste Rückgang seit Beginn der vierteljährlichen BIP-Berechnungen im Jahr 1970. Bereits zum Jahresanfang war die Wirtschaftsleistung deutlich gesunken. In den Monaten Januar, Februar und März war das BIP rückläufig – obwohl der Lockdown und die damit verbundenen Einkaufs- und Produktionseinschränkungen erst Ende März begann.

Schon im ersten Quartal sank das BIP wegen Corona

Im ersten Quartal 2020 schrumpfte das BIP um 2,2 Prozent im Vergleich zum vierten Quartal 2019. Europas größte Volkswirtschaft steckt mit den neuen offiziellen Zahlen nun in einer tiefen Rezession.

Nach Angaben der Wiesbadener Behörde sind im zweiten Quartal die Exporte und Importe von Waren und Dienstleistungen erheblich eingebrochen sowie die privaten Konsumausgaben und die Investitionen der Unternehmen in Ausrüstungen wie Maschinen. Der Staat erhöhte dagegen seine Konsumausgaben während der Krise.

Im Vorjahresvergleich brach die Wirtschaftsleistung um 11,7 Prozent ein. Den bisher stärksten Rückgang des BIP gegenüber einem Vorjahresquartal hatte es während der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise mit minus 7,9 Prozent im zweiten Quartal 2009 gegeben.

Konjunkturanstieg im zweiten Halbjahr erwartet

Das Bruttoinlandsprodukt ist der wichtigste Gradmesser für die Wirtschaftsleistung. Per Definition fasst es den Wert sämtlicher Waren und Dienstleistungen zusammen, die während eines festgelegten Zeitraums in einem bestimmten Land für den Endverbraucher hergestellt wurden.

Volkswirte gehen davon aus, dass die Konjunktur im zweiten Halbjahr anzieht, vorausgesetzt die Infektionszahlen steigen nicht wieder deutlich an. Die wegen des Virus verhängten Einschränkungen für Wirtschaft und Gesellschaft wurden seit Mai zunehmend gelockert.

Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) stehen die Zeichen "eindeutig auf Erholung". Es werde aber wohl zwei Jahre dauern, bis der historische Einbruch vom Frühjahr wettgemacht sei.

Tiefpunkt im April durchschritten

Der Deutschen Bundesbank zufolge dürfte der Tiefpunkt der wirtschaftlichen Aktivität bereits im April erreicht worden sein. Im zweiten Halbjahr dürfte sich die wirtschaftliche Erholung fortsetzen. "Dazu wird auch das zuletzt beschlossene Konjunkturpaket beitragen", schrieben die Experten im jüngsten Monatsbericht.

Die Bundesregierung hat für die Jahre 2020 und 2021 ein insgesamt 130 Milliarden Euro schweres Konjunkturpaket aufgelegt. Unter anderem wurde die Mehrwertsteuer vom 1. Juli an für ein halbes Jahr gesenkt: von 19 auf 16 Prozent beziehungsweise 7 auf 5 Prozent. Das soll den Konsum als wichtige Stütze der Konjunktur ankurbeln.

"Kein Anlass zur Panik"

Trotz des starken Konjunktureinbruchs warnte der Ökonom Friedrich Heinemann vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) vor zu großer Angst. "Die Zahlen aus Wiesbaden bestätigen, was jeder bereits wusste", sagte er.

"Die Bundesrepublik durchläuft derzeit die mit Abstand tiefste Rezession ihrer Geschichte. Dennoch sind die bedrohlich aussehenden Zahlen kein Anlass zur Panik." Die deutsche Wirtschafts- und Finanzpolitik habe mit ihren Liquiditätshilfen und dem Konjunkturprogramm vom Juni 2020 "insgesamt klug und angemessen" reagiert und betreibe "eine erfolgreiche Schadensbegrenzung".

Verwendete Quellen:
  • Destatis-Pressemitteilung
  • Nachrichtenagenturen dpa und Reuters

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