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Gold kaufen: Rekordpreise beim Gold – sollte ich jetzt einsteigen?


Teures Edelmetall  

Rekordpreis beim Gold – sollte ich jetzt einsteigen?

05.08.2020, 17:14 Uhr
Gold kaufen: Rekordpreise beim Gold – sollte ich jetzt einsteigen?. Goldbarren auf Dollarscheinen: Der Goldpreis hat ein neues Allzeithoch erreicht. (Quelle: imago images/blickwinkel)

Goldbarren auf Dollarscheinen: Der Goldpreis hat ein neues Allzeithoch erreicht. (Quelle: blickwinkel/imago images)

Der Goldpreis ist auf Rekordjagd: Erst am Dienstag übersprang der Wert des Edelmetalls erstmals die Marke von 2.000 US-Dollar. Und ein Ende ist – erst einmal – nicht in Sicht. Sollte ich als Anleger einsteigen?

Die Corona-Krise sorgt für immer neue Schlagzeilen: Jüngst verzeichnete die deutsche Wirtschaft einen historischen Rückgang, das Bruttoinlandsprodukt brach im zweiten Quartal um mehr als zehn Prozent ein. Gleichzeitig erreichten zahlreiche Tech-Aktien zuletzt neue Höchststände – nicht zuletzt, weil die Politik und die Zentralbanken sich mit Rekordsummen gegen die Krise stemmen.

Und noch ein Rekord rückt jetzt in den Fokus vieler Anleger: der von Gold. Das Edelmetall erreichte zwischenzeitlich mit einem Preis von rund 2.055 US-Dollar einen neuen Höchststand, nachdem es erst am Dienstag die Marke von 2.000 Dollar knackte.

Seit Beginn des Jahres hat Gold damit etwa 33 Prozent an Wert gewonnen. Auch in Euro gerechnet erreichte der Preis für eine Feinunze zuletzt einen neuen Rekordwert bei 1.720,04 Euro.

Doch woran liegt das genau? Wird der Preis noch weiter in die Höhe gehen? Und kann ich als Privatanleger davon profitieren? t-online.de beantwortet die wichtigsten Fragen zum Goldpreis.

Warum steigt der Goldpreis so stark?

Das hat gleich mehrere Gründe. Sie alle hängen mit Angst zusammen – und der Unsicherheit, die die Corona-Pandemie bei vielen Investoren und Kleinanlegern hervorruft.

Denn Gold gilt gemeinhin als "Krisen-Währung", als "sicherer Hafen" für Anleger. Bei Sorgen vor fallenden Aktienkursen oder Zinsen nutzen Anleger Gold als Wertspeicher – eine Funktion von Gold, die mit dem "inneren Sachwert" und der weltweit begrenzten Menge des Metalls zusammenhängt.

Diese drei Gründe sorgen für die Rekordjagd beim Goldpreis:

  • Die Angst vor einer zweiten Corona-Welle
  • Die Schwäche des Dollars
  • Die Furcht vor Inflation 

Angst vor einer zweiten Corona-Welle

Momentan fürchten viele Investoren eine zweite Corona-Welle. Kommt es dabei zu erneuten Lockdowns, wäre dieser wieder mit erheblichen wirtschaftlichen Einbußen verbunden.

Auch die Aktienkurse könnten dadurch erneut in den Keller rauschen, wie bereits im März geschehen. Um ihre Verluste einzugrenzen, ihre Werte zu sichern, setzen Investoren deshalb auf Gold.

Schwäche des US-Dollars

Derzeit ist der US-Dollar im Vergleich zu anderen Währungen sehr schwach. Weil Gold auf dem Weltmarkt in Dollar gehandelt wird, macht eine schwache US-Währung das Edelmetall in Ländern außerhalb des Dollarraums günstiger – Investoren außerhalb Amerikas greifen also vermehrt zu.

Furcht vor Inflation

Viele Investoren haben Sorgen, dass die Inflation, also eine Geldentwertung, stark anziehen könnte. Auslöser dafür könnte die Geldpoltik der Zentralbanken sein. Schließlich kaufen etwa die amerikanische Notenbank Fed sowie die Europäische Zentralbank (EZB) Staats- und Unternehmensanleihen in Milliardenhöhe an.

Gelangt dieses Geld letztendlich in den Wirtschaftskreislauf, könnte die Geldmenge ansteigen – und so auch die Inflation, wie auch Hans-Günter Ritter vom Edelmetallhändler Heraeus betont. "Gold gilt traditionell als Inflationsschutz", sagt er.

Neben dem Ankauf von Anleihen haben die Zentralbanken noch ein anderes Instrument – die Anpassung der Leitzinsen. Seit Jahren schon liegt der Leitzins der EZB bei null Prozent. Auch die US-Notenbank Fed will am Zins nahe Null festhalten, wie sie zuletzt signalisierte.

Die niedrigen Zinsen senken die sogenannten Opportunitätskosten für die Haltung von Gold. Das sind indirekte Kosten, die entstehen, wenn man beim Kauf einer Ware auf eine andere verzichten muss – etwa weil beide zu kaufen zu teuer wäre.

Da Gold keine Zinsen abwirft, profitieren Anleger nur von steigenden Kursen. Bei anderen Anlageobjekten wie Anleihen sind die Zinsen wegen der Geldpolitik der Notenbanken zurzeit jedoch niedrig – Gold kostet so relativ betrachtet also weniger.

Wird der Goldpreis weiter steigen?

Ja, aber nur etwas – prognostiziert jedenfalls Gabor Vogel, Rohstoffanalyst bei der DZ Bank, im Gespräch mit t-online.de. "Bis zum Ende des Jahres wird der Goldpreis sicher noch etwas steigen", sagt er. "Denn die Risiken wegen der Corona-Pandemie sind noch sehr hoch."

Ab nächstem Jahr rechnen Ökonomen jedoch wieder mit einem wirtschaftlichem Aufschwung – eigentlich ein Anzeichen dafür, dass der Goldpreis wieder fallen könnte. Von einem Absturz des Preises aber geht Vogel nicht aus: "Die Unsicherheiten werden immer noch da sein – und dementsprechend genügend Anleger, die auf Gold setzen."

Der DZ-Experte rechnet vielmehr mit einem "moderaten Rückgang" – der Goldpreis werde sich dann bei rund 1.900 US-Dollar einpendeln: "Die Corona-Unsicherheiten sorgen dauerhaft für einen hohen Goldpreis."

Sollte ich als Privatanleger jetzt Gold kaufen?

Nein, eher nicht. Denn der Preis des Goldes ist bereits sehr hoch. Wahrscheinlich ist laut Vogel zudem, dass der Goldpreis dauerhaft auf dem hohen Niveau verharrt – und nicht noch deutlich stärker ansteigt. Er würde Kleinanlegern deshalb momentan nicht zum Einstieg raten.

Eine Ausnahme könnte der Wunsch sein, das eigene Wertpapierdepot breiter aufzustellen. In diesem Fall sei es grundsätzlich weiter sinnvoll, einen Teil seines Geldes auch in Gold zu investieren. "Wenn Privatanleger Interesse daran haben, sollten sie aber auf einen – leichten – Preisrückgang warten", so Vogel.

Wichtig bei der Kaufentscheidung ist auch: Gold in Form von Münzen oder Barren zu halten, ist jedoch mit zusätzlichen Kosten verbunden – weil man das Gold etwa in einem Bankschließfach lagern sollte.

Spezielle Wertpapiere machen den Goldkauf günstiger

Einfacher und günstiger ist das Investment in spezielle Wertpapiere, Gold-ETCs genannt. Diese bilden die Wertentwicklung des Goldes nach. Generell gilt aber für das Investment in Gold: Der Preis ist sehr volatil, also schwankungsanfällig. Das heißt, Anleger sollten mit Gold nicht spekulieren, sondern langfristig im Depot halten. So können sich Kursschwankungen wieder ausgleichen.

Wenn man als Privatanleger an Edelmetallen interessiert ist, sollte man sich auch Silber oder Palladium anschauen. Diese Edelmetalle haben – anders als Gold – noch einen Zweck in der Industrie. Silber etwa wird für Photovoltaikanlagen benötigt, Palladium dient vor allem der Automobilindustrie als Abgaskatalysator in Otto-Motoren.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Gespräch mit Gabor Vogel
  • Commerzbank Commodities Research
  • Mit Material der Nachrichtenagenturen dpa und Reuters
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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