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Ant Group: Größter Börsengang aller Zeiten geplatzt


Alipay wollte an die Börse  

Größter Börsengang aller Zeiten überraschend geplatzt

03.11.2020, 17:02 Uhr | dpa-AFX

Ant Group: Größter Börsengang aller Zeiten geplatzt. Hauptsitz der Ant Group in der ostchinesischen Provinz Zhejiang: Der Börsengang des Unternehmens ist geplatzt. (Quelle: dpa/Uncredited/CHINATOPIX)

Hauptsitz der Ant Group in der ostchinesischen Provinz Zhejiang: Der Börsengang des Unternehmens ist geplatzt. (Quelle: Uncredited/CHINATOPIX/dpa)

Der Betreiber des chinesischen Bezahldienstes Alipay, die Ant-Gruppe, wollte an die Börse. Doch daraus wurde nichts. Hat die scharfe Kritik des Alibaba-Gründers etwas damit zu tun?

Nur zwei Tage vor dem geplanten Rekord-Börsengang des Finanzablegers der weltgrößten Online-Handelsplattform Alibaba ist das Debüt in Shanghai und Hongkong geplatzt. Das mit Spannung erwartete Doppellisting der Ant Group sollte den Erwartungen nach mit 34,5 Milliarden US-Dollar (29,2 Milliarden Euro) der größte Börsengang aller Zeiten werden.

Der Fintech-Riese betreibt den populären mobilen Bezahldienst Alipay. Die Aufsichtsgremien der Börsen in Shanghai und Hongkong setzten die Börseneinführung aber überraschend vorerst aus.

Die Shanghaier Börse begründete den Schritt am Dienstagabend Ortszeit damit, dass sich das "aufsichtsrechtliche Umfeld" bedeutend geändert habe. Das könnte dazu führen, dass Ant Group die Bedingungen für den Börsengang und die Offenlegungspflichten nicht erfüllen könnte. Ant Group teilte nach Angaben der Finanzagentur Bloomberg mit, dass auch das Debüt in Hongkong gestoppt worden sei.

Alibaba-Gründer wurde vorgeladen

Am Vortag waren der Alibaba-Gründer Jack Ma und andere Führungskräfte des Unternehmens von Chinas Zentralbank und anderen Aufsichtsbehörden vorgeladen worden. Es sei um "die Gesundheit und Stabilität des Finanzsektor" gegangen, hieß es hinterher. Ant Group wolle die dabei ausgetauschten Meinungen umsetzen, teilte das Unternehmen danach mit. Es blieb aber unklar, was die Anweisungen gewesen sind.

In dem Treffen wurde Milliardär Ma und seinen Managern nach Angaben der Finanzagentur Bloomberg mitgeteilt, dass sich Ant Group bei seiner Expansion den gleichen Beschränkungen hinsichtlich Kapital und Verschuldung unterwerfen müsse wie chinesische Banken. Es wird ferner zudem spekuliert, dass der Milliardär Ma, Chinas zweitreichster Unternehmer, den Zorn der Finanzhüter auf sich gezogen haben könnte.

Die ungewöhnliche Vorladung folgte auf scharfe Kritik von Ma, der lokalen und globalen Regulierungsbehörden kürzlich in einer Rede vorgeworfen hatte, Innovation zu bremsen und neuen Entwicklungen nicht genug Aufmerksamkeit zu schenken. "Gute Innovation hat keine Angst vor Regulierung, aber sie hat Angst vor veralteten Vorschriften", wurde Ma zitiert. Die Zukunft dürfe nicht "mit Methoden von gestern" reguliert werden.

Alipay-App hat eine Milliarde Nutzer

Das geplante Aktiendebüt hätte mit 34,5 Milliarden US-Dollar den bislang größten Börsengang von Saudi Aramco in Höhe von 29 Milliarden Dollar übertreffen können. Der saudische Ölriese hatte im Dezember 2019 allerdings nur 1,5 Prozent seiner Anteile verkauft. Die Ant Group wäre mit dem Börsengang mehr als 200 Milliarden US-Dollar wert gewesen. Kein anderes Fintech-Unternehmen wird derart hoch bewertet.

Ant Group betreibt in China nicht nur den mobilen Bezahldienst Alipay, sondern bietet auch Kredite, Versicherungen und Vermögensverwaltung an. Den mobilen Bezahlmarkt teilt sich Alipay mit der Konkurrenz von Wechat-Pay des chinesischen Internetkonzerns Tencent. Das Milliardenvolk bezahlt heute in Geschäften meist nur noch mit dem Handy, indem ein Code eingescannt wird.

Die Alipay-App hat 711 Millionen monatliche Nutzer – eine Milliarde insgesamt. Auch in Europa wird Alipay von Tausenden Einzelhändlern akzeptiert, um chinesische Touristen anzulocken. In Deutschland bieten die Drogerieketten dm und Rossmann sowie die WMF-Gruppe, der Kaufhof oder der Flughafen München die Zahlung mit Alipay an.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa

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