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Für die Altersvorsorge: Aktien steuerfrei, wenn langfristige Anlage


Förderung der Aktienkultur  

"Die Altersvorsorge in Deutschland fährt vor die Wand"

20.11.2020, 20:18 Uhr
Für die Altersvorsorge: Aktien steuerfrei, wenn langfristige Anlage. Frank Schäffler: Der FDP-Politiker will die Aktienkultur in Deutschland fördern. (Quelle: imago images/Christian Spicker)

Frank Schäffler: Der FDP-Politiker will die Aktienkultur in Deutschland fördern. (Quelle: Christian Spicker/imago images)

Bis 2009 fielen auf Gewinne aus Aktien keine Steuern an, wenn man die Papiere zwölf Monate lang hielt. Politiker fordern jetzt, diese Frist wiedereinzuführen – und stellen auf die Altersvorsorge ab.

Politiker mehrerer Bundestagsfraktionen haben sich für eine Wiederbelebung der Spekulationsfrist bei Aktien ausgesprochen. Damit stellen sie sich hinter die Idee des Börsenexperte Christian W. Röhl: Er hatte jüngst im Interview mit t-online gefordert, dass Gewinne auf Aktien steuerfrei werden sollten, wenn Anleger die Wertpapiere mindestens ein Jahr lang halten. "Das belohnt alle, die langfristig anlegen und eben nicht zocken", sagte Röhl.

FDP-Bundestagsabgeordneter Frank Schäffler unterstützt solche Forderungen. "Um die deutsche Aktienkultur zu fördern, ist die Spekulationsfrist unverzichtbar", sagte der Politiker im Gespräch mit t-online.

Momentan fällt die Abgeltungssteuer auf alle Gewinne an, die über den Sparerpauschbetrag reichen. Die Steuer beträgt pauschal 25 Prozent plus Solidaritätsbeitrag und je nachdem Kirchensteuer. Bis 2009 galt noch eine Spekulationsfrist von zwölf Monaten.

Lebensversicherung lohnt sich kaum mehr

"Die Altersvorsorge in Deutschland fährt vor die Wand", sagte Schäffler, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Steuern und Finanzen in der FDP-Fraktion. "Der Zins wurde zerstört, weshalb sich Garantieprodukte wie Lebensversicherungen nicht mehr lohnen."

Die EZB hält den Leitzins seit Jahren bei null Prozent. Durch die niedrigen Zinsen können Versicherer das Kapital ihrer Kunden kaum mehr gewinnbringend anlegen; der sogenannte Höchstrechnungszinssatz der Lebensversicherer, landläufig als Garantiezins bekannt, wurde immer wieder gesenkt.

Aktieninstitut spricht sich für Spekulationsfrist aus

Trotzdem sind in Deutschland gerade einmal 16 Prozent am Aktienmarkt investiert, meist über Fonds, also Geldkörbe, die breit in Aktien investieren. "Der Deutsche war schon immer risikoscheu. Er ist zum Sparen erzogen worden", sagte Röhl t-online.

Auch das Deutsche Aktieninstitut (DAI) sieht das Problem, dass viele Deutschen den Aktienmarkt scheuen. "Ich bin grundsätzlich Anhänger aller Maßnahmen, die die Aktienkultur in Deutschland stärken", sagte Franz-Josef Leven, stellvertretender DAI-Geschäftsführer, t-online."Die Einführung einer Spekulationsfrist wäre ein vielversprechender Vorstoß, mehr Menschen für Aktien zu begeistern."

Diese Mindesthaltedauer würde signalisieren, "dass Aktien als langfristige Geldanlage gesehen werden und sich daher besonders gut für die Altersvorsorge eignen." Leven ergänzt: "Grundsätzlich braucht es ein klares Bekenntnis der Politik zur Aktie, um diese für breite Kreise der Bevölkerung attraktiv zu machen."

FDP: "Reihenweise Altersarmut verhindern"

Die finanzpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Antje Tillmann, sieht auch die Vorteile einer Spekulationsfrist. "Eine vernünftige Aktienkultur ist für die Union ein wichtiger Baustein im Rahmen der privaten Altersvorsorge", sagte Tillmann t-online.

"Die steuerfreie Veräußerung von Aktien nach einer Haltefrist könnte Anlegerinnen und Anleger motivieren, stärker in Unternehmensanteile zu investieren." Allerdings räumt sie ein: "Für eine Wiedereinführung dieser Regelung sehe ich derzeit aber keine Mehrheiten."

Auch Schäffler zeigt sich ernüchtert. "Um reihenweise Altersarmut zu verhindern, brauchen wir den Aktienmarkt für die Altersvorsorge", sagte er. "Doch mit der SPD in der Regierung ist so etwas nicht zu machen", so der FPD-Mann. "Scholz und Heil wollen die Aktienkultur klein halten."

Scholz will keine neue Spekulationsfrist

Das zuständige Bundesfinanzministerium teilte auf Anfrage von t-online mit: "Von einer entwickelten Aktienkultur profitieren sowohl Unternehmen als auch Anleger." Gleichzeitig verweist das Ministerium auf Erleichterungen wie etwa die geplante Erhöhung der Freibeträge für Mitarbeiter-Aktienprogramme. 

Eine Wiederbelebung der Spekulationsfrist sieht das Ministerium allerdings kritisch. Der Grund: Diese könne "Anreize zu Steuergestaltungen schaffen." Im Klartext heißt das: Das Finanzministerium befürchtet, dass Anleger Steuern hinterziehen.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Gespräch mit Frank Schäffler
  • Gespräch mit Christian W. Röhl
  • Statement Franz-Josef Leven
  • Statement Antje Tillmann
  • Statement Bundesfinanzministerium
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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