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Dax 40: Das sind die heißesten Anwärter auf den erweiterten Aktienindex


Airbus, Zalando und Co.  

Das sind die heißesten Anwärter auf den neuen Dax

25.11.2020, 15:38 Uhr
Dax 40: Das sind die heißesten Anwärter auf den erweiterten Aktienindex. Dax-Kurve (Symbolbild): Der deutsche Leitindex listet künftig 40 Unternehmen. (Quelle: imago images/Hans-Günther Oed)

Dax-Kurve (Symbolbild): Der deutsche Leitindex listet künftig 40 Unternehmen. (Quelle: Hans-Günther Oed/imago images)

Die Deutsche Börse hat entschieden: Der Dax soll ab Herbst 2021 40 Unternehmen listen – zehn mehr als jetzt. Welche Firmen könnten sich die Plätze in der ersten Börsenliga sichern?

Ab September 2021 wird der Deutsche Aktienindex (Dax) aus 40 statt 30 Unternehmen bestehen. Das entschied die Deutsche Börse nach einer Umfrage unter Marktteilnehmern. Auch weitere Änderungen hat sie beschlossen (siehe unten).

Die wichtigste Frage ist nun: Welche Aktiengesellschaften schaffen den Aufstieg in den Leitindex, die erste deutsche Börsenliga? t-online stellt Ihnen die heißesten Kandidaten für den größeren Dax 40 vor.

Welche Änderungen im Dax kommen?

Der Dax steht vor dem größten Umbau seiner mehr als 30-jährigen Geschichte. Ein Überblick über die wichtigsten Änderungen:

  • Größe: Ab September 2021 wächst der Dax um zehn börsennotierte Firmen auf 40 Mitglieder. Der MDax der mittleren Werte schrumpft dagegen von 60 auf 50 Firmen.
  • Überprüfung: Die Deutsche Börse wird die Zusammensetzung der Indizes ab 2021 zweimal im Jahr überprüfen – bislang machte sie dies nur einmal im Jahr im September. Ab Herbst 2021 wird dabei zur Vereinfachung nur noch die Marktkapitalisierung herangezogen, also der Börsenwert eines Unternehmens. Der Börsenumsatz, also wie viele Aktien gehandelt werden, wird nicht mehr berücksichtigt, allerdings müssen die Unternehmen eine Mindestliquidität aufweisen.
  • Profitabilität: Ab Dezember 2020 will die Deutsche Börse als Herausgeber des Dax nur noch Firmen in den Index aufnehmen, die in den zwei Jahren vor dem Dax-Aufstieg einen operativen Gewinn, also einen Profit vor Abzug von Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) ausgewiesen haben.
  • Kontrolle: Firmen, die ihre Bilanzen nicht fristgerecht vorlegen, fliegen künftig aus dem Dax, MDax, SDax und TecDax heraus. Als Frist gelten weiterhin drei Monate nach Geschäftsjahresende und 45 Tage nach Ablauf eines Quartals. Vorgeschrieben wird auch ein Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats, der etwa die Rechnungslegung überwacht und Konsequenzen aus Regelverstößen zieht. Diese Änderungen gelten bereits ab März 2021. Für bestehende Mitglieder gibt es beim Prüfungsausschuss eine Übergangsfrist bis September 2022.
  • Nachhaltigkeit: Die vorgeschlagene Verbannung von Firmen, die an umstrittenen Waffen ("controversial weapons") beteiligt sind, setzte sich nicht durch.

Kandidat 1: Airbus

Der wohl heißeste Kandidat ist der europäische Flugzeughersteller Airbus, der auch einige Produktionsstätten in Deutschland hat. Das Unternehmen kommt auf einen Börsenwert von fast 71 Milliarden Euro – und wäre damit im neuen Dax ein Schwergewicht.

Airbus ist bereits im französischen Leitindex Cac 40 gelistet sowie im europäischen Leitindex Eurostoxx 50 und im deutschen MDax. Bislang scheiterte der Einzug in den Dax am Börsenumsatz. Doch das Kriterium fällt ab Herbst 2021 weg, der Weg in den Dax ist dann frei.

Airbus A 310 (Symbolbild): Der Flugzeughersteller hat gute Chancen auf einen Platz im Dax. (Quelle: imago images/Andreas Weihs)Airbus A 310 (Symbolbild): Der Flugzeughersteller hat gute Chancen auf einen Platz im Dax. (Quelle: Andreas Weihs/imago images)

Eine Zeitlang stand auf der Kippe, ob Unternehmen, die einen Teil ihres Umsatzes mit kontroversen Waffen ("controversial weapons") verdienen, also etwa Atombomben oder Streubomben, in den neuen Dax eingelassen werden.

Das hätte Airbus getroffen: Eine Tochterfirma des Airbus-Konzerns wartet die Trägerraketen für französische Atomwaffen. Doch einen entsprechenden Vorschlag setzte die Deutsche Börse nicht um.

Kandidat 2: Siemens Healthineers

Der Medizintechnikkonzern landet nach dem Börsenwert auf dem zweiten Platz hinter Airbus. Der Wert sämtlicher Aktien beläuft sich aber nur auf eine Summe von rund 40 Milliarden Euro. Das Tochterunternehmen von Siemens stellt etwa Ultraschall- oder Mammografiegeräte her. Jüngst kündigte es die Übernahme des US-Krebsspezialisten Varian an.

Kandidat 3: Sartorius

Der Laborzulieferer Sartorius aus Göttingen ist ein klassischer Corona-Krisen-Profiteur. Der Aktienkurs des Konzerns zog zuletzt kräftig an. Mittlerweile kommt das Unternehmen auf einen Börsenwert von rund 23,5 Milliarden Euro.

Kandidat 4: Zalando

Unter den Dax-Anwärtern ist auch der Online-Modehändler Zalando. Das Berliner Unternehmen kommt auf einen Börsenwert von rund 20 Milliarden Euro. Problem könnte hier sein: Das Unternehmen schreibt immer wieder rote Zahlen – es müsste aber zwei Jahre lang operative Gewinne vorweisen, dass es aufsteigen kann.

Frau mit Zalando-Paketen: Der Online-Modehändler hat gute Chancen auf den Dax. (Quelle: imago images/Geisser)Frau mit Zalando-Paketen: Der Online-Modehändler hat gute Chancen auf den Dax. (Quelle: Geisser/imago images)

Wenn Zalando in den Dax aufsteigen würde, wäre noch ein Unternehmen aus der Start-up-Schmiede Rocket Internet im wichtigsten Aktienindex Deutschlands gelistet: Seit dem Sommer ist der Essenslieferdienst Delivery Hero Teil des deutschen Leitindex und ersetzte dort den insolventen Wirecard-Konzern.

Kandidat 5: Hannover Rück

Der Rückversicherer Hannover Rück hatte bereits 2009 ein kurzes Gastspiel in der ersten deutschen Börsenliga. Zuletzt notiert die Aktie wieder im MDax. Mit der Erweiterung des Dax und einem Börsenwert von mehr als 17 Milliarden Euro könnte das Versicherungsunternehmen wieder in die erste Börsenliga vorrücken.

Ein Rückversicherer versichert letztlich eine Versicherung. So können Risiken für den Erstversicherer gesenkt werden. Hannover Rück gehört zu den weltgrößten Rückversicherern.

Kandidat 6: Siemens Energy

Auch ein anderer ehemaliger Siemens-Konzern könnte bald in den Dax aufsteigen: Siemens Energy. Die erst im Sommer abgespaltene Siemens-Tochter fokussiert sich auf die Energieerzeugung und -Übertragung Siemens Energy kommt auf einen Börsenwert von immerhin 15 Milliarden Euro.

Windrad im Bau (Symbolbild): Siemens Energy könnte in den Dax aufsteigen. (Quelle: imago images/alimdi)Windrad im Bau (Symbolbild): Siemens Energy könnte in den Dax aufsteigen. (Quelle: alimdi/imago images)

Bevor es in den Dax geht, wird Siemens Energy Index-Experten zufolge zunächst im Dezember in den MDax der mittleren Werte aufsteigen.

Kandidat 7: Symrise

Der Duftstoff - und Aromenhersteller Symrise mit einem Börsenwert von 14 Milliarden Euro hatte bereits im Sommer Chancen auf einen Dax-Einzug. Doch für den insolventen Wirecard-Konzern zog letztlich der Essenslieferdienst Delivery Hero ein.

Symrise-Chef Heinz-Jürgen Bertram dürfte das gefreut haben. So sagte er im Sommer: "Ich weiß nicht, ob es toll ist, dem Trümmerhaufen Wirecard im Dax nachzufolgen." Nun steht ein Einzug bevor – ohne direkt auf den Zahlungsabwickler zu folgen.

Kandidat 8: Brenntag

Brenntag ist Weltmarktführer im Chemiehandel. Das Unternehmen, das auf einen Eiergroßhandel im 19. Jahrhundert zurückgeht, gehörte zwischenzeitlich zur Deutschen Bahn.

Der Essener Konzern machte sich schon mehrfach Hoffnung auf einen Einzug in den Dax, scheiterte bislang aber immer. Nun könnte es reichen. Brenntag kommt auf einen Börsenwert von knapp 10 Milliarden Euro.

Kandidat 9: Qiagen

Qiagen konnte ebenfalls stark von der Corona-Krise profitieren. Der Grund: Das Biotechunternehmen produziert und vertreibt medizinische Tests – auch Corona-Schnelltests.

Die Firma mit Sitz im niederländischen Venlo hat ihren Umsatz im dritten Quartal um 26 Prozent gesteigert – auf knapp 484 Millionen US-Dollar. Qiagen kommt mittlerweile auf einen Börsenwert von rund 9 Milliarden Euro.

Kandidat 10: LEG Immobilien

Mit Vonovia und der Deutsche Wohnen gibt es bereits zwei Konzerne, die sich auf die Vermietung von Immobilien spezialisiert haben. Steigt das Düsseldorfer Wohnungsunternehmen LEG Immobilien in den Dax auf, wäre die Immobilienwirtschaft folglich noch stärker im Dax vertreten. Der Konzern, der nur rund 1.500 Mitarbeiter beschäftigt, kommt auf einen Börsenwert von mehr als 8 Milliarden Euro.

Welche Kritik gibt es am neuen Dax?

Die Reaktionen auf den neuen Dax fallen unter Experten gemischt aus. Der Fondsmanager Jürgen Hackenberg der Fondsgesellschaft Union Investment begrüßte die Änderungen, sieht aber weiteren Handlungsbedarf. "Der Wirecard-Skandal hat die Börse wachgerüttelt, eine Erneuerung war überfällig", sagte er im Gespräch mit t-online. "Eine Revolution sind die neuen Regeln nicht, aber ein Schritt in die richtige Richtung."

Besonders die Vergrößerung des Leitindex sieht Hackenberg positiv. "Der Dax als Aushängeschild erhält so mehr Gewicht." Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei der Fondsgesellschaft Deka, teilte auf t-online-Anfrage mit: "Ein breiterer Dax bedeutet auch mehr Streuung und damit mehr Stabilität." Eine Reform des Dax sei angesichts seiner 30-jährigen Geschichte "nur folgerichtig".

"MDax zum Wohle des Dax geopfert"

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hingegen sieht die Erweiterung kritisch. "Letztendlich hat man den MDax zum Wohle des Dax geopfert", sagte Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler.

Hackenberg sieht die Kritik nicht. "Es war nur logisch, dass der MDax kleiner wird, wenn der Dax 40 kommt." Es habe auch etwas Positives: "MDax-Firmen erhalten nun ein größeres Indexgewicht – und womöglich mehr Aufmerksamkeit von Investoren."

Kritik kommt zu der Nachhaltigkeitsregel, die nicht aufgenommen wurde. "Nachhaltigkeit ist heute bei vielen Investoren im Investment-Prozess integriert und bietet einen Mehrwert", so Deka-Experte Speich zu t-online. "Eine stärkere Berücksichtigung wäre wünschenswert gewesen."

Was bedeuten die Dax-Änderungen für die Firmen und Anleger?

Für Börsenunternehmen, die in den Dax aufgenommen werden, ist das vor allem eine Frage von Prestige. Denn der Dax gilt als Aushängeschild der deutschen Wirtschaft. Damit verbunden ist die Hoffnung, dass die Aktien des Konzerns stärker gefragt sind – da sie nun schlichtweg sichtbarer für viele Anleger sind.

Für Anleger kommen die Dax-Änderungen vor allem dann zum Tragen, wenn sie in sogenannte Fonds investieren. Das sind Aktienkörbe, bei denen entweder ein Fondsmanager aktiv aussucht, welche Aktien er mit aufnimmt. "Mit dem Dax 40 verlieren die Indexschwergewichte etwas an Gewicht, was für einen aktiven Fondsmanager von Vorteil ist, da sonst eine Übergewichtung der größten Dax-Titeln sehr schwierig ist", sagte Fondsmanager Hackenberg.

Eine andere Möglichkeit, die meist für Privatanleger günstiger ist, sind Fonds, die einen ganzen Index per Computersteuerung nachbilden. Diese passiven Fonds nennt man auch ETFs. Bei diesen wird dann automatisch umgeschichtet.

Verwendete Quellen:


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