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MDax: Warum sich der kleine Dax-Bruder für Anleger lohnen kann


MDax wird 25  

Darum kann sich der kleine Dax-Bruder für Anleger lohnen

19.01.2021, 07:49 Uhr
MDax: Warum sich der kleine Dax-Bruder für Anleger lohnen kann. Lufthansa-Jet (Symbolbild): Die Deutsche Lufthansa ist seit Sommer 2020 im MDax gelistet. (Quelle: imago images/ZUMA Wire)

Lufthansa-Jet (Symbolbild): Die Deutsche Lufthansa ist seit Sommer 2020 im MDax gelistet. (Quelle: ZUMA Wire/imago images)

Der MDax der mittelgroßen Aktiengesellschaften wird heute 25 Jahre alt. Pünktlich zum Jubiläum steht der zweitwichtigste deutsche Aktienindex am Scheideweg. Ist er für Anleger noch eine Option?

Zweitgeborene haben es schwer. Die ältere Schwester steht häufiger im Fokus, der große Bruder wird öfter angehimmelt als der kleine. Ähnlich wie in vielen Familien verhält es sich auch an der Frankfurter Börse, in der Dax-Dynastie.

Während sich die Augen von Investoren und Anlegern täglich auf den Kurs des Deutschen Aktienindex (Dax), dem Leitindex und Aushängeschild der Aktienlandschaft in Deutschland, richten, kümmern sich nur wenige um den MDax der mittelgroßen Unternehmen. Am 19. Januar 1996, acht Jahre nach dem Dax, wurde er das erste Mal berechnet.

Wie ist es heute – an seinem 25. Geburtstag – um den MDax bestellt? Ist es gerechtfertigt, dass sich deutlich weniger Menschen mit dem Index beschäftigen? Und wie geht es mit dem MDax angesichts der neuen Dax-Regularien dieses Jahr weiter?

"Der MDax steht trotz seiner enormen Kursentwicklung und Bedeutung oftmals nicht im Rampenlicht", sagt Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte bei der Dekabank, im Gespräch mit t-online. "Das ist sehr schade. Denn der MDax ist angesichts der gelisteten Unternehmen ein sehr wichtiger deutscher Aktienindex."

Wie gut sich der Kurs des MDax tatsächlich entwickelt hat, zeigt ein einfacher Vergleich mit seinem großen Bruder: Der MDax legte zwischen 1996 und heute um mehr als 1.000 Prozent zu – mehr als doppelt so viel wie der Dax. Der MDax hat damit auch deutlich besser performt als der MSCI World, der mehr als 1.600 Unternehmen aus den Industrieländern listet und als guter Basis-Klassiker für ein ETF-Investment gilt.

Die besondere Kursentwicklung erklärt Schallmayer mit den Unternehmen, die im MDax gelistet sind. "Im MDax findet sich ein sehr ausgewogener Unternehmensmix", so Schallmayer. Statt 30 große Unternehmen wie der Dax listet der MDax 60 derzeit mittelgroße Aktienunternehmen. Firmen, die zu klein für den Dax – aber für die deutsche Wirtschaft dennoch von herausragender Bedeutung sind.

"Internationale Investoren schätzen am MDax die Vielfalt der repräsentierten Branchen und die Innovationskraft der dort vertretenen Mid Caps", sagt auch Christine Bortenlänger, Geschäftsführende Vorständin des Deutschen Aktieninstituts (DAI), zu t-online. "Viele von ihnen sind Weltmarktführer in lukrativen Nischenmärkten."

Diese Firmen sind im MDax gelistet

Im MDax befinden sich Banken, Unternehmen aus der Luftfahrt, der Telekommunikation oder dem Handel: Die Lufthansa, die Commerzbank, Puma, Zalando und die Metro – sie alle sind im MDax gelistet.

Neben Industriekonzernen und Autozulieferern, etwa Dürr, Hella oder Gea, finden sich zudem einige Chemieunternehmen wie Lanxess, Wacker Chemie oder Fuchs Petrolub. Auch Firmen aus der Technologiebranche – besonders der Biotechnologie – listet der Index. Beispiele sind hier Qiagen, Siemens Healthineers, Siltronic oder Sartorius.

Gerade Firmen aus industrienahen Bereichen, der Technologiebranche oder dem Gesundheitswesen seien dabei Grund für die starke MDax-Entwicklung. "Besonders dynamische, schnell wachsende Firmen treiben das Wachstum des Index", so Schallmayer.

MDax schrumpft ab Herbst 2021

Das aber könnte sich bald ändern: Die Deutsche Börse hat aufgrund der Wirecard-Affäre eine grundlegende Überarbeitung der Regeln beschlossen, die innerhalb der Dax-Familie gelten. Die wichtigste Änderung: Während der Dax ab Herbst 2021 auf 40 Werte aufgestockt wird, schrumpft der MDax auf 50 Werte zusammen.

"Die Aufstockung des DAX hilft dem Börsenstandort Deutschland, weil sie den deutschen Leitindex noch breiter aufstellt", so DAI-Chefin Bortenlänger. "Verlierer ist allerdings der MDAX, der ein Drittel an Marktkapitalisierung und damit drastisch an Bedeutung verliert."

Aktienexperte Schallmayer sieht die MDax-Verkleinerung nicht so kritisch. "Ich würde die Stärke des MDax nicht an der Anzahl der Titel festmachen", sagt Schallmayer. Vielmehr spiele etwas anderes eine Rolle: Bislang würden Firmen im MDax wachsen und anschließend lange Zeit Teil des Index bleiben.

Airbus dürfte in den Dax aufsteigen

Doch bleibt es bei dieser Ruhe im MDax? Viele Investoren bezweifeln das. Denn: Nach den neuen Regeln der Deutschen Börse findet künftig zwei Mal pro Jahr eine Überprüfung des MDax statt. "Das kann dafür sorgen, dass dynamische Titel schneller in den Dax aufsteigen, und umgekehrt andere wiederum zügiger aus dem Dax absteigen", sagt auch Schallmayer. "Langfristig wird das dem Kurswachstum des MDax aber nicht signifikant schaden."

Bestimmend für das MDax-Jahr 2021 dürfte der wahrscheinliche Aufstieg von Airbus in die erste deutsche Börsenliga werden. Dadurch, dass durch das neue Regelwerk ab Herbst 2021 der Börsenumsatz als Aufnahmekriterium für den Dax wegfällt, zählt nicht länger die Frage, wie häufig eine Aktie gehandelt wird. Die Folge: Der Flugzeugbauer Airbus, das per Marktkapitalisierung größte Unternehmen im MDax ist, rückt im September mit sehr großer Wahrscheinlichkeit in den Dax auf.

Schallmayer: "Das Schwergewicht Airbus hat bislang den MDax stark verzerrt. Wenn die Aktie in den Dax aufsteigt, wird es zu einer gleichmäßigeren Verteilung der verbleibenden MDax-Titel kommen." Dem MDax könne das nur helfen.

Wo steht der MDax in fünf Jahren?

Die Prognose der Dekabank jedenfalls ist eindeutig: Am Ende des Jahres erwarten die Analysten, dass der MDax bei 33.000 Punkte notiert – immerhin rund 1.500 Punkte mehr als jetzt.

Und in fünf Jahren könnte der MDax bei knapp 45.000 Punkten stehen, erwarten die Deka-Experten. Das wären immerhin rund 15.000 Punkte mehr als jetzt und ein Plus von knapp 43 Prozent. "Und die Prognose ist noch konservativ angesichts des starken Kursanstiegs der letzten Jahre."

"Renditeraketen für das eigene Depot"

Schallmayer resümiert: "Der MDax bleibt für Anleger eine dynamische Alternative zum oft behäbigen großen Bruder Dax." Er spricht sich daher für ein breites Investment in den MDax aus.

"Auf Einzeltitel aus dem MDax sollten Anleger besser nicht setzen, sondern stattdessen über einen Fonds breit gestreut in mittelgroße Unternehmen investieren", so Schallmayer.

"Dax und MDax sind Renditeraketen für das eigene Depot", findet auch Bortenlänger vom Aktieninstitut. "Um den deutschen Markt breit abzudecken und die Anlage aus Risikogesichtspunkten breit zu streuen, sollte man aber nicht in Kategorien wie entweder oder denken, sondern lieber in beide investieren."

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Gespräch mit Joachim Schallmayer
  • Deka: "25 Jahre MDax"
  • Statement Christine Bortenlänger
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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