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Tipps für Anleger: Sollte ich wegen Joe Biden nun grüne Aktien kaufen?


Nachhaltiges Investieren  

Sollte ich wegen Biden nun grüne Aktien kaufen?

26.01.2021, 12:25 Uhr
 (Quelle: Glomex)
Joe Bidens erste Amtshandlungen

Der neue US-Präsident Joe Biden hat im Weißen Haus mehrere Dokumente unterschrieben. Als eine der ersten Amtshandlungen wollte Biden die USA zurück ins Pariser Klimaschutzabkommen führen. (Quelle: AFP)

46. US-Präsident: Joe Biden hat kurz nach seiner Amtseinführung erste Dokumente unterzeichnet. (Quelle: AFP)


Joe Biden ist US-Präsident – und mit ihm kommt die Hoffnung auf eine neue Klimapolitik. Was heißt das für Privatanleger? Sollte ich jetzt in grüne Aktien investieren?

Die Erwartungen an den neuen US-Präsidenten Joe Biden sind hoch: Er muss nicht nur das tief gespaltene Amerika einen. Auch hat er sich das Ziel gesetzt, eine umfassende Klimapolitik umzusetzen  – und sich damit von seinem republikanischen Vorgänger Donald Trump radikal abzukehren.

Investoren sollten jetzt aufhorchen: Denn Bidens Abkehr von fossilen Brennstoffen hat auch Auswirkungen auf den Aktienmarkt. Schon seit Anfang November stiegen etwa die Kurse von Firmen aus der Photovoltaikbranche oder Herstellern von Windkraftanlagen. Teilweise stieg ihr Wert um 100 Prozent.

Doch lohnen sich nachhaltige Investment nun überhaupt noch – oder bin ich bereits zu spät dran? Und was sollte ich als Privatanleger dabei beachten, wenn ich in grüne Aktien investiere? t-online beantwortet die wichtigsten Fragen.

Warum steigen die Kurse von grünen Aktien?

Bereits am Tage seiner Amtsanführung vergangenen Mittwoch kündigte Joe Biden die Rückkehr der USA in das Pariser Klimaabkommen an. Anders als in den vergangenen vier Jahren unter Trump sollen die Vereinigten Staaten unter Biden deutlich klimafreundlicher und nachhaltiger werden.

Den 78-Jährigen treiben ehrgeizige Ziele an: Bis spätestens 2050 sollen die USA klimaneutral wirtschaften. Dieses Ziel will der neue Präsident unter anderem durch strengere Emissionsregeln und den Ausbau erneuerbarer Energien erreichen.

Viele Investoren setzen deshalb auf Biden – und kaufen massenhaft Anteile von Firmen, die im Geschäft mit erneuerbaren Energien sind. Sie hoffen, dass die Kurse durch Bidens Klimapolitik in der Zukunft noch weiter steigen, etwa weil Windkraftanlagen unter Biden einen Boom erleben könnten.

Erst vor wenigen Tagen sagte der neue Klimabeauftragte und frühere US-Außenminister John Kerry zu t-online: "Klima ist die große Herausforderung für uns alle und wir werden dazu sehr bald direkte Gespräche mit den Anführern Europas führen."

"Chancen stehen gut, dass Biden liefert"

Und auch hierzulande sind die Erwartungen hoch. "Biden hat schon vor seiner Wahl eine radikale Kehrtwende in der Klimapolitik angekündigt", sagte Henrik Pontzen, bei Union Investment für nachhaltige Geldanlage zuständig, im Gespräch mit t-online. "Die Chancen stehen gut, dass er nun auch liefert."

Kern von Bidens Klimapolitik soll ein zwei Billionen US-Dollar großes Investitionspaket in saubere Energie werden. Mit diesem will Biden eine langfristige Veränderung sicherstellen, die unter künftigen Amtsträgern nicht einfach rückgängig gemacht werden kann.

"Was Biden will, ist ein langfristiger Wandel hin zu erneuerbaren Energien und eben kein Stilllegen der Industrie", so Pontzen. "Für Investoren schafft das Planungssicherheit – einer der wichtigsten Faktoren beim Anlegen."

Welche Sektoren profitieren besonders von der Regierung Bidens?

Das kommt darauf an, wie Biden den Übergang der bislang fossil geprägten Wirtschaft hin zu einer nachhaltigen, grünen Ökonomie im Detail gestaltet. Als sicher gilt nur, dass Firmen, die ihr Geld mit erneuerbaren Energien verdienen, von Bidens Politik profitieren dürften.

"Nachhaltigkeit ist nicht nur Tesla und E-Autos", sagte Thomas Dwornitzak, Leiter Sparen und Anlegen bei der ING, im Gespräch mit t-online. "Ganze Sektoren – Windenergie, die Solarbranche, aber auch die Wasserstoffwirtschaft – können künftig profitieren."

Auch Union-Investment-Experte Pontzen ist sich sicher: "Wenn vom nachhaltigen Investieren die Rede ist, meint man keine Bio-Imkereien. Eine nachhaltige Zukunft benötigt Hochtechnologie."

Deshalb sieht er nicht nur die Unternehmen im Kommen, die man direkt mit erneuerbaren Energien in Verbindung bringt. "Eine Windkraftanlage muss etwa mit speziellen Farben angestrichen sein", sagte er. "Investoren sollten also weiterdenken – auch Spezialchemiekonzerne oder Zuliefererbetriebe werden mit dem Nachhaltigkeitsboom zulegen." Als Anleger handele man die Zukunft, so Pontzen. "Ich muss mich fragen, wie die Welt in fünf Jahren aussehen wird."

Droht eine grüne Aktienblase?

Einige Investoren und Analysten beschwören angesichts der zuletzt stark gestiegenen Aktienkurse mancher grüner Firma bereits eine Blase – und ziehen Parallelen zum neuen Markt Anfang des Jahrtausends. Damals investierten Tausende Privatanleger in Technologiekonzerne, die von der Politik subventionierte wurden, deren Geschäftsmodell den rasanten Kursanstiegen jedoch nicht standhielten, sodass die Dotcom-Blase platzte.

Pontzen ist da gelassener. "Die Gefahr einer grünen Blase sehe ich langfristig nicht", sagte er. "Die Politik finanziert zwar massenhaft den Ausbau erneuerbarer Energien. Allerdings sind die Markteintrittsbarrieren bei solchen Unternehmen sehr hoch", so der Fondsmanager.

Damit meint er: Für Firmen ist es schwer, sich auf dem Markt für grüne Energie zu etablieren. Der Anreiz wegen Fördergeldern ein Unternehmen zu gründen, sei gering. "Hinter den Firmen muss also ein funktionierendes Geschäftsmodell stehen", sagte Pontzen.

Lohnt es sich als Privatanleger, noch einzusteigen?

Ja. "Die Klimakrise und der Kampf gegen sie wird noch mindestens die nächste Generation beschäftigen", sagte Fondsmanager Pontzen. "Noch weit über die Amtszeit hinaus wird der Trend anhalten. Die Zukunft ist noch lange nicht vorbei."

Anleger könnten also noch einsteigen, ohne Sorgen haben zu müssen, dass sie etwas verpasst hätten. Das sieht auch Anlageexperte Dwornitzak so: "Nachhaltigkeit ist ebenso wie die Digitalisierung ein Metatrend. Das ist nicht einfach im kommenden Sommer schon wieder vorbei."

Vor allem ein Investment über mehrere Jahre könne sich lohnen, sagte Pontzen. "Wer nun langfristig investiert, kann mit einer positiven Rendite rechnen."

Was muss ich als Privatanleger bei einem Investment beachten?

Wer nachhaltig Geld anlegen möchte, sollte auf die sogenannten ESG-Kriterien ("Environment, Social, Governance") achten. Diese kennzeichnen etwa einen nachhaltigen Fonds, aber auch einzelne Unternehmen. Zu Deutsch geht es bei ESG-Kriterien um nachhaltige Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsstandards.

"Doch hier gibt es große Unterschiede", so Pontzen von Union Investment. "Anleger sollten genau schauen, welche Aktien ein Fonds ausschließt – und in welche er überwiegend investiert." Auch ING-Experte Dwornitzak kritisiert: "Die ESG-Gütesiegel sind nicht sehr transparent. Anleger sollten sich deshalb einlesen – oder auf den Fondsanbieter vertrauen."

Das sollten Sie bei der Geldanlage beachten

Bei der nachhaltigen Geldanlagen gelten zusätzlich dieselben Prinzipien wie bei herkömmlichen Investments. Diese sind:

Breite Streuung: "Setzen Sie nicht alles auf eine Karte", rät Pontzen. "Streuen Sie Ihr Risiko stattdessen besser breit über viele Aktien." Das gehe am leichtesten mit einem aktiv gemanagten Fonds, bei dem ein Fondsmanager entscheidet, in welche grüne Aktien er das Geld der Investoren anlegt. Dwornitzak rät Anlegern dagegen zu einem passiven Fonds, auch ETF genannt. Bei diesen bildet ein Computeralgorithmus einen ganzen Aktienindex nach. "Mit einem ETF auf einen Index wie den MSCI World SRI investieren Anleger breit und gleichzeitig nachhaltig", sagte er. "Dieser ist vergleichsweise oft günstiger als ein aktiv gemanagter Fonds."

Langer Anlagehorizont: Um mögliche Verluste auszusitzen, sollte man mindestens sieben Jahre lang investieren. "Besser ist ein noch längerer Anlagehorizont von etwa 10 bis 15 Jahren", so Pontzen. "Am besten geht das langfristige Investieren mit einem ETF-Sparplan", ergänzt Dwornitzak. "In diesem Fall wird auch der Einstiegszeitpunkt irrelevant."

Alter des Fonds: "Bei einem Fonds, der schon lange auf dem Markt ist, weiß ich als Anleger: Der kennt sich mit der Materie aus", so Pontzen.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Gespräch mit Henrik Pontzen
  • Gespräch mit Thomas Dwornitzak
  • Mit Material der Nachrichtenagenturen AFP und Reuters
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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