"Letzte Generation" provoziert mit weiteren Störaktionen

Von ella, dpa08.12.2022, 15:53

Aktivisten der Gruppe "Letzte Generation" haben zwei Wochen nach einer viel kritisierten Störaktion am Hauptstadtflughafen erneut versucht, mit Störungen im Flugbetrieb die Aufmerksamkeit auf die Klimakrise zu lenken. Nach Angaben der Polizei klebten sich am Flughafen München am Donnerstagmorgen im nördlichen Bereich des Airports mehrere Menschen auf einem Rollweg fest. Auch am Flughafen Berlin Brandenburg (BER) gelang es zwei Aktivisten der Polizei zufolge, sich auf einem Vorfeld in der Nähe des Zauns anzukleben. Sie seien aber nicht bis zum Rollfeld gelangt. Anders als bei der Aktion am BER vor zwei Wochen ist der Flugverkehrs nicht eingeschränkt gewesen.

t-online aktuell 08.12.2022

Nach Angaben eines Sprechers des Flughafens wurde die Start- und Landebahn in München zeitweise gesperrt, die Flugzeuge nutzten stattdessen die Landebahn im Südbereich. Laut Polizei hatten Aktivisten der Gruppe auch im Südbereich des Flughafens protestieren wollen, seien aber von Beamten vorher aufgehalten worden.

Die Polizei griff nach Angaben eines Sprechers des Flughafens Münchens rasch ein. Die Aktivisten seien sehr schnell von der Bundespolizei wieder entfernt worden, erklärte ein Sprecher. Es habe keine Annullierungen und lediglich geringfügige Verspätungen gegeben, auch weil die südliche Start- und Landebahn durchgehend in Betrieb gewesen sei. Die Polizisten nahmen die Aktivisten fest.

Anders als bei einer Aktion vor zwei Wochen sei am BER der Flugbetrieb am Donnerstagvormittag nicht beeinträchtigt gewesen, erklärte eine Sprecherin der Bundespolizei. Die Demonstranten hätten einen Zaun durchschnitten, und zwei von ihnen hätten sich auf einem Vorfeld in der Nähe des Zauns festgeklebt. Bis zum Rollfeld seien sie aber nicht vorgedrungen. Sechs weitere Aktivisten seien nicht auf das Gelände gelangt. Etwa eine Stunde habe der ganze Einsatz gedauert. Seit dem vergangenen Vorfall am BER, bei dem der Flugbetrieb für fast zwei Stunden lahmgelegt war, seien die Kräfte verstärkt worden.

Über Twitter hat die "Letzte Generation" erklärt, die Polizei über ihre Aktion vor deren Beginn informiert zu haben – eine Darstellung, die von der Sprecherin der Bundespolizei auf Anfrage zurückgewiesen wurde. Konkreten Angaben habe es zunächst nicht gegeben.

Derzeit sorgt die "Letzte Generation" mit ihren Blockadeaktionen oder mit Attacken auf Kunstwerke häufig für Schlagzeilen. Die Gruppe will mit ihren Aktionen Druck auf die Bundesregierung erhöhen, stärker gegen die Klimakrise vorzugehen. Man stelle sich den Ursachen der Klimakatastrophe "direkt entgegen", teilte die Organisation auf Twitter mit und fragt, wo denn zumindest erste Sicherheitsmaßnahmen wie ein Tempolimit oder das 9-Euro-Ticket blieben.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck hat die erneuten Blockadeaktionen kritisiert. Protest gegen Umweltzerstörung oder gegen Klimazerstörung sei gerechtfertigt und richtig. Aber er solle so gewählt sein, dass Menschen nicht unnötig darunter zu leiden hätten, um die Akzeptanz in der Bevölkerung für den Klimaschutz nicht zu gefährden, erklärte der Grünen-Politiker in Pretoria, der Hauptstadt Südafrikas.

Der Flughafenverband ADV (Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen) hat die Aktion am Donnerstag kritisiert, für die ihm, wie es hieß, "jedes Verständnis" fehle. Die Gefährdung der Sicherheit des Luftverkehrs sei nicht hinnehmbar. Zu Recht würden schwerere Eingriffe in den Luftverkehr strafrechtlich verfolgt. Wegen ihrer Protestformen stehen Mitglieder der Gruppe immer wieder vor Gericht und werde oft zu Geldstrafen verurteilt.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann forderte nach der Protestaktion am Münchner Flughafen eine umgehende Überprüfung der dortigen Sicherheitskonzepte. Darüber hinaus sagte der CSU-Politiker am Donnerstag in München, dass es eine "unverfrorene Rücksichtslosigkeit" sei, nicht nur laufend gegen Gesetze zu verstoßen, sondern mit irrsinnigen Aktionen auch eine Vielzahl anderer Menschen potenziell zu gefährden. Er nannte als Beispiel Flugzeuge, die trotz Notlagen nicht regulär landen könnten. Diese Aktivisten seien offenbar so verbohrt, dass es ihnen egal sei, wenn andere Menschen zu Schaden kämen.

Bei den Nordbahn-Klebern bestehe, so Herrmann, der Verdacht eines "gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr", aber auch weiterer Straftaten. Der Strafrahmen liege hier bei bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe. Der Flugverkehr auf der Nordbahn sei für rund 45 Minuten gesperrt gewesen.

Börse von A-Z

Urheber dieses Inhalts ist die ella AG. Die Ströer Digital Publishing GmbH kann daher für deren Richtigkeit, Genauigkeit und Vollständigkeit keine Gewähr übernehmen.