Aktienmarkt: Experten erwarten Seitwärtsbewegung des DAX

Von ella, dpa05.08.2022, 18:42

In der neuen Woche könnte der deutsche Aktienmarkt seine Anfang Juli begonnene Erholung erst einmal unterbrechen. Die Anleger dürften durch die erneut entstehenden geopolitischen Spannungen und die Sorgen um die Inflation in Schach gehalten werden. Die Investoren haben einen hohen Anreiz, Gewinne mitzunehmen, nachdem der hiesige Leitindex DAX nun in nur einem einzigen Monat mehr als 1000 Punkte Gewinn gemacht hat. Dass sich die Firmen in diesem Umfeld noch recht wacker schlagen, stimmt aber zuversichtlich.

Nach Ansicht Ulrich Katers, Chefvolkswirt der Dekabank, trotzen die Aktienmärkte zwar noch der Politik. Die Episode rund um den Besuch der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, in Taiwan deute aber darauf hin, dass der in den letzten Jahrzehnten schwelende Konflikt um die Unabhängigkeit der demokratischen Inselrepublik in eine neue Phase eingetreten sei.

"Nirgendwo ist deutlicher zu erkennen, dass mit der wirtschaftlichen Erstarkung Chinas auch politische und militärische Gewichtsverlagerungen vor sich gehen", sagte Kater weiter. Gegen eine solche Konfrontation sprächen zwar in naher Zukunft eine Reihe von geostrategischen Gründen. Wie unsicher solche Einschätzungen jedoch sein könnten, habe der russische Angriff auf die Ukraine gezeigt, der auch langjährige Beobachter überrascht habe.

Auch der Analyst Christian Apelt von der Landesbank Hessen-Thüringen rief ebenfalls in Erinnerung, dass "die Geopolitik jederzeit wieder dominant werden kann". Mit Blick auf Taiwan könnten sich die Spannungen zwischen China und den USA verschärfen. "Eine Atempause muss in der Finanzwelt nicht von Dauer sein", fasste der Experte zusammen.

Den Konflikt mit den USA um Taiwan heizte China zuletzt mit Sanktionen gegen Pelosi an. Der Dialog über Militärfragen, Klimaschutz und andere Kooperationen im Kampf gegen Verbrechen, Drogen und zur Rückführung illegal eingereister Menschen wurde von Peking ebenfalls auf Eis gelegt.

In der neuen Woche rücken jedoch neben politischen Spannungen ebenfalls relevante Konjunkturdaten in den Mittelpunkt. Besonderes Augenmerk sollten die Anleger unter anderem auf die Handelsdaten aus China am Sonntag und auf die US-Verbraucherpreise am Mittwoch legen, gab Adrian Roestel, der bei der Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen das Portfoliomanagement leitet, zu verstehen.

Laut dem Experten dürften die Konsumentenpreise eine erste Indikation liefern, wann der Inflationshöhepunkt in den USA überschritten sein wird. Daraus würden die Investoren ihre Erwartungen an die Geldpolitik der US-Notenbank FED ableiten. Trete keine Besserung ein oder laufe die Inflationsrate sogar weiter nach oben, sei ein zeitnah moderateres Tempo der US-Zinserhöhungen passé. Dann dürften die US-Börsen den Rückwärtsgang einlegen und den deutschen Aktienmarkt mit nach unten ziehen.

Die jüngst veröffentlichten, sehr robusten US-Arbeitsmarktdaten für Juli sprachen bereits für eine schärfere Gangart der FED. Sie könnten die US-Notenbank dazu bewegen, den Leitzins im Kampf gegen die Inflation nicht um 0,5, sondern erneut kräftig um 0,75 Prozentpunkte zu erhöhen. Mehr Zinsen jedoch lassen Aktien im Kontrast zu anderen Anlageformen wie etwa Anleihen in einem schlechteren Licht auftreten.

Für die neue Woche rechnet Roestel im Endergebnis mit einer Seitwärtsbewegung des DAX um das aktuelle Niveau von 13 600 Punkten: "Eine Entwicklung, bei der sich pro und contra die Waage halten, ist am wahrscheinlichsten für uns."

Der Experte erwartet von gesamtwirtschaftlicher Seite einen konstanten Gegenwind von den USA und das Fortbestehen der geopolitischen Spannungen. Auf der Habenseite verbuchte Roestel eine solide Berichtssaison - deutlich besser als befürchtet hätten viele Unternehmen beim Umsatz und beim Gewinn abgeschnitten und ihren Ausblick nicht zusammengestrichen.

In der neuen Woche ist die Agenda gut gefüllt. Insbesondere am Donnerstag mit frischen Geschäftszahlen. Im Blickfeld stehen dabei unter anderem der Lkw- und Bushersteller Daimler Truck, die Deutsche Telekom, der Energiekonzern RWE und das Technologieunternehmen Siemens.

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