Aktienmarkt: Nach der wochenlangen Gewinnserie ruhiger angehen lassen

Von ella, dpa02.12.2022, 17:32

Nach der wochenlangen Gewinnserie seit Anfang Oktober hat es der deutsche Aktienmarkt zuletzt etwas ruhiger angehen lassen. Nach Bärenmärkten habe sich dieses Muster bereits in zahlreichen früheren Erholungsphasen beobachten lassen und sei durchaus gesund, unterstrich Helaba-Marktanalyst Markus Reinwand. Die Stimmung bei den Anlegern habe sich mit der jüngsten Erholung deutlich verbessert, ohne dass eine Überhitzung zu beobachten sei. "Die Aktienmärkte blicken immer stärker durch das kommende Konjunkturtief hindurch. Dabei haben sie bereits einen 'ordentlichen Schluck aus der Pulle' genommen. Die Zeichen stehen in der kommenden Woche auf Beruhigung", glaubt Commerzbank-Analyst Andreas Wex.

t-online aktuell 02.12.2022

Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater geht davon aus, dass sich die Entspannungsphase am deutschen Markt fortsetzt und sich die Perspektive für die Jahresschlussbilanz noch etwas aufhellt. "Die Inflation zeigt erste Anzeichen der Trendumkehr, Notenbanken überbieten sich nicht mehr gegenseitig mit neuen restriktiven Ankündigungen und das Zinsniveau ist von seinen Jahreshöchstständen wieder deutlich gesunken", sagte Kater. Die realwirtschaftlichen Folgen von hohen Energiepreisen könnten zudem geringer ausfallen als noch vor Wochen befürchtet.

Dass sich der Dax mit diesen Perspektiven über die Marke von 14 000 Punkten gehalten habe, müsse noch nicht der Anfang für einen nachhaltigen Aufschwung sein. Das zeige aber, "dass viele Anleger in den Startlöchern stehen, um bei einer dauerhaften Verbesserung des wirtschaftlichen Umfeldes wieder zu investieren", sagte Kater. Der deutsche Leitindex ist ohnehin schon sehr nah an das Niveau vor dem Ukraine-Krieg herangerückt.

Helaba-Experte Reinwand sieht weiteres Nachfragepotenzial, weil vor allem Privatanleger die jüngste Rally getragen hätten und institutionelle Investoren noch immer untergewichtet seien. "Natürlich hat sich durch den deutlichen Kursanstieg – seit dem Tief Ende September hat der Dax gut 20 Prozent zugelegt – die Bewertung etwas erhöht. Dennoch notiert der deutsche Leitindex noch unter seinem fairen Wert von aktuell 14 700 Punkten", gibt Reinwand zu bedenken.

Nach Ansicht des Kapitalmarktstrategen Jürgen Molnar von RoboMarkets fehlt derzeit nur "der entscheidende Impuls, der darüber entscheidet, ob aus der Herbst- eine Jahresendrally wird oder der Dax eine gesunde Korrektur eventuell auch zurück zur 200-Tage-Linie absolviert und damit Kraft für einen hoffentlich entspannteren Start ins Börsenjahr 2023 sammelt". Als Indikator für den längerfristigen Trend gilt die 200-Tage-Linie.

Anleger warten an den Märkten unter anderem auf Beschlüsse des Treffens der Ölstaaten, die sich im Verbund Opec zusammengeschlossen haben. Die Förderländer wollen am Sonntag über ihre Produktionspolitik sprechen. Es wird damit gerechnet, dass die rund 20 Länder an ihrer bisherigen Praktik festhalten. Der Ölverbund hatte Anfang November die Produktion spürbar reduziert und damit auf einen Rückgang bei den Ölpreisen reagiert.

Die neue Woche hält aus Konjunktursicht kaum etwas Spektakuläres bereit. Am Montag stehen für November die finalen deutschen Einkaufsmanagerindizes auf der Agenda. Am Dienstag folgen die deutschen Auftragseingänge und am Mittwoch die Industrieproduktion – jeweils für Oktober. Am Montag könnten in der Eurozone sowohl die Oktober-Einzelhandelsumsätze als auch das finale Bruttoinlandsprodukt für das dritte Quartal am Mittwoch für Aufmerksamkeit sorgen.

Am Montag richten sich in den USA die Blicke auf die Auftragseingänge für Oktober und den ISM-Einkaufsmanagerindex. Auf der Tagesordnung stehen am Freitag neben den Erzeugerpreisen für November auch das Uni-Michigan-Verbrauchervertrauen für Dezember. Am Montag stehen in China der Einkaufsmanagerindex, am Mittwoch die Handelsbilanz und am Freitag die Inflationsdaten für November auf dem Programm.

"Kommende Woche ist sozusagen die Ruhe vor dem Sturm der Folgewoche", kommentierte Robert Greil als Chefstratege von Merck Finck. Er verwies dabei auf die in der übernächsten Woche anstehenden US-Inflationszahlen, die Notenbanksitzungen der Fed und der EZB sowie auf den ersten EU-Gipfel mit der neuen rechtsgerichteten italienischen Regierungschefin.

Da die Berichtssaison nahezu beendet ist, dürfte es auch in der neuen Woche vergleichsweise ruhig zugehen. Die Kapitalmarkttage des Versicherers Talanx und des Spezialverpackungsherstellers Gerresheimer könnten am Dienstag Neuigkeiten bringen. Carl Zeiss Meditec wartet am Freitag mit Zahlen für das Geschäftsjahr 2021/22 auf.

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