Corona-Pandemie kaum noch relevant auf deutschen Intensivstationen

Von ella, dpa02.12.2022, 17:44

Auf den Intensivstationen der Krankenhäuser in Deutschland ist die Corona-Pandemie kaum noch relevant, aber hat beim Personal erheblichen Tribut gefordert. Der Anteil der Corona-Patienten auf den Intensivstationen mache inzwischen weniger als fünf Prozent aus, erklärte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Prof. Gernot Marx, am Freitag zum Abschluss des Jahreskongresses der Organisation in Hamburg. "Es ist kein Vergleich zur Situation vor einem Jahr."

t-online aktuell 02.12.2022

Marx, der auch Direktor der Klinik für Intensivmedizin und Intermediate Care am Universitätsklinikum Aachen ist, sagte, dass es aktuell ein Plateau von rund 900 Covid-Patienten gebe – nach gut 5000 Schwerkranken noch vor rund einem Jahr. "Das sind aber in der Regel ältere, also 70- bis 80-jährige Patienten." Bei weitem nicht ausgeschöpft seien auch die Kapazitäten für die Beatmungsgeräte. Marx sagte: "Das drückt noch mal aus, dass wir deutlich weniger schwerkranke Patientinnen und Patienten mit Corona-Infektionen versorgen."

Die Pandemie habe allerdings deutliche Spuren beim Klinikpersonal hinterlassen, insbesondere in der Pflege. Wegen Personalmangels hätten inzwischen rund 2000 Intensivbetten abgebaut werden müssen, was die Kapazität an freien Betten teils schon wieder auf unter zehn Prozent gedrückt habe, sagte Marx. Das Personal habe die Kliniken in der Regel nicht ganz verlassen, sondern wegen der dauerhaft extremen Arbeitsbedingungen stattdessen das Arbeitspensum von 100 auf 80 oder 75 Prozent reduziert, sagte Marx.

Der Direktor der Klinik für Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Magdeburg, Prof. Felix Walcher – er fungiert in den kommenden beiden Jahren als Divi-Präsident – forderte für die Beschäftigten eine psychosoziale Unterstützung, damit deren physische und psychische Widerstandsfähigkeit gestärkt wird. "Die Krankenhausträger, die Politik müssen verstehen, dass diese Strukturen aufgebaut werden müssen." Dazu gehöre auch ein auskömmliche Finanzierung.

Der Direktor der Klinik für Intensivmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Prof. Stefan Kluge, machte sich weiter für eine Impfung stark, auch wenn die meisten Corona-Patienten in den Kliniken inzwischen nicht wegen der Pandemie, sondern wegen anderer Beschwerden in den Krankenhäusern lägen. Eine oder zwei Impfungen reichten nicht für einen guten Schutz. : "Drei Impfungen unter 60 und vier Impfungen über 60 schützen gut vor einem schweren Verlauf." Rund 5800 Teilnehmer haben den Angaben zufolge den Kongress besucht.

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