Europäische Zentralbank unter Druck

Von ella, dpa29.06.2022, 08:56

Am Mittwoch droht dem DAX der nächste Rückschlag. Der X-DAX signalisierte knappe Stunde vor dem Xetra-Start ein Minus von 0,54 Prozent auf 13 160 Punkte als Indikator für den deutschen Leitindex. Beim Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 wird ein Rückgang um 0,2 Prozent erwartet. Am Vortag ging es an der Wall Street weiter abwärts, nachdem in Europa bereits Handelsende war.

Der Deutsche Aktienindex konnte einen Großteil seiner Kursgewinne am Dienstag nicht halten, wie es bereits zu Wochenbeginn der Fall gewesen war. Im Falle einer weiteren Erholung bleibt das Wochenhoch bei 13 378 Punkten am frühen Montagshandel die erste Orientierungsmarke. Die Anleger müssen jedoch erst mal wieder nach unten Richtung 13 000 Punkte schauen. In der Vorwoche hatte der DAX diese runde Marke zwischenzeitlich unterschritten.

Vor allem die schlechte Konsumstimmung im Juni belastete den New Yorker Aktienmarkt. Das wichtigste Standbein der US-Wirtschaft sind die Konsumausgaben der Bürger. Der revidierte Wachstumsausblick der Experten der Credit Suisse ist jetzt "an der Klippe zur Rezession".

Am Nachmittag stehen in Deutschland neue Inflationsdaten auf dem Programm. In Deutschland und der gesamten Eurozone ist die Teuerung weiterhin sehr hoch. Darum steht die Europäische Zentralbank (EZB) unter Druck, sogar mit größeren Schritten als ursprünglich gedacht die Zinsen zu erhöhen. Das Dilemma der Zentralbanken ist es gegenwärtig, die Inflation drosseln und zugleich eine Rezession vermeiden zu müssen. Zur Wochenmitte werden die Anleger speziell auf Aussagen der EZB-Präsidentin Christine Lagarde auf dem geldpolitischen Symposium der Zentralbank achten, das im portugiesischen Sintra stattfindet.

Thomas Altmann, Portfoliomanager des Vermögensverwalters QC Partners, schrieb, zur Deutung der Inflationsdaten an diesem Mittwoch genüge ein Blick auf die Stelle vor dem Komma, wobei die 8 die gefürchtete Zahl sei. "Denn eine 8 vor dem Komma wäre gleichbedeutend mit einem neuen Rekord für das wiedervereinigte Deutschland. Zudem würde die 8 vor dem Komma die Diskussionen über größere Zinsschritte der EZB neu befeuern." Altmann warnte, dass die Zahl Potenzial habe, neue Schockwellen durch die Märkte zu senden.

Am deutschen Aktienmarkt sanken Vantage Towers nach der Abstufung von "Neutral" auf "Underweight" durch JPMorgan auf Tradegate vorbörslich um über drei Prozent zum Xetra-Schluss. Trotz hoher Verschuldung sieht Analyst Akhil Dattani die Auswirkungen der steigenden Zinsen und höheren Bonitätsaufschläge auf die Telekombranche nicht als Risiko. Er schätzt Vantage allerdings am schwächsten ein. Im Vergleich zu anderen Mobilfunkmasten-Unternehmen seien die Papiere zu teuer.

Nach einer Hochstufung durch Exane BNP Paribas auf "Outperform" ging es vorbörslich für die Anteile des Autozulieferers und Reifenerstellers Continental nach oben, auf Tradegate lag das Plus bei 0,9 Prozent zum Xetra-Schluss.

Aufgrund sehr schwacher US-Technologiewerte standen SAP-Aktien vorbörslich etwas tiefer. Händler verwiesen auf einen schwachen Quartalsausblick des US-Unternehmens Progress Software.

Urheber dieses Inhalts ist die ella AG. Die Ströer Digital Publishing GmbH kann daher für deren Richtigkeit, Genauigkeit und Vollständigkeit keine Gewähr übernehmen.