Griner gegen But: Aufsehenerregender Gefangenenaustausch geht über die Bühne

Von ella, dpa08.12.2022, 18:23

Trotz massiver Spannungen im Zuge des Ukraine-Krieges haben sich Washington und Moskau über einen spektakulären Gefangenenaustausch verständigt. Sowohl die in Russland zu neun Jahren Haft verurteilte US-Basketballerin Brittney Griner als auch der in den USA inhaftierte russische Waffenhändler Viktor But seien wieder auf freiem Fuß und unterwegs in ihre Heimatländer. Dies teilten Kreml und Weißes Haus am Donnerstag mit. Der Austausch sei auf dem Flughafen in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten erfolgt.

t-online aktuell 08.12.2022

Im August hatte ein russisches Gericht Griner in einem von den USA heftig kritisierten Verfahren wegen Drogenbesitzes zu neun Jahren Lagerhaft verurteilt. Sie war zuletzt in ein Frauenstraflager in der russischen Teilrepublik Mordwinien im Großraum Wolga verlegt worden. Von Beginn an bestand allerdings die Hoffnung, dass die 32-Jährige bei einem Gefangenenaustausch freikommen könnte. Schon im April hatten Russland und die USA Gefangene ausgetauscht, trotz dem sich das Verhältnis zwischen beiden Ländern wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine nochmals erheblich verschlechtert hatte.

Er habe gerade mit Brittney Griner gesprochen, erklärte US-Präsident Joe Biden am Donnerstagmorgen (Ortszeit) in einem Interview. Sie sei sicher, sitze in einem Flugzeug und sei auf dem Weg nach Hause. Tatsache bleibe dennoch, dass Griner Monate ihres Lebens verloren und ein unnötiges Trauma erlebt habe. Sie verdiene Raum, Privatsphäre und Zeit mit ihren Lieben, um sich von ihrer Zeit, in der sie zu Unrecht inhaftiert war, zu erholen und zu heilen. Zudem dankte Biden den Vereinigten Arabischen Emiraten für die Unterstützung. Griners Ehefrau Cherelle Griner dankte Biden und der ganzen Regierung für die Bemühungen.

Im Gegenzug erhielt Russland den früheren Sowjetoffizier Viktor But zurück. Aus Moskau hieß es, dass er sich im Flugzeug befinde und auf dem Weg nach Russland sei. In etlichen Ländern soll er verbrecherische Regime und Rebellen illegal mit Waffen ausgerüstet haben. In den USA war der als "Händler des Todes" berüchtigte Russe 2012 zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Der wichtigste Vorwurf lautete: Er soll Rebellen Boden-Luft-Raketen verkaufen wollen, mit denen amerikanische Flugzeuge hätten abgeschossen werden können. Zuvor galt er als einer der meistgesuchten Waffenhändler aller Zeiten.

Die russische Menschenrechtsbeauftragte Tatjana Moskalkowa sagte der Nachrichtenagentur Interfax am Donnerstag, dass die Ankunft von But in Russland in Kürze erwartet werde. Präsident Wladimir Putin habe sich für die Freilassung Buts persönlich engagiert, womit die 67-Jährige die Bedeutung des Waffenhändlers für Moskau unterstreicht.

Die wichtigsten Verdienste "um diese Verhandlungsprozesse" rund um den Austausch gegen Griner hätten natürlich "unsere bekannten Geheimdienste", so Moskalkowa weiter. Vor dem Austausch seien sowohl Griner als auch But begnadigt worden.

Athletin Griner war am Moskauer Flughafen Scheremetjewo festgenommen worden. Bei einer Gepäckkontrolle hatte sie nach Auffassung der russischen Justiz sogenannten Zape-Kartuschen und Haschisch-Öl bei sich. Es soll sich dabei um 0,5 Gramm gehandelt haben. Das wurde als illegaler Drogenbesitz und versuchter Schmuggel gewertet, wobei das Gericht keine mildernden Umstände sah. Griner hatte ihre Schuld bekannt. Von Washington war Moskau vor allem des hohen Strafmaßes wegen von Beginn an ein politisch motiviertes Verfahren vorgeworfen worden.

Griner hatte seit 2015 beim russischen Topclub UMMC Jekaterinburg im Ural gespielt und mit ihm viermal die Euroleague gewonnen. Sie gewann 2014 mit den Phoenix Mercury in der amerikanischen Frauen-Profiliga WNBA die Meisterschaft und holte mit der US-Nationalmannschaft außer zwei Olympiasiegen auch zweimal Gold bei Weltmeisterschaften. Biden würdigte sie: "Sie repräsentiert das Beste von Amerika – auf ganzer Linie".

Griner war in Gefangenschaft der "New York Times" zufolge zunehmend besorgt darüber, womöglich nicht freigelassen zu werden. Sie habe demnach nur einmal am Tag eine Stunde in einem kleinen Hof verbringen dürfen, ansonsten sei sie mit zwei weiteren Insassen in einer kleinen Zelle eingesperrt gewesen. Die 2,06 Meter große Frau habe dort auf einem für sie verlängerten Bett geschlafen.

Unter dem Eindruck harter Sanktionen der USA gegen Russland wegen des Ukraine-Einmarsches hing der diplomatische Erfolg vom Donnerstag lange in der Schwebe. Tatsächlich hatten US-Medien vor einigen Monaten unter Berufung auf amerikanische Regierungsbeamte davon berichtet, dass Putin die Freilassung Griners für But nicht besprechen wolle und offensichtlich kein Interesse an einer Einigung habe. In den vergangenen Wochen war dann Bewegung in die Verhandlungen gekommen – mit einem Ergebnis, dass auch für Putin angesichts der militärischen Probleme in der Ukraine einen Erfolg und gute Presse in Russland bedeuten könnte.

Mit der Freilassung Griners richtet sich das Augenmerk auch auf einen anderen, ungelösten Fall: den des 2018 in Russland verhafteten und wegen angeblicher Spionage verurteilten Amerikaners Paul Whelan. Man habe Brittney nie vergessen. Man habe den seit Jahren zu Unrecht in Russland inhaftierten Paul Whelan nicht vergessen, so Biden. Moskau behandle den Fall Whelans "aus völlig illegitimen Gründen" anders als den Griners. Man werde weiter mit besten Absichten über Pauls Freilassung verhandeln. Das garantiere er, betonte Biden.

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