Habeck: 60 Milliarden Euro Verlust durch Energie-Einkäufe

Von ella, dpa22.09.2022, 18:13

Nach den Worten von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) verliert die deutsche Volkswirtschaft 2022 rund 60 Milliarden Euro wegen des Einkaufs von Energie aus anderen Quellen als den bisherigen. Beim Klimakongress des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) in Berlin am Donnerstag erklärte Habeck, dass es im kommenden Jahr vor allem durch den Verzicht auf russische Energie knapp 100 Milliarden Euro Verlust werden könnten. Dies entspräche Habeck zufolge "über die Jahre gerechnet" zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

"Geld, das abfließt, weil wir Energie nachkaufen müssen. Dieses Geld fehlt überall, in den verschiedenen Branchen, in der Substanz, in der deutschen Volkswirtschaft. Das ist die makroökonomische Lage", sagte Habeck. "Auslöser der Krise ist der Wegfall von großen Energiemengen, die eigentlich als sicher eingeplant waren." Neben der Versorgung mit Gas aus Russland zähle dazu auch der Atomstrom aus Frankreich. Ungefähr zwei Drittel der französischen Atommeiler seien ausgefallen, so Habeck. Von 56 französischen Atomkraftwerken sind derzeit gerade einmal 28 am Netz.

In seinem letzten Stresstest für die Stromversorgung in Deutschland sei Deutschland laut Habeck davon ausgegangen, dass bis Weihnachten wieder 50 Gigawatt Leistung durch die französischen Kernkraftwerke erbracht werden könnte. Die Kommunikation mit den entsprechenden Stellen im Nachbarland sei Grundlage der Annahme gewesen. Ein jüngster Stresstest in Frankreich habe aber ein realistisches Szenario von lediglich 45 Gigawatt ergeben, sagte Habeck. Wahrscheinlich seien das auch noch "Best-Case-Szenarien".

Der Rückgriff auf alternative Energien treibe die Preise hoch. In einer solchen Zeit sei es wichtig, die Investitionsfähigkeit der deutschen Industrie zu erhalten, betonte Habeck. Das Investieren in die Zukunft dürfe nicht erlahmen. Den Ansatz des BDI, sich trotz der Energiekrise zu den Klimazielen Deutschlands zu bekennen, lobte Habeck. Er sagte: "Was für ein starkes Statement in dieser Zeit!"

Trotz der Energiekrise wollen die deutschen Firmen an den Klimazielen für 2030 und 2045 festhalten, wie BDI-Präsident Siegfried Russwurm zuvor bekräftigt hatte. Der BDI-Chef warnte, dass in der Klimapolitik jetzt nicht die Pausentaste gedrückt werden dürfe.

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