Nach Gerichtsentscheid: Für Hälfte der Schotten Sezession weiter aktuell

Von ella, dpa24.11.2022, 15:49

Einer Umfrage zufolge möchte etwa die Hälfte der Schotten nach dem gerichtlichen Aus für ein neues schottisches Unabhängigkeitsreferendum die nächste britische Parlamentswahl zur Abstimmung über eine Loslösung vom Vereinigten Königreich nutzen. Das geht aus einer repräsentativen Blitzumfrage unter gut 1000 Schotten im Auftrag des Senders Channel 4 hervor, die am Mittwoch durchgeführt wurden, nachdem das oberste britische Gericht ein wegweisendes Urteil gefällt hatte.

t-online aktuell 24.11.2022

Das schottische Regionalparlament hat dem Supreme Court zufolge kein Recht zur Ansetzung einer Volksabstimmung. Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon erkennt die Entscheidung zwar an, will dafür aber die nächste britische Parlamentswahl zum Quasi-Referendum machen und nur mit der Unabhängigkeitsfrage in den Wahlkampf ihrer Schottischen Nationalpartei (SNP) gehen.

51 Prozent der Befragten gaben in der Umfrage an, die SNP wählen zu wollen, wenn sich ihre Stimme als Mandat nutzen lasse, um mit der Londoner Zentralregierung über die schottische Unabhängigkeit zu verhandeln. Rund ein Drittel möchte dies nicht.

Die Hälfte der befragten Schotten (genau 50 Prozent) gab bei einer ähnlich gelagerten Frage an, für die SNP stimmen zu wollen, wenn ein Wahlsieg der Partei zum Austritt Schottlands aus dem Vereinigte Königreich führen könnte.

Bei der vergangenen Wahl wurde die Schottische Nationalpartei von 412 der 1006 Befragten gewählt. Somit gab die Unabhängigkeitsfrage der Partei in dieser Umfrage einen kleinen Schub. Im schottischen Parlament sprachen sich auch die Grünen und die Splitterpartei Alba für eine Unabhängigkeit Schottlands aus. In Großbritannien findet die nächste Parlamentswahl voraussichtlich im Jahr 2024 statt.

Eine Mehrheit der Schotten hatte sich 2014 bei einer ersten Volksabstimmung für einen Verbleib in der Union mit Großbritannien ausgesprochen. Die Frage ist für London damit langfristig entschieden. Der Brexit, den die Schotten 2016 deutlich abgelehnt hatten, habe die Ausgangslage verändert, argumentiert hingegen Regierungschefin Sturgeon. Sie möchte ein unabhängiges Schottland zurück in die EU führen. Die Unabhängigkeitsbefürworter sind im Parlament in Edinburgh in der Mehrheit.

Börse von A-Z

Urheber dieses Inhalts ist die ella AG. Die Ströer Digital Publishing GmbH kann daher für deren Richtigkeit, Genauigkeit und Vollständigkeit keine Gewähr übernehmen.