Schlickproblem in Elbe: Hafenwirtschaft fordert Sofortmaßnahmen vom Bund

Von ella, dpa24.11.2022, 15:57

Angesichts drohender mehrjähriger Einschränkungen für Großcontainerschiffe an der Elbe haben die Hamburger Hafenwirtschaft und der Hafenlogistiker HHLA rasche Lösungen gefordert. Es sei dringend erforderlich, "dass der Bund kurzfristig umsetzbare und unbürokratische Lösungen findet und Maßnahmen ergreift, um die Soll-Wassertiefen auf der Bundeswasserstraße Elbe wieder herzustellen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Unternehmensverbandes Hafen Hamburg, Norman Zurke, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Ein HHLA-Sprecher teilte mit: "Als Betroffene erwarten wir, dass insbesondere der Bund seinen Verpflichtungen hinsichtlich der zugesagten Fahrrinnentiefen nachkommt."

t-online aktuell 24.11.2022

Wegen der großen Schlickmengen hatte die Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt des Bundes Anfang des Monats entschieden, die schiffbaren Wassertiefe der Tideelbe ab 1. Dezember zunächst bis zum 30. November 2023 um einen Meter einzuschränken. Es könne drei bis fünf Jahre dauern, bis das Flussbett durch Baggerarbeiten wieder die geplante Tiefe erreicht habe, erklärte Behördenpräsident Hans-Heinrich Witte der "Zeit".

Ursprünglich sollte mit der mehr als 800 Millionen Euro teuren Elbvertiefung der zulässige Tiefgang für Frachter auf 14,50 Meter bei Flut und auf 13,50 Meter tideunabhängig erhöht werden. Im Vergleich zur Zeit vor der Vertiefung bleiben jetzt nach Angaben der Generaldirektion nur noch Verbesserungen von 20 bis 90 Zentimetern. Große Containerschiffe haben somit weniger Spielraum. Zu den wichtigsten Wasserstraßen Europas zählt der rund 130 Kilometer lange Abschnitt zwischen Hamburg und der Nordsee.

Auf Anfrage erklärte die Hamburger Hafenbehörde HPA, der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) Unterstützung angeboten zu haben. Am Montag sei die Ausschreibung für zusätzliche Baggerleistungen veröffentlicht worden, so dass wohl Anfang 2023 möglicherweise mit zwei weiteren Baggern gearbeitet werden könne. Um drei Abschnitte der WSV unterhalb der Landesgrenze werde sich die HPA kümmern. "Dort werden wir für ein Jahr die Wassertiefeninstandhaltung ausführen", hieß es von der HPA. Die WSV könne sich damit auf die weiter Richtung Elbmündung liegenden Baggerabschnitte konzentrieren.

Man gehe nach wie vor davon aus, dass bis 2024 die Mindertiefen behoben werden könnten, betonte Zurke. Für die exportorientierte deutsche Wirtschaft und die Versorgung von Menschen sei der Hafen systemrelevant. "Ein Zurückfallen auf Wassertiefen, die nach der ersten Stufe der Elbvertiefung vorlagen, stößt bei der Hamburger Hafenwirtschaft auf größte Sorge und Unverständnis."

Der HHLA-Sprecher sagte, der Transport von Waren und Gütern über den Wasserweg sei nachhaltig und klimafreundlich. Aber: "Entschieden widersprechen wir der Auffassung, dass die Fahrrinnenanpassung gescheitert ist." Im Zusammenhang mit der geringeren schiffbaren Wassertiefe sei derzeit kein Rückgang der Umschlagmenge festzustellen. Auch ein Sprecher der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd äußerte sich ähnlich.

Die Umweltverbände BUND, Nabu und WWF bekräftigten ihre Forderungen nach einem Rückzug von Baggerschiffen. Hamburg und der Bund dürften jetzt nicht mehr, sondern müssten weniger baggern, damit sich das Ökosystem stabilisieren könne, erneuerten die in einem Aktionsbündnis zusammengeschlossenen Verbände ihre Forderungen. Wenn in Wilhelmshaven ausreichend Kapazitäten vorhanden seien für die Abfertigung der größten Schiffe der Welt, sei es nicht erforderlich, dass jedes Schiff zu jeder Zeit den Hamburger Hafen anlaufen könne.

Die SPD-Regierungsfraktion in der Bürgerschaft kritisierte sowohl den Bund als auch den grünen Koalitionspartner, der die Elbvertiefung für gescheitert erklärt hat. Fraktionschef Dirk Kienscherf sagte, der Bund schwäche vorsätzlich den Hamburger Hafen. Es sei die Elbvertiefung nicht gescheitert. "Vielmehr ist der Bund seinen Aufgaben nicht nachgekommen." Wenn Landespolitiker das Scheitern bejubelten, fielen diese damit den Hafenarbeitern in den Rücken, sagte er auch in Richtung des grünen Koalitionspartners.

Der CDU-Wirtschaftsexperte Götz Wiese warf Rot-Grün einen fehlenden Willen vor, Entscheidungen zum Hafen durchzusetzen. "Ich appelliere an den Ersten Bürgermeister, diesem unwürdigen Treiben ein Ende zu bereiten und seinen Senat zum Handeln zu bringen."

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