Studie: Fachkräftemangel gefährdet Digitalisierung im öffentlichen Dienst

Von ella, dpa25.01.2023, 09:02

In deutschen Amtsstuben und Behörden wird sich der Mangel an IT-Fachkräften wohl merklich verschärfen. Einer am Mittwoch veröffentlichten Untersuchung der Unternehmensberatung McKinsey lässt sich entnehmen, dass dem öffentlichen Dienst in Deutschland bis 2030 rund 140 000 IT-Spezialisten fehlen werden. Damit habe sich die Lücke seit einer vorigen Berechnung im Jahr 2019 um 15 Prozent vergrößert. Die Autoren warnen: Die wichtige Digitalisierung im öffentlichen Dienst könne dadurch ins Stocken kommen.

t-online aktuell 25.01.2023

Die Hochrechnungen beruhen auf dem aktuellen Einstellungstempo und der Zahl derer, die in den kommenden Jahren in den Ruhestand wechseln. Demnach zähle der öffentliche Dienst insgesamt 5,1 Millionen Beschäftigte, von denen bis 2030 mehr als 1,5 Millionen aus Altersgründen ausscheiden. Es klaffe jetzt schon eine Lücke von 39 000 Expertinnen und Experten, die sich bis 2030 mehr als verdreifachen werde. Vor dem Hintergrund der großen Digitalisierungsprogramme des Bundes und der Länder könne die Schätzung der Personallücke noch als konservativ gelten, erklärte die Co-Autorin der Studie, Julia Klier.

Gemeint sind damit unter anderem die E-Akte und das Onlinezugangsgesetz zur Digitalisierung des Führerschein-Antrags. Klier zufolge dürften diese Vorhaben den Bedarf an Fachkräften weiter stimulieren.

Projekte der digitalen Verwaltung wie der digitale Führerschein-Antrag seien Dinge, die aller Leben einfacher machten, erklärte Björn Münstermann, der bei McKinsey die Beratung für den öffentlichen Sektor verantwortet. Was in Deutschland selbst innerhalb kurzer Zeit möglich sei, habe man bei den Gasterminals gesehen. Auch im öffentlichen Sektor brauche es nun eine zentrale Instanz, die die Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel in der IT-Branche steuere.

In der Studie heißt es, Behörden und Amtsstuben müssten zum einen ihre Einstellungsverfahren beschleunigen, um dem Fachkräftemangel beizukommen. Zum anderen käme aus den IT-Studiengängen zu wenig Nachwuchs, um den Bedarf zu decken. Daher sei es wichtig, den eigenen Nachwuchs weiterzubilden. Es gebe hier erheblichen Nachholbedarf.

Vor dem immer größeren Fachkräftemangel, gerade auch im IT-Bereich, habe man "bereits ewig" gewarnt, erklärte der Bundesvorsitzende des Beamtenbundes dbb, Ulrich Silberbach. Der Bund zahle zwar bereits mehr für Berufe, in denen der Fachkräftemangel besonders gravierend sei. Aber das allein genüge nicht. Bund, Länder und Kommunen müssten Arbeitsbedingungen attraktiver machen und höhere Löhne zahlen. Den Nachwuchs schrecke aber auch ab, wenn verkrustete Strukturen Digitalisierungsprojekte ausbremsten.

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