Sie sind hier: Home > Finanzen > Immobilien > Energie >

Biokraftstoffe: Gefahr für Nahrungsmittelversorgung

Biokraftstoffe  

Biokraftstoffe Gefahr für Nahrungsmittelversorgung

24.03.2008, 18:42 Uhr | dpa / AFP /T-Online

Dunkle Wolken ziehen über ein Rapsfeld (Foto: UFOP e.V.)Dunkle Wolken ziehen über ein Rapsfeld (Foto: UFOP e.V.) Der weltweite Biokraftstoffboom bedroht nach Einschätzung von Fachleuten zunehmend die Versorgung mit Lebensmitteln und könnte zu neuen Hungersnöten in Entwicklungsländern führen. Auch in Deutschland geraten Biokraftstoffe unter Beschuss. Doch hierzulande steckt die Branche in einer schweren Krise.

Testen Sie Ihr Wissen - Energie-Quiz
Wechsel lohnt sich - Stromrechner
Vergleichen und sparen - Gasrechner
Im Überblick - Tipps zum Stromsparen

Nestlé-Chef kritisiert Subventionen für Biokraftstoffe
Der Chef des weltgrößten Nahrungsmittelkonzerns Nestlé, Peter Brabeck, warnte in der „Neuen Züricher Zeitung“ (NZZ) vor verheerenden Auswirkungen auf die Nahrungsmittelproduktion. „Wenn man 20 Prozent des steigenden Erdölbedarfs mit Biotreibstoffen decken will, wie das geplant ist, dann gibt's nichts mehr zu essen.“ Es sei unverantwortlich und moralisch inakzeptabel, dass man enorme Subventionen zahle, um aus Lebensmitteln Biotreibstoff zu machen. „Das ist politischer Wahnsinn.“

 

USA verwenden 138 Millionen Tonnen Mais für Biotriebstoffe
Laut Brabeck verwenden allein die USA in diesem Jahr 138 Millionen Tonnen Mais nur für Biotreibstoff. Diese Menge fehle für die Lebensmittelproduktion und treibe nicht nur den Preis für Mais, sondern auch für Soja und Weizen nach oben. Landwirtschaftlicher Boden werde zum knappen Gut. „Ebenso Wasser, das uns auszugehen droht.“ Für die Produktion eines Liters Bioethanol würden 4000 Liter Wasser benötigt. 

Armut in Entwicklungsländern infolge Biokraftstoff-Boom
In Ländern wie Indonesien oder Malaysia würden immer mehr landwirtschaftliche Nutzflächen für den Anbau von Biotreibstoff-Pflanzen wie Ölpalmen umgewidmet, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesentwicklungsministerium, Karin Kortmann (SPD), der Deutschen Presse-Agentur dpa. „Die Kosten für Hirse und Weizen sind dadurch exorbitant gestiegen. Wenn wir nicht umsteuern, dann führt dies zu ganz neuen Armutszyklen.“

Enteignungen in Indonesien
Kortmann verwies auf Untersuchungen des „International Food Policy Research Institute“ in Washington, wonach bei jedem Prozentpunkt, um den die Nahrungsmittelpreise steigen, zusätzlich 16 Millionen Menschen auf der Welt von Hunger bedroht seien. „Das macht im Grunde das ganze Ausmaß dessen deutlich, womit wir es zu tun haben.“ In Indonesien würden für den Anbau von Ölpalmen zum Teil Landflächen enteignet. Derzeit würden in dem südostasiatischen Land auf einer Fläche von 6 Millionen Hektar Ölpalmen angebaut. Bis 2020 werde diese Zahl nach Schätzungen von Nichtregierungsorganisationen auf 20 Millionen Hektar steigen.

Viele deutsche Anbieter vor dem Aus
Trotz des Booms bei Biokraftstoffen stehen viele deutsche Anbieter inzwischen vor dem Aus. Ihnen geht es wie zum Beispiel dem Leipziger Biokraftstoff-Konzern Verbio, der fast 61 Millionen Euro in eine Bioethanol-Anlage im brandenburgischen Schwedt investierte. 700.000 Tonnen grünen Sprits sollten hier jährlich erzeugt werden. Doch seit vergangenem Herbst stehen die Maschinen still. Wegen des gestiegenen Getreidepreises und der hohen Energiekosten lohne sich die Produktion nicht mehr, erklärt Vorstandschef Claus Sauter.

Niedergang der Branche wegen Steuererhöhung
Der Niedergang begann bereits 2006, als die Bundesregierung eine Steuer von 6 Cent pro Liter auf reinen Biodiesel einführte. Anfang dieses Jahres stieg die Abgabe auf 15 Cent, bis 2012 sollen es 45 Cent werden. Die Hersteller entlastet zwar eine Beimischungsquote, nach der die Mineralölkonzerne Diesel mit fünf Prozent und Benzin mit etwa drei Prozent Biosprit versetzen müssen. Dies rette die Branche aber nicht, kritisiert die Geschäftsführerin des Verbands der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) Petra Sprick. "Der Markt für reinen Biodiesel ist tot. Da dieser etwa 60 Prozent des Absatzes ausmacht, steht ein Großteil der Hersteller vor der Insolvenz."

Mehr zum Thema:
Ratgeber - Welche Autos vertragen den neuen Biokraftstoff E10
Umweltschutz - Marburg will Solaranlagen zur Pflicht machen
Ratgeber -

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Gas-Rechner
AnzeigeGaspreisvergleich
Gaspreise vergleichen

Jetzt Gaspreise vergleichen und Geld sparen


Jobsuche

Anzeige
 

Gas-Rechner
AnzeigeGaspreisvergleich
Gaspreise vergleichen

Jetzt Gaspreise vergleichen und Geld sparen


Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Finanzen > Immobilien > Energie

shopping-portal