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Ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit?

Biosprit  

Ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit?

21.04.2008, 10:44 Uhr | dpa/ T-Online

Biosprit ist noch immer umstritten (Foto: imago)Biosprit ist noch immer umstritten (Foto: imago) Ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit - das sind die wachsenden Felder für Biosprit für den indischen Finanzminister Palaniappan Chidambaram. Wenn die Bauern weltweit mehr Raps, Mais oder andere Pflanzen für Biokraftstoffe anbauen, geht Fläche für den Anbau von Nahrungsmitteln verloren und die Preise steigen. Der Wettstreit „Tank gegen Teller“ ist nicht der einzige Grund, weshalb Biosprit zunehmend ins Kreuzfeuer gerät. Dem Klimaschutz zuliebe soll die Beimischung von Biosprit in Benzin und Diesel EU-weit gesteigert werden - bis 2020 auf zehn Prozent. Das alarmiert Umweltschützer, denn der Import von Palmöl aus dem Ausland kann Regenwald gefährden.

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Biotreibstoff sorgt für Diskussionen
Die skeptischen Stimmen in der Bundesregierung gegen mehr Biosprit werden lauter. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warnt vor Schäden für die Umwelt und fordert Anbau mit Augenmaß. Doch Merkel machte in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ deutlich: „Wir betreten sicher bei den erneuerbaren Energien in mancher Hinsicht absolutes Neuland, aber dennoch setzen wir weiter auch auf Biotreibstoff.“ Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) fordert ein Umdenken, damit die Nahrungsmittelkrise sich nicht ausweitet und weltweit noch mehr Unruhen wie etwa in Haiti drohen. In dem Karibikstaat war Regierungschef Jacques Edouard Alexis über die Preisexplosion bei Grundnahrungsmitteln wie Mais und Reis gestürzt.

Anbaufläche für Biosprit blockiert Nahrungsmittelanbau
Eine mögliche Strategie sind Nothilfen. Dazu hatten Weltbank und Internationaler Währungsfonds (IWF) aufgerufen, die sich besorgt zeigen wegen Hungerrevolten und steigender Preise. Die Bundesregierung hat signalisiert, mehr Hilfe für ländliche Regionen in Entwicklungsländern bereitzustellen. Doch die Wurzeln für die Preissprünge werden damit nicht berührt: Die Anbaufläche von Pflanzen für Biosprit ändert sich damit noch nicht, die Nachfrage nach Fleisch und Milch in Ländern wie China und Indien steigt weiter. Dazu kommt, dass mit Agrarrohstoffen an Börsen spekuliert wird. Die Märkte hängen zusammen, und die weltweite Preisentwicklung auch.

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Biosprit kann lukrativ sein
Die Verbraucherorganisation Foodwatch wirft Industriestaaten eine „mörderische Handelspolitik“ vor. „Die Hälfte der Preissteigerungen geht darauf zurück, dass in Amerika der Maisanbau für den Anbau von Biosprit subventioniert wird“, sagte Foodwatch-Chef Thilo Bode im ZDF. Er sieht aber auch eine Chance, weil steigende Preise ein Anreiz für Kleinbauern sind - Biosprit kann lukrativer sein. Doch die Biosprit-Träume sind nicht mehr, was sie mal waren. Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) musste die Verdopplung des Bioethanolanteils in Benzin stoppen, weil Autos dies nicht vertragen, die Biodieselbranche leidet unter der Besteuerung und hohen Rohstoffpreisen.

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Keine Gefahr für deutsche Nahrungsmittelproduktion
In Deutschland werden auf 17 Prozent der Ackerfläche nachwachsende Rohstoffe angebaut - Tendenz steigend. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner sieht die Nahrungsmittelproduktion in Deutschland nicht in Gefahr. Er kritisiert: „Wir dürfen nicht vergessen, dass auch viele Flächen brach liegen“ und nennt Afrika, Ukraine und Russland als Beispiele. In der EU gibt es derzeit keine Pflicht zur Flächenstilllegung und damit auch keine Prämien. Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) setzt für Deutschland auf Biosprit mit Augenmaß und sagt: „Das Hauptziel der Politik ist, dass wir eine sichere, hochwertige und bezahlbare Nahrungsmittelversorgung in unserem Land sicherstellen.“ Doch er weiß auch: Das gilt nur für Deutschland.

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