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Kraftstoffe: Biosprit aus Holzabfällen wird sozialverträglich

Energiegewinnung  

Biosprit wird sozialverträglich

21.04.2008, 10:41 Uhr | dpa / T-Online

Biosprit II: Flüssigkraftstoff aus Holz (Foto: ddp) Biosprit ist ins Gerede gekommen. Weil immer mehr Raps, Mais und andere Pflanzen für die Treibstoffgewinnung angebaut wurden, steht der Energieträger unter dringendem Verdacht, für steigende Lebensmittelpreise und wieder wachsenden Hunger auf der ganzen Welt zu sorgen. Ein neues Verfahren macht es jetzt möglich, Biosprit auch aus natürlichen Stoffen herzustellen, bei denen es zumindest beim Menschen keine Nahrungskonkurrenz gibt: Holzabfälle. Kritiker sind trotzdem skeptisch.

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Erste Anlage weltweit in Sachsen
Im sächsischen Freiberg nahm am 17.04.08 die weltweit erste kommerzielle Anlage zur Herstellung von Biosprit aus Holzabfällen und kompletten Pflanzen den Betrieb auf. Sie gehört dem Unternehmen Choren, an dem der Ökostrom-Anbieter Lichtblick als Hauptgesellschafter sowie außerdem Shell, Daimler und Volkswagen beteiligt sind. "Synthetische Kraftstoffe haben heute das Potenzial, ein wesentliches Standbein einer klimaschonenden Energieversorgung zu werden", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel beim Start der Anlage.

Holz wird flüssig
Der erzeugte Kraftstoff wird als Biosprit der zweiten Generation bezeichnet, oder auch als BTL (Biomass to Liquid/ Biomasse zu Flüssigkeit). Das Investitionsvolumen für die Anlage liegt nach Unternehmensangaben bei 100 Millionen Euro. Zugrunde liegt eine komplizierte Technologie. Der Anlauf der Anlage dauert mehrere Monate. Pro Jahr sollen rund 18 Millionen Liter Kraftstoff hergestellt werden, das deckt den Bedarf von 15.000 Fahrzeugen. Die gesamte Produktion sei langfristig an Shell verkauft, hieß es.

 

Keine Konkurrenz mehr zu Nahrungsmitteln
Biosprit der zweiten Generation hat im Vergleich zu Rapsdiesel oder Bioethanol den Vorteil, dass statt Nahrungsmitteln oder Früchten und Knollen von Pflanzen sämtliche Teile der Pflanze oder bisher nicht nutzbare Pflanzenreste wie beispielsweise Stroh eingesetzt werden können. Außerdem ist die Effizienz des Verfahrens laut Unternehmen dreimal so hoch wie die der bisherigen Biosprit-Erzeugung.

Pflanzfläche gesichert
Um den Bedarf an Biomasse von Choren zu decken, wurden im Raum Freiberg und in Mecklenburg-Vorpommern Agrarflächen mit schnellwachsenden Pflanzen unter Vertrag genommen. Bundesweit sind fünf industrielle Großanlagen geplant.

Kritik von Umweltschützern
Nach Ansicht der Umweltschutzorganisation Greenpeace wird auch der Biosprit der zweiten Generation "vom Acker kommen" und mit Nahrungsmitteln konkurrieren. Der enorme Rohstoffbedarf der Anlagen werde ohne Importe nicht befriedigt werden können. "Es wird also nicht etwa deutsches Restholz verfeuert, sondern viel wahrscheinlicher Energiepflanzen von überall auf der Welt", stellte Greenpeace-Expertin Ulrike Kallee fest. Biokraftstoffe der zweiten Generation seien in der Herstellung sogar noch teurer als Ethanol und Biodiesel, da die Anlagen, die dafür benötigt werden, sehr teuer sind. Der Sprit müsse also hoch subventioniert werden, damit er sich am Markt halten könne.

Produktionsverfahren schon recht alt
Um aus Holzhackschnitzeln Sprit zu machen, ist erst einmal Energie nötig: Die Holzschnitzel werden zunächst mit Luft oder Sauerstoff bei 400 bis 500 Grad Celsius in teerhaltiges Gas und festen Kohlenstoff (Biokoks) zerlegt. Nach weiteren Prozessen wird der zu Staub gemahlene Koks in das Gas eingeblasen wodurch ein Synthesegas entsteht, das bereits in einem Heizkraftwerk genutzt werden kann. Mit der sogenannten Fischer-Tropsch-Synthese aus den 1920er Jahren wird es zu Diesel umgewandelt.

Günstige Produktionskosten nur bei kleinen Mengen?
Dabei entstehen Treibhausgase und auch die Wirtschaftlichkeit wird noch untersucht. Der Wissenschaftliche Beirat des Bundeslandwirtschaftsministeriums warnt in einem Gutachten vor dem ungeprüften breiten Einsatz von BtL-Kraftstoffen: "Für kleine Produktionsmengen lassen sich niedrige Produktionskosten errechnen, wenn von der Verwendung von Waldrestholz oder Stroh ausgegangen wird."

Erst genau durchrechnen
Der Beirat fordert, den Großeinsatz des BTL-Sprits erst wirtschaftlich durchzurechnen, bevor dies Verfahren politisch unterstützt wird. Wirtschaftlicher sei in jedem Fall Solarenergie aus den Sonnengürteln der Erde.

Kein grundsätzlicher Vorteil für BTL
Die Umweltauswirkungen von BTL-Sprit hat das Institut für Energie- und Umweltforschung (IFEU) in Heidelberg untersucht. Die Ökobilanz insgesamt ist demnach besser als die der meisten herkömmlichem Biosprit-Arten, etwas aus Raps oder Soja. Mit Blick auf Energie und Treibhausgase bestehe aber kein grundsätzlicher Vorteil für BTL, meint IFEU-Experte Nils Rettenmaier. Es gebe sogar herkömmliche Biosprit-Arten, die besser als BtL abschneiden, sagte er: "Die Erschließung der Reststoffe ist sicherlich sinnvoll, allerdings gibt es neben der BTL-Produktion auch andere, ökologisch vorteilhaftere Arten der Nutzung." In vielen Fällen sei es besser, Biomasse ohne aufwendige Umwandlung gleich zur Strom- und Wärmeproduktion zu nutzen. So könnten wesentlich mehr Energie und Treibhausgase eingespart werden.

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