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Strom und Wärme aus der Tiefe (1)

Geothermie in Unterhaching  

Strom und Wärme aus der Tiefe (1)

25.07.2008, 10:19 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

Geglückte Bohrung: Erdwärme-Party in Unterhaching (Foto: Rödl & Partner)Geglückte Bohrung: Erdwärme-Party in Unterhaching (Foto: Rödl & Partner) Im Schalterraum herrscht gelinde Hektik. Einige Lämpchen blinken, mehrere Techniker diskutieren. "Es gibt ein kleines Problem", sagt Reinhard Galbas, der technische Betriebsleiter des Geothermie- Kraftwerks Unterhaching. Die Anlage muss heruntergefahren werden - kein Grund für die ganz große Aufregung. Schließlich ist es nicht das erste Mal, dass der Probebetrieb Schwierigkeiten macht. "Das ist beim Einsatz neuer Technologien normal", erklärt Galbas.

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Strom aus der Tiefe der Erde
Die Geothermie-Anlage Unterhaching bei München ist Deutschlands größtes und Europas modernstes Erdwärmekraftwerk. Ab Mitte Juni - ein Jahr später als geplant - soll die Anlage Strom in das öffentliche Netz einspeisen. Weltweit ist es erst das zweite Mal, dass in einem Erdwärmekraftwerk das sogenannte Kalina-Verfahren zum Einsatz kommt. Dabei werden die dampflokgroßen Turbinen von einem Ammoniakgemisch angetrieben, das bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen gasförmig wird. Die Energieausbeute ist dadurch höher als bei Wasser. "Das ist die effektivste Technik, Strom aus Erdwärme zu gewinnen", sagt Galbas.

 

Großer Leistungssprung
"In Unterhaching wird derzeit Pionierarbeit geleistet", schwärmt Benjamin Richter von der Unternehmensberatung Rödl & Partner. Die Firma ist für den wirtschaftlichen Betrieb der Anlage verantwortlich, die der Gemeinde gehört. Bis zu 3,4 Megawatt elektrischer Leistung soll das Kraftwerk künftig liefern. Das reicht laut Rödl & Partner, um rund 10.000 Haushalte mit Strom zu versorgen. Die Leistung werde damit deutlich höher sein als bei bisherigen deutschen Erdwärmekraftwerke, die mittels anderer Verfahren Strom erzeugen.

Fernwärme schon seit einem Jahr
Der große Vorteil der Geothermie: Die Energie aus dem Boden steht rund um die Uhr zur Verfügung - ohne Schwankungen wie bei Solaranlagen oder Windrädern. Außerdem fällt bei der Stromerzeugung ein wichtiges Nebenprodukt ab: Wärme. In Unterhaching wird sie zum Heizen genutzt. Anders als die Stromversorgung funktioniert das schon seit Juni 2007 problemlos. Allein bis April speiste die Anlage so viel Energie ins Fernwärmenetz ein, dass 7000 Tonnen Kohlendioxid eingespart werden konnten. Künftig sollen es noch deutlich mehr werden.

Moderate Preissteigerung
Mittlerweile sind laut Betreiber fast 2000 Haushalte an die Leitungen angeschlossen. "Für viele Kunden, die mit Öl heizen, lohnt sich der Umstieg auf Fernwärme bereits nach ein bis zwei Jahren", wirbt Erwin Knapek. Er ist der Initiator des Projekts und war viele Jahre Aufsichtsratschef der Unterhachinger Geothermie GmbH. Bei Kunden, die zuvor mit Gas geheizt haben, lohne sich der Umstieg nach rund einem Jahrzehnt. Doch diese Zeitspanne könnte bald schrumpfen: Denn während viele Gaskonzerne die Preise massiv anheben, wollen die Unterhachinger ihren Tarif nur um knapp zwei Prozent erhöhen.

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"Kosten nach 20 Jahren amortisiert"
Knapek bezeichnet das Projekt denn auch als "Erfolgsgeschichte". Alles in allem habe die Gemeinde rund 80 Millionen Euro investiert. "Diese Kosten werden sich nach etwas mehr zwei Jahrzehnten amortisiert haben", prophezeit er. Dabei sei der gestiegene Ölpreis noch gar nicht eingerechnet.

Gute Aussichten durch hohen Ölpreis
Bis Ende April war SPD-Mitglied Knapek Bürgermeister von Unterhaching. Noch gut erinnert er sich an die anfängliche Skepsis einiger Behörden. So habe die Kleinstadt langwierige Genehmigungsstreitigkeiten mit dem bayerischen Wirtschaftsministerium ausfechten müssen. Als Knapek in den neunziger Jahren die Möglichkeiten zur Erdwärmenutzung vor Ort auslotete, kostete das Fass Öl weniger als 20 Dollar. Lange schien Geothermie aus betriebswirtschaftlicher Sicht wenig attraktiv - selbst mit staatlichen Subventionen. Doch durch die Rekordjagd beim Ölpreis wurde die Erdwärme immer rentabler. Als die Gemeinde 2004 die erste Bohrung startete, lag der Ölpreis bei rund 40 Dollar, mittlerweile hat er die 130-Dollar-Marke geknackt.

Selbst E.ON sagt der Geothermie gute Wachstumsraten voraus - mehr im zweiten Teil

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