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Ökostrom: Öko-Anbieter LichtBlick liefert auch Atomstrom

Elektrizität  

Unsauber: Öko-Anbieter liefert auch Atomstrom

23.06.2008, 17:13 Uhr | dpa / tmn / t.online.de, t-online.de

LichtBlick: Atom-Energie im Ökostrom (Foto: ddp) Wer Kunde bei einem Anbieter von Ökostrom ist, muss offenbar damit rechnen, dass trotzdem auch Atomstrom geliefert wird. Die "Financial Times Deutschland" (FTD) schreibt, der Ökostrom-Anbieter LichtBlick habe auf Nachfrage eingeräumt, Strom bei der Leipziger Strombörse EEX einzukaufen. Dort wird vor allem konventioneller Strom aus Atom- und Kohlekraftwerken gehandelt. Wer als Ökostrom-Kunde Atomstrom bekommt, kann dagegen nichts machen - außer den Anbieter zu wechseln. Aber auch dann ist fraglich, ob der neue Anbieter nicht auch in Spitzenzeiten auf "unsauberen" Strom zurückgreifen muss.

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Wie grundsätzlich ist grundsätzlich?

LichtBlick wirbt auf seiner Internetseite so für den eigenen Strom: "Atomstrom und Kohle dagegen scheiden für uns grundsätzlich aus." Zu den Vorwürfen erklärte das Unternehmen, die Stromzukäufe seien notwendig, da es bei der Versorgung "Abweichungen zwischen Kurzfristprognose und zum Teil langfristig im Voraus vertraglich gesicherten regenerativen Strommengen" gebe.

 

Zukäufe nicht öffentlich gemacht

Der "FTD" zufolge hat LichtBlick im Dezember 2006 und von Oktober 2007 an zeitweise knapp 4000 Megawattstunden täglich von der EEX bezogen. Insider bezifferten die eingekaufte Menge im Jahr 2007 auf rund 20 Gigawattstunden, schreibt die Zeitung. Das entspreche rund zwei Prozent der Strommenge, die das Hamburger Unternehmen an seine Kunden abgab. Anfang 2008 habe LichtBlick weiterhin an der EEX eingekauft. Der Versorger machte dies öffentlich nicht bekannt.

Keine Ansprüche getäuschter Kunden

Kunden, die sich getäuscht fühlen, haben offenbar keine Handhabe gegen ihren Ökostrom-Anbieter. "Das ist so wie bei irreführender Werbung: Verbraucherschützer und Wettbewerber können für die Zukunft Unterlassung fordern und abmahnen. Ein solcher Fall löst aber keine individuellen Ansprüche von Kunden aus", sagte Günter Hörmann von der Verbraucherzentrale Hamburg. Sie können also zum Beispiel nicht ihr Geld zurückfordern. Der Anbieterwechsel zu den üblichen Bedingungen sei für enttäuschte Kunden aber möglich.

Öko- und Atomstrom sind nicht getrennt

Auch der Bund der Energieverbraucher sieht in dem Fall schlechte Karten in den Händen der Verbraucher. Ansprüche entstünden nicht, da kein materieller Schaden vorliegt. "Das wäre nur ein ideeller Schaden", sagt Aribert Peters vom Bund der Energieverbraucher in Unkel. Er macht anlässlich des Falls auf einen grundsätzlichen Zusammenhang aufmerksam: "Ich würde auch als Ökostrom-Kunde nicht erwarten, dass ich zu 100 Prozent mit Ökostrom beliefert werde." Denn es sei nicht so, dass Ökostrom-Bezieher aus ihrer Steckdose nur Energie aus regenerativen Quellen bezögen - es gebe keine verschiedenen Leitungen für Öko- oder Atomstrom. "Die Erwartung, die Ökostrom-Bezieher haben dürfen, ist lediglich die, dass ihr Geld zum Teil in neue Ökostrom-Projekte gesteckt wird", sagte Peters.

Streit zwischen LichtBlick und der Strombörse EEX

LichtBlick hat nach eigenen Angaben mehr als 400.000 Kunden und macht einen Jahresumsatz von 200 Millionen Euro. Nach Darstellung des Unternehmens kann der Zukauf "nicht in 'grüner' Qualität erfolgen". 2007 habe LichtBlick 1,53 Prozent des Stroms an der EEX gehandelt. Die konkreten Mengen wollte LichtBlick der Zeitung nicht bestätigen. Die EEX hat den Stromanbieter dem Bericht zufolge aufgefordert, die Hintergründe der Geschäfte offenzulegen. Der Versorger lehne dies jedoch ab und habe deshalb Klage eingereicht.

Unterbrecher 70-Tage

Kein Ausgleichsmarkt für Ökostrom

In einer Stellungnahme erklärte LichtBlick, die Zukäufe seien aufgrund der Tatsache notwendig, dass Strom nicht gespeichert werden könne, sondern im Zeitpunkt des Verbrauchs erzeugt werden müsse. Viertelstündlich entstünden so Fehl- oder Überschussmengen. Für Ökostrom gebe es aber keinen Regelenergie- oder Spotmarkt zum Ausgleich dieser Mengen.

Nicht hundertprozentig ehrlich

LichtBlick schreibt, die Zukaufsproblematik sei allgemein bekannt und auch von Zertifizierern akzeptiert. Eine Prognosegenauigkeit von drei bis fünf Prozent beim Verbrauch werde branchenweit als sehr gut bewertet. Unter dem Strich liefere Lichtblick nur 0,5 Prozent Nicht-Ökostrom. Bleibt dennoch die Frage, warum viele Anbieter damit werben, hundertprozentigen Ökostrom zu liefern, wenn es in der Realität vielleicht nur 95 bis 99,5 Prozent sind. Diese Information sollte den Kunden ehrlicherweise nicht vorenthalten werden.

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