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Abu Dhabi: Erdöl-Land setzt auf Öko-Energie und Umweltschutz

Energie & Zukunft  

Das Silicon Valley der Solarbranche in Abu Dhabi

04.07.2008, 19:33 Uhr | dpa / t-online.de, dpa, t-online.de

Solar-Stadt der Zukunft (Computerbild: Foster and Partners)Solar-Stadt der Zukunft (Computerbild: Foster and Partners) Das Klischee vom Öl-Scheich, der seine Petrodollars für Luxuskarossen ausgibt und auf Schweizer Bankkonten deponiert, hat endgültig ausgedient. Die Öl-Monarchien am Persischen Golf legen die Milliarden, die ihnen der hohe Rohöl-Preis derzeit in die Staatskassen spült, heute ganz anders an als während des Ölbooms in den 70er Jahren: Ein beachtlicher Teil des Geldes bleibt in der Golfregion und wird in Immobilien, Tourismusprojekte, Flughäfen, Häfen und Fabriken investiert.

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Erdöl-Land setzt auf Öko-Energie

Die ungewöhnlichste Großinvestitionen ist momentan im arabischen Emirat Abu Dhabi zu bestaunen, das zu den größten Erdöl-Exporteuren der Welt gehört. Hier im Wüstensand, direkt neben dem Flughafen-Terminal der Herrscherfamilie, entsteht eine Siedlung nach strengen Umweltschutz-Prinzipien. In der Klimaschutz-Stadt, die für die Öko-Strom- und Energiespar-Branche das werden soll, was das amerikanische Silicon Valley einst für die Computerbranche war, sollen schon bald 50.000 Menschen leben. Der Energiebedarf von Masdar-City ("Masdar" heißt auf arabisch "Quelle") soll allein aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden.

 

Deutsche Firmen mit von der Partie

Auch deutsche Unternehmen sollen maßgeblich zum Gelingen dieses ambitionierten Projektes beitragen, dessen Investitionsvolumen auf rund 22 Milliarden US-Dollar (14 Milliarden Euro) geschätzt wird. Am vergangenen Dienstag gaben Masdar und die auf Solarstrom und Windenergie spezialisierte Hamburger Firma Conergy AG die Unterzeichnung einer Partnerschaftsvereinbarung bekannt. Im Mai hatte Masdar beschlossen, in Erfurt eine Fabrik für Dünnschicht-Photovoltaikzellen mit einer Jahresproduktion von anfänglich 50 Megawatt zu errichten. Ein zweites Werk mit gleicher Kapazität soll, nachdem in Erfurt alles getestet wurde, 2010 in Abu Dhabi entstehen. "Momentan sind Deutschland und Spanien führend im Bereich der erneuerbaren Energien", sagt Sultan Al-Jabar, der Vorstandsvorsitzende von Masdar. Er erwartet allerdings, dass US-Firmen die Europäer in den nächsten fünf Jahren überholen werden.

Atomkraft ist Bestandteil des Energiemixes

Auf dem Öko-Sektor ist Al-Jabar nicht nur wegen seiner blütenweißen arabischen Tracht eine schillernde Figur. Der alerte Manager, der in den USA studiert hat, arbeitete früher für die staatliche Ölfirma von Abu Dhabi, hält Kernkraftwerke für einen wichtigen Bestandteil des künftigen Energie-Mixes seines Heimatlandes und absolviert seine Termine im 20-Minuten-Takt. "Weil wir große Öl-Produzenten sind, haben uns einige Leute aus der Branche anfangs mit Skepsis beäugt", räumt er ein. Lächelnd fügt er hinzu: "Wir laden die Skeptiker ein, zu uns zu kommen, denn vielleicht haben sie ja interessante Ideen." Al-Jabar schätzt, dass Abu Dhabi seinen zusätzlichen Energiebedarf in den Jahren 2009 bis 2020 zu acht Prozent aus erneuerbaren Quellen decken wird.

Hoffnung auf die Massenproduktion

Abu Dhabi tut mit der Masdar-Initiative etwas für sein Image, aber das Emirat will auch Geld verdienen. Es setzt darauf, dass die Forschung zu erneuerbaren Energien jetzt durch eine große Finanzspritze einen technologischen Quantensprung erleben wird. "Es geht darum, die Effektivität und die Kosten in den Griff zu bekommen, und das funktioniert nur dann, wenn man in die Massenproduktion einsteigt", sagt der Masdar-Chef.

Unterbrecher 70-Tage

Architektur für die Hitze

Der Öko-Boss will in Masdar-City vor allem Studenten und Forscher ansiedeln. Mit Hilfe des renommierten Massachusetts Institut for Technology (MIT) entsteht auf dem Wüstenareal eine Universität, das Masdar Institut für Wissenschaft und Technologie (MIST). Um Energie zu sparen, ist eine dichte Bebauung mit engen Gassen geplant, die zum Teil überdacht sein werden, damit man trotz der Hitze - im Sommer misst man am Golf teilweise mehr als 50 Grad im Schatten - zu Fuß gehen oder mit dem Fahrrad fahren kann. In der Stadt, die eine Fläche von 6,5 Quadratkilometern hat, werden nur Elektrofahrzeuge zugelassen sein. Das Wasser, das unter anderem für die Bewässerung von Palmen gebraucht wird, soll aus einer Meerwasserentsalzungsanlage kommen.

CO2-neutraler Komfort mit Energieanzeige

Auf Komfort und Ästhetik soll in der Stadt der Quelle niemand verzichten müssen, heißt es. Der Bebauungsplan für die kohlendioxid-neutrale Stadt stammt von dem britischen Stararchitekten Lord Norman Foster. "Ich kann es kaum erwarten, selbst dort zu leben", schwärmt Al-Jaber, der an diesem heißen Julimorgen in einem gekühlten Container-Büro auf dem Masdar-Gelände mit Experten aus Europa und Fernost verhandelt. Wie die anderen Bewohner der Siedlung, in der schon im kommenden Jahr die ersten Häuser bezugsfertig sein sollen, so wird auch er jeden Tag auf einem individuellen Messgerät ablesen können, wie viel Energie er verbraucht. "Wir verbieten nichts, es wird keinen maximalen Konsum geben, aber wir wollen den Menschen auf diese Art und Weise bewusst machen, wie viel sie verbrauchen."

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