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Ökostrom: Startschuss für Milliarden-Projekt Desertec

Wüstenstrom  

Startschuss für Milliarden-Projekt Desertec

14.07.2009, 10:24 Uhr | mash, dapd, t-online.de, dpa, AFP

Wüstensonne: Teil eines solarthermischen Parabolrinnenkraftwerks (Foto: dpa) (Quelle: dpa)Wüstensonne: Teil eines solarthermischen Parabolrinnenkraftwerks (Quelle: dpa) In München ist der Startschuss für eines der weltweit ehrgeizigsten Projekte zu erneuerbaren Energien gefallen. Zwölf Konzerne - darunter Siemens, ABB, E.ON, Münchener Rück - wollen gemeinsam grüne Energie gewinnen. Dazu gründeten sie die Desertec Industrial Initiative mit dem Ziel, in den Wüsten Nordafrikas sowie des Nahen und Mittleren Ostens bis 2050 rund 15 Prozent des europäischen Strombedarfs in solarthermischen Kraftwerken zu produzieren.

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Wichtige Punkte noch nicht geklärt

Die Energie soll über Gleichstrom-Hochspannungsnetze nach Europa transportiert werden. Unklar ist allerdings noch, wo genau Anlagen gebaut werden können. Auch der Termin für den Baubeginn der geplanten Solarenergie-Kraftwerke und Windparks ist noch offen, ebenso wie die Frage der Finanzierung des auf 400 Milliarden Euro geschätzten Projekts. Ein Eckpunkt steht laut Nachrichtenagentur fest: Die Erzeugerländer sollen in jedem Fall einen erheblichen Teil ihres Strombedarfs aus den neuen Kraftwerken decken können.

Strom soll relevante Rolle im europäischen Netz spielen

Die ehrgeizigen Pläne der Unternehmen zur Erzeugung sauberer Solar-Energie sollen spätestens ab November Gestalt annehmen. Bis dahin soll eine Planungsgesellschaft mit dem Namen DII gegründet werden, die sich unter anderem über die Fragen der Finanzierung den Kopf zerbrechen soll. "Alle Tätigkeiten der DII sind darauf ausgerichtet, umsetzungsfähige Investitionspläne innerhalb von drei Jahren nach Gründung zu erstellen", heißt es in der gemeinsamen Mitteilung der Unternehmen.

Politik hilft

Die Bundesregierung und die Europäische Union (EU) unterstützen das Unternehmen. Staatsminister Günter Gloser (SPD) stellte allerdings klar, dass Deutschland und die EU nur Hilfestellung bei den Rahmenbedingungen und der Anschubfinanzierung geben könnten. "Der Staat oder die EU können nicht all diese Finanzen aufbringen. Der wesentliche Anteil muss von privaten Unternehmen organisiert werden."



Desertec als "faszinierende Vision"

"Wir verfolgen einen großen Plan", sagte Torsten Jeworrek, Vorstandsmitglied der Münchener Rück. Das ökologische wie wirtschaftliche Potenzial von Desertec sei enorm. "Wir werden alles tun, diese Vision Wirklichkeit werden zu lassen." Auch die deutsche Elektroindustrie sieht in der Wüstenstrom-Initiative eine "faszinierende Vision". Auch wenn der Weg bis zur Umsetzung noch weit sei, könne das Projekt Deutschland und Europa beim Klimaschutz und in der technologischen Marktführerschaft bei Solarenergie voranbringen, teilte der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) mit.

Greenpeace lobt Projekt

Auch die Umweltschutzorganisation Greenpeace befürwortet die Gründung von Desertec. Das Wüstenstrom-Projekt könne zum Meilenstein für die Nutzung von Solarkraftwerken werden. "Die Energiekonzerne, Finanzinstitute und Anlagenbauer können die Nutzung von Wüstenstrom zu einem weltweiten Vorbild machen", sagte ein Greenpeace-Sprecher. "Die Vision vom Sonnenstrom aus den Wüsten darf nicht als grünes Feigenblatt verkommen." Unternehmen müssten Desertec als "Alternative zu umweltschädlichem Atom- und Kohlestrom verstehen" und nicht als Konkurrenz zu Windkraft und Photovoltaik in Deutschland. Das Projekt könne zum Jobmotor werden.

Greenpeace-Studie - Desertec könnte hunderttausende Jobs schaffen

"Afrika darf nicht denselben Fehler machen wie wir"

Die Welthungerhilfe und das katholische Hilfswerk mahnten derweil an, dass von dem Wüstenstromprojekt nicht nur Europa profitieren darf. Auch afrikanische Länder müssten etwas davon haben. Die Menschen vor Ort müssten den Solarstrom nutzen können. "Afrika darf nicht denselben Fehler machen wie wir und in Kohle, Gas und Atom investieren", sagte der Sprecher der Welthungerhilfe, Ralph Dickerhoff. Aus diesem Grund wäre es sinnvoll, zumindest Ländern in unmittelbarer Nachbarschaft von Solaranlagen einen guten Preis für Solarstrom zu machen. Bei den Abnehmern vor Ort fielen ja auch hohe Erschließungskosten weg.


Dezentrale, kleine Anlagen wichtig

Zur Vermeidung von Konflikten bei der Landnutzung mahnte Misereor an, kleinere, dezentrale Photovoltaikanlagen zu bauen. "Auf den ersten Blick sehen Wüsten ungenutzt aus, aber tatsächlich werden sie genutzt", stellte Schroeder fest. Als Beispiele nannte sie Nomaden und Karawanen. Auch wenn die Menschen keine "Landrechtsurkunden" hätten, müssten die Rechte der Menschen berücksichtigt werden.

Skepsis gegenüber Wüstenprojekt

Desertec hat nicht nur Befürworter. Kritiker halten den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland für sinnvoller. Zudem äußern sie Zweifel an der Machbarkeit des Projekts mit zukünftig rund 400 beteiligten Parteien. Dazu verweisen sie auf politische Risikofaktoren der islamisch geprägten Region.

Verantwortliche weisen Kritik zurück

Der Aufsichtsratsvorsitzende der Desertec-Stiftung, Gerhard Knies, wies schon vorab Kritik an dem Wüstenstromprojekt zurück. Der Physiker sagte dem Deutschlandradio Kultur, das Projekt sei umsetzbar, könne technisch sofort begonnen werden und sei bereits mittelfristig billiger als Stromerzeugung durch Kohle-, Öl- oder Kernkraftwerke. Siemens-Chef Peter Löscher bestritt im "Spiegel" den Vorwurf, es sei unwirtschaftlich, in Afrika gewonnenen Strom aus Solarkraftwerken über Verteilnetze nach Europa zu transportieren. "Stromautobahnen können heute technisch und wirtschaftlich höchst effizient sein", sagte Löscher. Löscher wies auch Kritik zurück, die Regierungen vieler betroffener Länder seien vorher nicht gefragt worden: Bei dem Vorhaben seien auch Vertreter aus dem arabischen Raum und Afrika maßgeblich eingebunden, betonte der Siemens-Chef.

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