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Europa setzt auf Strom aus erneuerbaren Energiequellen

Ökostrom-Wende  

Grüne Energie für Europa

18.02.2010, 17:13 Uhr | mash, t-online.de, dpa

Solarthermie-Kraftwerk in Spanien (Foto: Solar Millennium AG)Solarthermie-Kraftwerk in Spanien (Foto: Solar Millennium AG) Zwei milliardenschwere Projekte, ein Ziel: Ökostrom für Europa. Nach dem Wüstenprojekt Desertec soll nun ein riesiges Ökostrom-Netz an der Nordsee-Küste entstehen. Neun Anrainerstaaten wollen mit diesem Hightech-Netz grüne Energie von der Küste bis weit in den Kontinent bringen. Ein Blick auf die Details zeigt: Beide Projekte unterscheiden sich stärker als gedacht. Und gemeinsam könnten sie eine Revolution der europäischen Energieversorgung einläuten.

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Nordsee-Anrainer planen gemeinsames Stromnetz

Es klingt nach einem kühnen Plan: An der Nordseeküste will Deutschland zusammen mit acht europäischen Ländern ein riesiges Stromnetz aufbauen. Binnen zehn Jahren sollen kilometerlange Unterwasser-Kabel Windparks vor der deutschen und britischen Küste verbinden mit Wasserkraftwerken in Norwegen, Gezeitenmeilern an der belgischen und dänischen Küste sowie mit Wind- und Solaranlagen auf dem europäischen Festland. "Ziel ist ein rascher Ausbau der erneuerbaren Energien und deren Integration in ein leistungsfähiges Stromnetz", erklärte Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP). Noch in diesem Jahr soll eine Absichtserklärung unterschrieben werden.

Meilenstein für Ökostrom

Der Zusammenschluss wäre ein Durchbruch für Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Erstmals könnten die Wetterschwankungen in den verschiedenen Regionen ausgeglichen werden. So kann zum Beispiel das Auf und Ab des Windstroms aus den deutschen oder britischen Offshore-Parks mit der Energie aus skandinavischen Wasserspeicherkraftwerken gekoppelt werden. Damit wäre auch in Spitzenzeiten eine verlässliche Stromversorgung mit grüner Energie garantiert. Ökostrom wäre zum ersten Mal nach Plan einsetzbar. 6000 Kilometer lang soll das Netz werden. Bis zu 30 Milliarden Euro könnte es nach Angaben der European Wind Energy Association EWEA kosten.

Desertec: Über 400 Milliarden Euro Kosten

Dieser Betrag erscheint geringfügig im Vergleich zu den Kosten von Desertec. Gigantische Energieparks sollen Solar- und Windenergie in den Wüsten Nordafrikas und des Nahen Ostens erzeugen. Bis 2050 sollen so rund 15 Prozent des europäischen Energiebedarfs mit Hilfe der Wüstensonne gedeckt werden. Die Kosten werden auf rund 400 Milliarden Euro geschätzt. Dazu kommen noch die Ausgaben für ein neues Leitungsnetz, das den Strom über 3000 Kilometer nach Europa bringen soll. Nach Berechnungen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt dürften die Kabel etwa 45 Milliarden Euro kosten.

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Internationale Firmen-Initiative

Die Gründungsmitglieder der Initiative Desertec sind keine Staaten, sondern zwölf Großunternehmen. Darunter sind ABB Deutschland, die Deutsche Bank, E.ON, MAN Solar Millennium, RWE, Schott Solar und Siemens.

Umsetzung in weiter Ferne

Das Vorhaben klingt kühn - und die Umsetzung dürfte um ein Vielfaches schwieriger werden als das Nordsee-Projekt. Noch sind die Rahmenbedingungen nicht abgesteckt. Wo und wann die solarthermischen Kraftwerke gebaut werden sollen, steht ebenfalls noch nicht fest. Momentan prüft das von den Firmen und der Desertec Foundation ins Leben gerufene Gemeinschaftsunternehmen DII, ob der Sonnenstrom überhaupt zu erschwinglichen Kosten erzeugt und transportiert werden kann.

Windparks in Nordsee bereits Realität

In der Nordsee hingegen bauen Energiekonzerne und Investoren derzeit bereits überall große Windparks - ein Vorteil gegenüber Desertec. Der erste deutsche Offshore-Windpark alpha ventus speist seit August 2009 Strom ins deutsche Netz ein, mit einer Leistung von 60 Megawatt (MW). Bis 2020 plant Deutschland rund 10.000 MW Windstrom-Kapazität in Nord- und Ostsee. Trotz vorhandener Kraftwerke gilt jedoch auch für das Nordsee-Projekt: Wichtige Punkte wie die Finanzierung sind noch ungeklärt. Der Chef der Deutschen Energieagentur, Stephan Kohler, warnte laut "Frankfurter Rundschau" denn auch vor zu viel Euphorie: "Die Planungen stehen noch am Anfang". Welche der länderübergreifenden Verbindungen sich rechneten, sei noch offen.

Anfang vom Ende des Öl-Zeitalters?

Doch allen Unterschieden und Schwierigkeiten zum Trotz: Beide Projekte könnten die Revolutionierung der Energieversorgung Europas einläuten. Bei beiden Projekten wird Ökostrom aus Großkraftwerken abtransportiert und innerhalb Europas verteilt. Ob in zehn oder vierzig Jahren - für Politik und Industrie scheint die Zukunft Europas grün zu sein.

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