Sie sind hier: Home > Finanzen > Immobilien > Energie >

Ökostrom: Wie die Solarlobby bei Subventionen trickst

Ökostrom  

Wie die Solarlobby bei Subventionen trickst

21.02.2010, 12:25 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

Offiziell geben sich Solarkonzerne bescheiden: Die Subventionen für die Branche könnten in diesem Jahr radikal sinken, beteuern Lobbyisten. Doch in Wahrheit wollen die Ökofirmen weitere Milliarden kassieren - Verbraucherschützer fürchten gigantische Kosten für Stromkunden.

Verbraucherschützer warnen

Die Welt könnte so einfach sein: Auf der einen Seite stehen die Stromkonzerne, die ihren Kunden das Geld aus der Tasche ziehen und die Umwelt verpesten. Auf der anderen Seite befinden sich die Solarfirmen. Sie bieten sauberen Strom zu fairen Preisen, schließlich scheint die Sonne für jeden umsonst. "Aber so einfach ist es nicht", sagt Holger Krawinkel vom Verbraucherzentrale Bundesverband. "Es gibt nicht die Bösen und die Guten."

Solarstrom wird teurer

Die Sorge des Verbraucherschützers: Solarstrom wird in Deutschland immer teurer. Allein im vergangenen Jahr sind für die Stromkunden Kosten von rund zehn Milliarden Euro entstanden. Glaubt man den öffentlichen Stellungnahmen der Solarfirmen, dann haben sie das Problem erkannt. An diesem Mittwoch treffen sich nun Branchenvertreter mit Abgesandten aus dem Bundesumweltministerium. Offizielles Thema: ein Abbau der Solarsubventionen.

Lobbyisten mit Kürzungen einverstanden

Bereits im Vorfeld versprachen die Ökolobbyisten, sie seien zu einem großzügigen Verzicht bereit. Bisher erhielten die Betreiber einer Solaranlage bis zu 43 Cent pro Kilowattstunde. Nun könnte die Hälfte des für das Jahresende 2010 vorgesehenen Subventionsabbaus auf den 1. Juli vorgezogen werden, bietet der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) an. Die Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz würde dadurch um 14 Prozent sinken. Zusammen mit der regulären Kürzung um rund zehn Prozent zum 1. Januar 2010 würden die Zuschüsse in diesem Jahr damit um knapp ein Viertel pro Kilowattstunde sinken.

Rasantes Markwachstum

Hört sich gut an, doch für die Verbraucher wird es trotzdem teurer. Der Grund ist das rasante Marktwachstum: In Deutschland gehen immer mehr Solaranlagen ans Netz - weit mehr, als bisher prognostiziert. Was dies bedeutet, zeigt eine einfache Rechnung. Nach den Planungen des BSW sollten in Deutschland 2009 Solaranlagen mit einer Leistung von 682 Megawatt installiert werden. Nun muss die Lobbyorganisation zugeben, dass es tatsächlich rund 3000 Megawatt waren - also vier Mal so viel wie erwartet. Im gleichen Umfang schnellten die Förderkosten in die Höhe: von 2,4 auf 10,4 Milliarden Euro.

Verbraucher müssen mehr bezahlen

Mit anderen Worten: Die Subventionen pro Kilowattstunde können noch so schnell sinken, bei einer steigenden Strommenge fällt dies kaum ins Gewicht. Im Gegenteil - die Gesamtkosten für die Verbraucher steigen. "Teile der Solarindustrie haben in den vergangenen Jahren viel zu geringe Zuwachsraten in Umlauf gebracht", sagt Anne Kreutzmann von der unabhängigen Branchenzeitschrift "Photon". "So wurde versucht, die Kosten kleinzurechnen."

Gesamtkosten werden wohl steigen

Auch für die Zukunft ist mit diesem Effekt zu rechnen. Bisher rechnen die Solarlobbyisten für 2010 bis 2013 mit einem Zubau von gerade einmal 600 bis 700 Megawatt pro Jahr. Analysten und unabhängige Experten halten dies jedoch für völlig untertrieben: Tatsächlich dürften Tausende Megawatt ans Netz gehen - Jahr für Jahr. Das heißt: Die Solarsubventionen können gut und gerne um 25 Prozent sinken - wenn der Zubau 30 Prozent größer ist als prognostiziert, werden die Gesamtkosten trotzdem steigen.

Senkung der Subventionen gefordert

Das Angebot der Solarfirmen zum Subventionsabbau entpuppt sich damit als Mogelpackung. Sollte sich die Branche mit ihren Vorstellungen durchsetzen, dürfte sie in den kommenden Jahren nicht weniger Milliarden einnehmen, sondern mehr. Verbraucherschützer Krawinkel fordert deshalb eine radikale Senkung der Subventionen zur Mitte des Jahres um 30 Prozent. Vor allem jedoch verlangt er "eine verlässliche Zubauprognose des Bundesverbands Solarwirtschaft", die das Bundesumweltministerium bestätigen müsse. "Die bisher erstellten Mengenprognosen waren immer falsch", sagt der Energieexperte.

Preisrückgang ist zu erwarten

Dabei müsste die Ökoenergie gar nicht so teuer sein. Seit 2006 sind die Preise für Solaranlagen um 40 Prozent gesunken - die Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz jedoch nur um 17 Prozent. "Wir sind schon viel weiter, als die Solarbranche zugeben will", sagt Krawinkel. In Süddeutschland könne Solarstrom schon heute so günstig sein wie Strom aus der Steckdose - und für 2010 sei ein weiterer Preisrückgang um 20 Prozent zu erwarten. "Aber die Lobbyisten denken nur an den Kampf um Subventionen."

Firmen aus China profitieren

Neben den heimischen Solarherstellern profitieren vor allem Firmen aus China. Sie überschwemmen den deutschen Markt mit Solarzellen - angelockt von der hohen Förderung. Zwei von drei in Deutschland installierten Modulen kamen 2008 aus dem Ausland. Die Exportquote der hiesigen Produzenten sinkt dagegen: bei Aleo Solar von 50 auf 25 Prozent, bei Solarworld von 59 auf 33 Prozent.

Sonnenenergie noch immer unterschätzt

Manche Hersteller verkaufen ihre Solarzellen gleich gar nicht mehr. Stattdessen betreiben sie eigene Solaranlagen in Deutschland. Beispiel Q-Cells: Der größte deutsche Zellenhersteller errichtet mit seiner Tochter Q-Cells International große Solarfelder. Künftig soll die Tochter etwa die Hälfte aller Erlöse erwirtschaften. "Wir werden uns breiter aufstellen", sagte Q-Cells-Chef Anton Milner in der "Financial Times Deutschland". Im Dezember nahm das Unternehmen im bayerischen Straßkirchen den größten deutschen Solarpark in Betrieb. Das Absurde daran: Trotz der Subventionen spielt die Sonnenenergie in der deutschen Stromversorgung noch immer keine Rolle. Ihr Anteil liegt unter einem Prozent.

Gigantische Chancen

Dabei könnte der Markt schneller wachsen, wenn die Förderung stärker sänke - denn entsprechend fielen dann auch die Preise für Solaranlagen. Ist erst einmal der Punkt erreicht, an dem Solarstrom mit Kohle und Atom konkurrieren kann, würde die Nachfrage nach Solarzellen regelrecht explodieren. "Es ist an der Zeit, über einen ernsthaften Beitrag der Photovoltaik an der deutschen Energieversorgung zu reden", sagt Kreutzmann von "Photon". "Bislang hält die Politik Solarstrom künstlich teuer." Auch Verbraucherschützer Krawinkel sieht gigantische Chancen. "Wir brauchen viel mehr als ein Prozent Solarstrom. Aber das geht nur, wenn diese Energieform bezahlbar wird."

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Gas-Rechner
AnzeigeGaspreisvergleich
Gaspreise vergleichen

Jetzt Gaspreise vergleichen und Geld sparen


Jobsuche

Anzeige
 

Gas-Rechner
AnzeigeGaspreisvergleich
Gaspreise vergleichen

Jetzt Gaspreise vergleichen und Geld sparen


Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Finanzen > Immobilien > Energie

shopping-portal