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Atomkraft: Biblis A kann länger am Netz bleiben

Atomkraft  

RWE kauft Restlaufzeit für Biblis A

10.05.2010, 15:05 Uhr | dpa-AFX, apn, bv, dapd, dpa-AFX, t-online.de

Der Stromkonzern RWE hat seinem Konkurrenten E.ON 4,8 Terawattstunden Restlaufzeit des Atomkraftwerks Stade abgekauft, um damit den Betrieb des Atomkraftwerks Biblis in Hessen für mindestens ein halbes Jahr sicherzustellen. Über den Kaufpreis wurde einer Mitteilung von RWE zufolge Stillschweigen vereinbart. In Medienberichten war aber von einem dreistelligen Millionenbetrag die Rede. Die Mitteilung wurde am Sonntag kurz nach Schließung der Wahllokale in Nordrhein-Westfalen veröffentlicht.

Aufschub für Biblis A

Das Atomkraftwerk Stade war 2003 stillgelegt worden, ohne seine Laufzeit völlig ausgeschöpft zu haben. Vattenfall, das neben E.ON Gesellschafter der Anlage ist, habe zugestimmt, so E.ON in Düsseldorf. Wie RWE miteilte, genügt das erworbene Kontingent, um den 1200-Megawatt-Reaktor Biblis A sechs Monate lang mit voller Last betreiben zu können. Im Rahmen des Atomkonsenses hätte Biblis A eigentlich Ende 2009 abgeschaltet werden müssen. Der Reaktor war aber wegen technischer Defekte einige Zeit stillgelegt, was seine Laufzeit verlängert. Zuletzt lief Biblis A aber nur noch mit halber Kraft, um das Ende der Laufzeit hinauszuzögern. Bleibt es bei der reduzierten Leistung, könnte die neue Laufzeit sogar noch rund zwei Jahre reichen. Nach der Übertragung stehen Biblis A nun insgesamt wieder rund 8,8 Terrawattstunden Laufzeit zur Verfügung.

Hoffen auf Laufzeitverlängerung

Wie RWE weiter mitteilte, will man mit dem Kauf dieser Restlaufzeit sicherstellen, "dass vor dem Vorliegen des Energiekonzepts und einer im Koalitionsvertrag angelegten Rücknahme der Laufzeitverkürzungen keine Fakten geschaffen werden", also Biblis A nicht abgeschaltet werden muss. Die Behörden müssen der Übertragung nach Angaben von RWE nicht zustimmen. Die Betreiber der deutschen Atomkraftwerke hoffen auf einen Ausstieg aus dem Atomausstieg, sodass sie ihre Anlagen länger betreiben können. Die Bundesregierung will ihr Energiekonzept im Herbst vorlegen. Das wäre für Biblis A knapp geworden, es hätte in den nächsten Monaten vom Netz gehen müssen.

NRW-Wahl sorgt für Verunsicherung bei Stromkonzernen

Durch den Wahlausgang in Nordrhein-Westfalen ist die Laufzeitverlängerung, wie sie die derzeitige Bundesregierung anstrebt, aber wieder unwahrscheinlicher geworden. CDU/ CSU und FDP haben nämlich keine Mehrheit im Bundesrat mehr. SPD und Grüne sind gegen eine längere Laufzeit von Atomkraftwerken und wollen am Atomkonsens festhalten. Mindestens eine der beiden Parteien dürfte in irgendeiner Form an der nächsten NRW-Landesregierung beteiligt sein, sei es bei Rot-Rot-Grün, einer Großen Koalition, einer Ampel- (Rot-Gelb-Grün) oder Jamaica-Koalition (Schwarz-Gelb-Grün). Aufgrund des äußerst knappen Wahlergebnisses ist die Zusammensetzung der künftigen Düsseldorfer Koalition noch völlig unklar, Jamaica und die Ampel gelten aber als sehr unwahrscheinlich.

Atomstrom noch bis mindestens 2020

Der Atomkonsens, für den das Atomgesetz 2002 geändert wurde, sieht eine Laufzeit von 32 Jahren für ein Kernkraftwerk vor. Daraus ergeben sich jeweils Reststrommengen, die der Meiler noch produzieren darf. Bisher wurden Stade (2003) und Obrigheim (2005) abgeschaltet, Biblis A und Neckarwestheim wären die nächsten auf der Liste. Das letzte Atomkraftwerk dürfte dann um das Jahr 2020 herum abgeschaltet werden, wobei es durch die Übertragung von Strommengen noch zu Verschiebungen kommen kann. Wenn die Laufzeiten der Kraftwerke verlängert werden, bleiben sie nach derzeitigem Diskussionsstand vier bis 28 Jahre länger am Netz.

Je älter, desto störungsanfälliger

Ältere Atomkraftwerke melden laut einem "Report Mainz"-Bericht überdurchschnittlich viele sicherheitsrelevante Defekte. Dies zeige eine neue Statistik des Bundesumweltministeriums für die Jahre 1993 bis 2008, so das ARD-Magazin vorab. Die Zahl der "meldepflichtigen Komponenten- und Bauteildefekte" nehme bei einer Reihe deutscher Druckwasserreaktoren seit 1994 deutlich zu. Den stärksten Anstieg technischer Defekte weise die Statistik für den 1977 in Betrieb gegangenen Druckwasserreaktor Philippsburg II aus: Hier habe es insgesamt 30 Defekte gegeben, davon neun im Jahr 2008, dem letzten Jahr der Statistik, berichtete das Magazin.

Krümmel mit den meisten Defekten

Von den noch laufenden 17 deutschen Atomkraftwerken gab es die meisten sicherheitsrelevanten Defekte im Siedewasserreaktor Krümmel, nämlich 82, wie "Report Mainz" berichtete. Brunsbüttel (ebenfalls ein Siedewasserreaktor) kam demnach auf 80 Defekte, die beiden Druckwasserreaktoren Biblis B und A auf 78 beziehungsweise 66. Die vier Reaktoren wurden zwischen 1975 und 1984 in Betrieb genommen. Die jüngeren Atomkraftwerke Neckarwestheim II und Isar II hätten dagegen im gleichen Zeitraum lediglich 20 Defekte gemeldet.

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