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Energieverbrauch: Mieterbund schockt mit Zahlen zu Mieterhöhungen

Mieterbund verunsichert mit Zahlen zu Mieterhöhungen

29.10.2010, 09:33 Uhr | cs, bv, dpa, dpa-tmn, AFP, dpa, dpa-tmn, t-online.de

Energieverbrauch: Mieterbund schockt mit Zahlen zu Mieterhöhungen. Saniert oder nicht? Der Aufschlag zur Miete kann deutlich ausfallen (Foto: imago)

Saniert oder nicht? Der Aufschlag zur Miete kann deutlich ausfallen (Foto: imago) (Quelle: imago images)

Die Bundesregierung verunsichert die Mieter in Deutschland mit ihrem Sanierungsprogramm: Millionen Bürger fürchten steigende Mieten, weil ihre Vermieter in Zukunft Zehntausende Euro in die energetische Sanierung ihrer Immobilien investieren sollen. Sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte die Mieter auf steigende Wohnkosten durch Gebäudesanierungen vorbereitet, sie dann aber wieder zu beruhigen versucht. Nun präsentiert der Deutsche Mieterbund (DMB) konkrete Zahlen zu möglichen Mieterhöhungen - offenbar sind die Befürchtungen der Mieter berechtigt.

Unter dem Strich oft keine Einsparung

Wenn Vermieter sämtliche Sanierungskosten auf den Mieter umlegen - und dazu sind sie durchaus berechtigt - steigen die Miete deutlich stärker als die mögliche Ersparnis bei den Heizkosten. Eine Modellrechnung des DMB gibt einen Vorgeschmack auf die künftigen Mieterhöhungen: Wenn das Austauschen von Fenstern und das Dämmen der Wände beispielsweise 20.000 Euro kosten, dürfe die Jahresmiete um bis zu 2200 Euro steigen. "Das macht im Monat stolze 183 Euro, die der Mieter mehr zahlen muss", so DMB-Sprecher Ulrich Ropertz. Die Heizkosten für eine 70-Quadratmeter-Wohnung liegen aber nur bei durchschnittlich 80 Euro.

Über einen besonders krassen Fall einer Mietsteigerung nach Sanierungsmaßnahmen berichtete das "Hamburger Abendblatt". Im Stadtteil Eimsbüttel stieg die Kaltmiete für eine 50-Quadratmeter-Wohnung von 246 auf 846 Euro. Das Rentnerehepaar, das dort bisher wohne, müsse nun ausziehen, weil es sich die hohe Miete nicht leisten könne, hieß es.

Mieten könnten über 180 Euro steigen

Gleichzeitig warnte der DMB die Bundesregierung davor, die Möglichkeiten für Mieterhöhungen allgemein zu lockern. "Das wäre sozial nicht vertretbar", sagte der DMB-Präsident Franz-Georg Rips der "Augsburger Allgemeinen". Ihm zufolge könnten die von Merkel angedeuteten neuen Spielräume für Mieterhöhungen die Mieter mit weit über 180 Euro im Monat belasten. Dem stünden bei den Heizkosten jedoch Entlastungen von lediglich 50 bis 70 Euro im Monat gegenüber.

"Das verletzt das faire Gebot der Warmmieten-Neutralität, wonach die Miete nur um den Betrag erhöht wird, der durch niedrigere Heizkosten eingespart werden kann", sagte Rips. "Ich möchte nicht sagen, dass die Mieter keine Kosten tragen wollen. Jedoch müssen auch die Vermieter einen ordentlichen Beitrag leisten, denn mit der Sanierung erhöht sich der Wert der Objekte." Rips drohte zugleich mit scharfen Protesten, falls die Mieter die Hauptlast bei der geplanten Wärmedämmungs-Offensive tragen sollten. "Eines ist klar: Wir sind ein starker Verband mit drei Millionen Mitgliedern."

Tipps vom Mieterbund

Gegen Mietaufschläge nach einer Sanierung könnten sich die Mieter nicht wehren, erklärte der Mieterbund. Er riet Mietern dennoch, genau hinzusehen. Und zwar bestenfalls vor, während und nach der Modernisierung.

Vor den Modernisierungsarbeiten: "Wenn eine Sanierung ansteht, müssen Mieter darüber schon drei Monate vorher in Kenntnis gesetzt werden", erklärte Ropertz. Dabei müsse dem Mieter beispielsweise mitgeteilt werden, wie lange die Sanierung voraussichtlich dauert und welche Mieterhöhung erwartet wird. Ob die geplanten Maßnahmen rechtens sind, sollte der Mieter dann bereits prüfen lassen - etwa vom örtlichen Mieterverein.

Während der Bauarbeiten: Auch während der Sanierung hat der Mieter Ansprüche, fügte Ropertz hinzu. Wenn Mängel auftreten - zum Beispiel durch abgehängte Fenster oder starke Lärmbelästigung - könne der Mieter unter Umständen die Miete mindern.

Nach der Sanierung: Nach dem Abschluss der Sanierungsarbeiten flattert Mietern irgendwann die Modernisierungsmieterhöhung ins Haus. "Diese sollte der Mieter unbedingt checken lassen", riet der Mietexperte. Auch dabei könne eine Mieterorganisation helfen. Wird festgestellt, dass die Mieterhöhung nicht gerechtfertigt ist, wenden sich Mieter schriftlich an den Vermieter. "Die höhere Miete zahlt der Mieter natürlich vorerst nicht." Akzeptiert der Vermieter diesen Einspruch, sei die Angelegenheit erledigt. Wenn nicht, bleibt ihm nur noch der Klageweg. Denn im Zugzwang ist dann der Vermieter: "Schließlich will er ja etwas vom Mieter - und nicht andersherum." Hauseigentümerverbände fordern derweil, rechtlich zu verankern, dass Mietminderungen während der Bauarbeiten zur energetischen Modernisierung der Gebäude ausgeschlossen sind. Sonst könnten die Hauseigentümer wegen der zu erwartenden Einnahmenausfälle vor den Baumaßnahmen zurückschrecken.

Gebäude sollen kaum noch Energie verbrauchen

Mehr Energieeffizienz ist ein Herzstück im Energiekonzept der Regierung, das am Dienstag (28.09.2010) vom Bundeskabinett beschlossen worden war. Dessen Ziel ist es, alle 18 Millionen Gebäude in Deutschland bis 2050 so zu dämmen, dass sie kaum noch Energie verbrauchen - und wenn, dann am besten nur noch Öko-Energie. Anreize zum Sanieren sollen über spezielle Förderprogramme geschaffen werden, für 2011 stehen rund 950 Millionen Euro zur Verfügung.

Zuhause.de: Mieterhöhung – Wann Mieter höhere Miete ablehnen können

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