Sie sind hier: Home > Finanzen > Immobilien > Energie >

230 Milliarden Euro: Schneller Atomausstieg wird enorm teuer

230 Milliarden Euro: Schneller Atomausstieg wird teuer

17.03.2011, 15:23 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

230 Milliarden Euro: Schneller Atomausstieg wird enorm teuer. Schnellerer Verzicht auf Atomkraft wird teuer (Foto: imago)

Schnellerer Verzicht auf Atomkraft wird teuer (Foto: imago) (Quelle: imago images)

Die Fukushima-Katastrophe befeuert die deutsche Energiedebatte: Viele wollen nur noch raus aus der Atomkraft. Aber wie schnell geht das? Experten halten den Turbo-Ausstieg bis 2020 für möglich. Er wäre allerdings sehr teuer - und würde die Landschaft total verändern.

Es sind schockierende Nachrichten: Den japanischen Atomspezialisten gelingt es trotz permanenter Wasserzufuhr nicht, die Brennstäbe in den Reaktoren 1, 2 und 3 der Atomanlage Fukushima I ausreichend zu kühlen. Die Strahlung auf dem Kraftwerksgelände war zeitweise so hoch, dass sie Menschen innerhalb weniger Wochen töten könnte. Behörden und freiwillige Helfer müssen improvisieren, um das havarierte Kraftwerk doch noch zu retten - Ausgang ungewiss.

Atombewegung bekommt weiteren Zulauf

In Deutschland verursachen die Meldungen irrationale Panik. Obwohl zwischen Fukushima und Berlin rund 8750 Kilometer liegen, steigt die Nachfrage nach Jodtabletten, mit deren Hilfe der menschliche Körper Strahlung abwehren kann. Und die in Deutschland ohnehin starke Anti-Atom-Bewegung bekommt dieser Tage Rekordzulauf. In vielen Städten gehen Menschen auf die Straßen. "Raus aus der Kernenergie", skandieren sie. Aber geht das überhaupt? Und wenn ja: Was würde ein Turbo-Ausstieg kosten?

Michael Sterner leitet am Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (IWES) die Gruppe Energiewirtschaft und Systemanalyse. Er berät regelmäßig die Bundesregierung, zuletzt hat er an der Leitstudie 2010 für das Bundesumweltministerium mitgearbeitet - die zentrale Analyse des Ministers, in der technische Möglichkeiten und Kosten für den Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland aus allen Perspektiven untersucht werden.

"Atomausstieg bis 2020 möglich"

Schon die Leitstudie der Regierung zeigt Wege auf, um rasch aus der Kernenergie auszusteigen. Die Basisszenarien A und B gehen davon aus, dass es keine Laufzeitverlängerung für Deutschlands 17 Atommeiler gibt - und dass der letzte Meiler 2025 vom Netz ist. Für "Spiegel Online" hat Sterner noch einmal neue Abschätzungen vorgenommen. Sein Fazit: "Wenn man die BMU-Szenarien nur geringfügig anpasst, ist ein Ausstieg aus der Kernenergie schon bis 2020 problemlos möglich."

Und das ohne große Quantensprünge: Sterners Szenario berücksichtigt keine Energierevolutionen, die erst noch realisiert werden müssen. "Um bis 2020 aus der Kernenergie auszusteigen, reicht es aus, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien wie gehabt weitergeht."

Wie funktioniert der Atom-Ausstiegsplan?

Derzeit haben Deutschlands Kernkraftwerke eine Leistung von rund 20,8 Gigawatt. Deren Kapazitäten müssen teils ersetzt werden; teils wurden sie schon ersetzt. Das zeigt der aktuelle Atom-Aktionismus der Regierung: Sieben von 17 Atommeilern werden für aufwendige Sicherheitschecks heruntergefahren. Ein achtes Kraftwerk, das AKW Krümmel, ist ohnehin nicht am Netz. Trotzdem droht Deutschland offensichtlich kein Blackout.

Leistung der sieben Altmeiler plus Krümmel

Kraftwerk

Betriebsstart

Nettoleistung in MW

Brunsbüttel

1977

771

Isar I

1979

878

Neckarwestheim 1

1976

785

Philippsburg I

1980

890

Biblis A

1974

1167

Biblis B

1976

1240

Unterweser

1978

1345

Krümmel

1984

1346

Gesamt

8422

Quelle: "Spiegel Online", Bundesumweltministerium, Bundesamt für Strahlenschutz, IAEA - Power Reactor Information System, Informationskreis KernEnergie

Mehr noch: Die Bundesregierung plant, einige AKW stilllegen zu lassen. Neckarwestheim I und Philippsburg müssen vom Netz. Die Existenz der anderen Meiler ist in Frage gestellt. Rein rechnerisch könnten insgesamt sieben Meiler abgeschaltet werden, ohne dass eine Stromlücke entsteht.

Bleiben aber immer noch zehn Atomkraftwerke - und Kapazitäten von rund 14 Gigawatt, die ersetzt werden müssen. Auch das ist laut Sterners Berechnungen möglich - ohne dass an der aktuellen Energiepolitik viel geändert werden muss. "Ältere Kohlekraftwerke können sogar wie geplant stillgelegt werden", sagt Sterner.

Alle Fragen und Antworten zum Turbo-Ausstieg aus der deutschen Atomkraft im Überblick:

Weiter mit Teil 2: Wie der Turbo-Ausstieg gelingen soll

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Gas-Rechner
AnzeigeGaspreisvergleich
Gaspreise vergleichen

Jetzt Gaspreise vergleichen und Geld sparen


Jobsuche

Anzeige
 

Gas-Rechner
AnzeigeGaspreisvergleich
Gaspreise vergleichen

Jetzt Gaspreise vergleichen und Geld sparen


Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Finanzen > Immobilien > Energie

shopping-portal