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Nuklear-Exporte: Atomkraft made in Germany

Nuklear-Exporte: Atomkraft made in Germany

24.03.2011, 12:29 Uhr | Spiegel Online, Spiegel Online

Nuklear-Exporte: Atomkraft made in Germany. Brasilianisches Atomkraftwerk Angra: Technik aus Deutschland (Foto: dpa)

Brasilianisches Atomkraftwerk Angra: Technik aus Deutschland (Foto: dpa) (Quelle: dpa)

In der Bundesrepublik gerät die Atomkraft massiv in die Kritik - doch international machen Siemens und Co. dicke Geschäfte mit dem Bau neuer Reaktoren, zum Teil mit Unterstützung der Politik. Ein Überblick über den weltweiten Boom der Kernkraft und die Beteiligung der deutschen Industrie.

Brasilien baut Atomreaktor in Erdbebengebiet

Noch ist es eine Bauruine, das Atomkraftwerk Angra III im Süden Brasiliens. Wegen finanzieller Schwierigkeiten stand die Baustelle mehr als 20 Jahre still - die Bauteile aus Deutschland sind seit Anfang der achtziger Jahre eingelagert. Wenn es nach Atomkraftgegnern geht, sollte das auch so bleiben: Der Reaktortyp entspreche nicht den gängigen Sicherheitsbestimmungen, noch dazu stehe das Kraftwerk inmitten eines Erdbebengebiets, unweit der Millionenstadt Rio de Janeiro - so die Kritik.

Hermes-Bürgschaften für Atomkraftwerke

Doch klar ist: Angra III soll spätestens 2015 ans Netz gehen - mit deutscher Hilfe. Die Bundesregierung fördert das Projekt mit einer sogenannten Hermes-Bürgschaft. Hermes-Bürgschaften unterstützen deutsche Unternehmen bei riskanten Investitionen in Entwicklungs- und Schwellenländern: Falls der Auftraggeber zahlungsunfähig wird, garantiert der Bund, den Ausfall zu kompensieren. Für das deutsch-französische Kernenergieunternehmen ArevaNP, das die Technik für Angra III liefert, bringt die Bürgschaft Sicherheiten in Höhe von 2,5 Milliarden Euro.

Der Fall steht beispielhaft für das starke Engagement Deutschlands in der internationalen Kernkraft-Technik. Insgesamt zwölf Exportgarantien hat die Bundesregierung für deutsche Atom-Exporte übernommen, darunter Projekte in Russland und China. Atomkraft made in Germany ist ein Export-Schlager. Zwar ist unklar, ob die Bundesregierung auch nach dem am Montag verkündeten Moratorium an diesem Kurs festhalten wird. Doch bislang unterstützt Deutschland den Ausbau der weltweiten Kernenergie massiv.

Großes Potential für deutsche Unternehmen

Während in Deutschland Reaktor-Neubauten undenkbar wären, sieht die Bundesregierung den Ausbau der Atomenergie im Ausland gerne, denn das wirtschaftliche Potential ist enorm. Nach einer Studie der Unternehmensberatung Arthur D. Little sind weltweit rund 170 Atomkraftwerke mit 560 Reaktoren geplant oder im Bau. Für die deutsche Wirtschaft warten hier Aufträge in Höhe von bis zu 628 Milliarden Euro.

Zwar hatte die rot-grüne Koalition 2001 in den "Umweltrichtlinien für Hermes-Bürgschaften" beschlossen, Atomenergie von der Förderung auszuschließen. Doch der schwarz-gelbe Koalitionsvertrag hat einen Richtungswechsel eingeläutet: Demnach sollen die "OECD-Umweltrichtlinien alleiniger Maßstab bei der Prüfung von Exportgarantien" sein. Ein Verbot für die Förderung von Atomkraft sucht man hier vergebens.

Kurswechsel von Schwarz-Gelb

Den neuen Kurs erklärte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) damit, dass die Bundesregierung den Export nuklearer Energietechnologie aus "ökologischen und ökonomischen Gründen" unterstütze: "Entscheidend ist, dass zahlreiche Länder auch aus Klimaschutzgründen Kernkraftwerke bauen, und da werden wir uns mit unserer Spitzentechnologie gerne beteiligen", sagte Westerwelle. In den Chefetagen deutscher Energieriesen gilt dieser Kurs als Grundvoraussetzung, damit die deutsche Atomindustrie vom weltweiten Boom überhaupt profitieren kann.

Vom Kuchen wollen auch die beiden deutschen Energieriesen RWE und E.ON etwas abhaben, die mit einem Joint Venture in Großbritannien insgesamt sechs Kernkraftwerke bauen wollen. Der Vorstandsvorsitzende der britischen RWE-Tochter, Andrew Duff, bezeichnet den Bau neuer Atommeiler als "zentralen Baustein" des Unternehmens. Sein deutscher Chef, RWE-Boss Jürgen Großmann, sieht sogar eine wachsende Bedeutung der Kernenergie in der globalen Energieversorgung der Zukunft. "Sie ist ein Schlüsselelement der RWE-Strategie", sagt Großmann. Ob der Konzern seine Strategie nach der Japan-Katastrophe ändern will, ist nicht bekannt.

In Deutschland verpönt, im Ausland gefragt

Dass die Atomunternehmen in Deutschland auf Widerstand stoßen, ist dabei nur zweitrangig. Im Ausland ist deutsche Hilfe sehr gefragt. Auf der finnischen Halbinsel Olkiluoto entsteht derzeit einer der größten Kernreaktor der Welt - der erste, der in Westeuropa nach der Katastrophe von Tschernobyl gebaut wird. Von den rund 1600 beteiligten Unternehmen stammt die Hälfte aus Deutschland.

Darunter Weltnamen wie Siemens und ThyssenKrupp , aber auch etliche Mittelständler, die an der Großbaustelle beteiligt sind. Das Auftragsvolumen allein für die deutschen Unternehmen wird auf eine Milliarde Euro geschätzt. Zwar hat die Bundesregierung in Olkiluoto keine Bürgschaften übernommen. Dafür ist aber die Bayerische Landesbank beteiligt, die zu 94 Prozent dem Freistaat Bayern gehört. Sie ist einer der Hauptinvestoren des Projekts.

Deutsche Bank gilt als großer Spieler im Nukleargeschäft

Neben dem Bau von Meilern fördern deutsche Banken auch die Produktion von Brennelementen, das Management radioaktiver Abfälle sowie den Abbau von Uran: Nach Angaben der Umweltorganisation Urgewald beteiligte sich die Deutsche Bank 2007 an einem Kredit, mit dem Areva das südafrikanische Bergbauunternehmen UraMin gekauft hat. Der Uranabbau in Afrika steht in der Kritik, seine Arbeiter zu unmenschlichen Bedingungen überhöhter Strahlung auszusetzen.

Auch sonst gilt die Deutsche Bank als einer der großen Player im Nukleargeschäft: Laut Urgewald zählt das Institut weltweit zu jenen zehn Finanzinstituten, welche die Branche von 2000 bis 2009 am meisten unterstützt haben: 7,8 Milliarden Euro soll sie in die internationale Atomindustrie investiert haben. Auch die Commerzbank soll mit einer Summe von 3,9 Milliarden zu den großen Unterstützern zählen. Beide Banken wollten dies auf Anfrage nicht kommentieren. Die Landesbanken WestLB und die LBBW tauchen ebenfalls im oberen Drittel der Liste auf, wobei sich die LBBW dazu nicht äußert.

Sogar den Betreiber der Katastrophen-Meiler in Fukushima haben deutsche Banken finanziell unterstützt: Die WestLB bestätigte auf Anfrage, im Jahr 2004 Anleihen des japanischen Energiekonzerns Tepco gekauft zu haben. Nach Angaben der Umweltschutzorganisation Urgewald investierte das Geldhaus zusammen mit der Deutschen Bank jeweils 30 Millionen Euro. Die Summe wollte keines der Institute bestätigen.

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