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Deutsche Energie-Agentur warnt vor Blackouts nach AKW-Abschaltungen

Atomausstieg  

Deutsche Energie-Agentur warnt vor Stromausfällen

24.03.2011, 15:44 Uhr | dapd, dapd, t-online.de

Deutsche Energie-Agentur warnt vor Blackouts nach AKW-Abschaltungen. Stillgelegter B-Block des AKW Biblis (Foto: imago)

Stillgelegter B-Block des AKW Biblis (Foto: imago)

Die Atomkatastrophe in Japan hat bekanntlich die Diskussion um Für und Wider Atomstrom befeuert. Nun legt der Geschäftsführer der Deutschen Energie-Agentur (dena) noch einen drauf. Stephan Kohler sieht die Gefahr von Stromausfällen, falls weitere Atomkraftwerke in Deutschland vom Netz gehen. Wenn wie geplant im Mai fünf weitere Kernkraftwerke wegen interner Revisionen vom Netz gehen, werde die Situation sehr angespannt, sagte Kohler der "Passauer Neuen Presse". "Da gibt es nichts zu beschönigen. In Spitzenzeiten besteht die Gefahr regionaler Blackouts", sagte er. "Auf 75 Prozent der Kapazitäten aus Atomkraftwerken können wir nicht ohne Weiteres verzichten."

Kohler erläuterte, in diesem Fall werde im Süden weniger Strom gewonnen, während es gleichzeitig einen höheren Durchfluss in Nord-Süd-Richtung gebe. "Damit kommen wir an die Grenze der Netzkapazität. Das darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden", sagte er.

Ad-hoc-Ausstieg nicht zu verantworten

Kohler betonte, Deutschland benötige noch Zeit für die Energiewende. "Ein Ad-hoc-Ausstieg wäre nicht zu verantworten." Kohler plädierte dafür, den im Jahr 2000 vereinbarten Atomkonsens umzusetzen, der einen Ausstieg bis spätestens 2022 vorsieht. Das sei eine realistische Zielmarke. "Alles andere würde zu deutlich höheren Strompreisen führen. Das können wir uns als Industrieland nicht erlauben", sagte Kohler. Voraussetzung für den Atomausstieg sei ein umfangreicher Ausbau der Stromnetze.

Hier werden neue Stromleitungen gezogen (Grafik: dpa)Hier werden neue Stromleitungen gezogen (Grafik: dpa) Auch E.ON-Chef Johannes Teyssen sieht ein deutlich gestiegenes Risiko von Blackouts durch die schnelle Abschaltung weiterer AKWs. Wenn im Mai vier weitere Kernkraftwerke vom Netz gehen, weil sie planmäßig gewartet werden müssen, werde in Süddeutschland deutlich weniger Strom produziert als bislang. "Auf eine solche Änderung der regionalen Verteilung ist das Netz nicht ausgelegt", sagte Theyssen in einem Interview mit der Zeitung "Rheinische Post". In einem anderen Interview hatte Teyssen gar vor dem Zusammenbruch des ganzen deutschen Stromnetzes gewarnt.

Gas statt Atom

Johann Köpper, Wissenschaftler an der TU Berlin, glaubt derweil, dass es kein Problem sei, die sieben älteren Atomkraftwerke abzuschalten. "Je länger sie Strom produzieren, desto schwerer und langwieriger wird der Umstieg auf erneuerbare Energieträger", sagte Köpper in einem Interview mit dem "Tagesspiegel". Selbst wenn es nur noch Ökostrom gäbe, könne Deutschland sich auf eine sichere Energieversorgung verlassen. Und für Spitzenzeiten könne man auf Gas zurückgreifen. "Es werden noch für lange Zeit Gaskraftwerke nötig sein, die man rasch hochfahren kann, wenn die Erneuerbaren nicht genügend liefern", meint Köpper.

Neue Sicherheitsvorgaben

Für die deutschen Atomkraftwerke sollen in der kommenden Woche neue Sicherheitsvorgaben veröffentlicht werden. "Die Reaktorsicherheitskommission wird Ende des Monats einen Anforderungskatalog vorlegen", sagte der Kommissionsvorsitzende Rudolf Wieland der "Financial Times Deutschland". Das 16-köpfige Expertengremium überprüft derzeit im Auftrag des Bundesumweltministeriums die Sicherheitsstandards angesichts der Atomkatastrophe in Japan.

Beratergremium zur Zukunft der Kernenergie wird gegründet

Nach Informationen der "Rheinischen Post" will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) noch vor den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz in dieser Woche einen "Rat der Weisen" zur Zukunft der Kernenergie gründen. Das inoffizielle Beratergremium solle mit namhaften Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kirche besetzt werden und die friedliche Nutzung der Kernenergie aus einer moralischen und ethischen Perspektive heraus diskutieren, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise. Das Gremium solle "parteiunabhängig und ideologiefrei" besetzt werden und Empfehlungen für den endgültigen Ausstieg aus der Kernenergie geben, hieß es.

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