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Firma in Sachsen receycelt Solarmodule

Erneuerbare Energien  

Firma in Sachsen receycelt Solarmodule

29.04.2011, 14:22 Uhr | dpa, dpa

Firma in Sachsen receycelt Solarmodule. In eine Solaranlage stecken wertvolle Rohstoffe (Foto: imago) (Quelle: imago images)

In eine Solaranlage stecken wertvolle Rohstoffe (Foto: imago) (Quelle: imago images)

Viel seltenes, wertvolles Material steckt in einem Solarmodul. Es zu recyceln, finden viele sinnvoll, aber auch teuer und umständlich. Ein kleines sächsisches Unternehmen macht es und ist nun überall in der Welt bekannt. Denn es gibt immer mehr Solaranlagen.

Alle Bestandteile wiederverwerten

"Eigentlich", sagt Wolfram Palitzsch, "ist es nur eine Sache des Blickwinkels." Natürlich lohne es sich nicht, nur das seltene Element Indium - oder irgendein anderes - aus einem Solarmodul zu recyceln. Deswegen mache das auch kaum jemand. "Aber wir haben uns von der klassischen Sichtweise gelöst", erklärt der technische Leiter von Loser Chemie aus dem sächsischen Hainichen. Soll heißen: Loser recycelt einfach alles, was so ein Modul hergibt. Palitzsch hat eine Methode entwickelt, mit der alle Materialien, auch Glas oder Kunststoff, sauber getrennt und dann wiederverwendet werden können. "Es geht um das Gesamtsystem", sagt er.

Anlage kann auch Energiesparlampen und Kreditkarten recyceln

In einer von Hand betriebenen Pilotanlage können Palitzsch und Firmenchef Ulrich Loser schon heute zeigen, was ihre Erfindung kann - nicht nur Solarmodule recyceln nämlich, sondern nach eigenen Angaben auch Energiesparlampen oder Kreditkarten. Im Laufe des Sommers will das Unternehmen, das eigentlich in erster Linie Verfahren zur Wasseraufbereitung entwickelt, dann eine Anlage aufbauen, mit der auch im industriellen Maßstab recycelt werden kann. Mit Blick auf den Solarboom in Ländern wie Deutschland kann hier eine große ökonomische Chance liegen, denn die Module halten nicht ewig.

Idee aus der Not geboren

Wie genau das Verfahren funktioniert, verrät Palitzsch natürlich nicht, wohl aber, wie er darauf gekommen ist - aus blanker Not nämlich. Er habe schlicht und einfach einen Weg gesucht, den Preissteigerungen bei Rohstoffen, die Loser Chemie selbst braucht, zu begegnen. Danach kam eins zum andern, erinnert sich Ulrich Loser. Immer mehr Interessenten meldeten sich, aus einem selbst organisierten "Innovationsforum" wurde ein internationaler Expertentreff, das Bundeswirtschaftsministerium nahm das Unternehmen in seine "Hightech-Strategie für Deutschland" auf. "Und im japanischen Fernsehen waren wir auch schon", erzählt Loser.

Strategie für rohstoffarme Industrienationen

Solarmodule im großen Stil zu recyceln, könnte ein paar Probleme lösen, mit denen sich eine rohstoffarme Industrienation wie Deutschland künftig konfrontiert sehen wird. Denn fast die gesamte Förderung der Rohstoffe, die für Handys, Windturbinen, Elektromotoren oder eben auch Solarmodule gebraucht werden, konzentriert sich auf wenige Länder. Sie mehrfach zu verwerten, würde also die erwartete Rohstoffknappheit lindern. Zudem gehen auch Solarmodule irgendwann kaputt und müssen irgendwo hin. Sie dann wegzuwerfen, würde allen Bemühungen um mehr Umweltschutz entgegenstehen.

Solaranlagen halten 15 bis 20 Jahre

Einige Jahre ist bis dahin aber noch Zeit, denn Solaranlagen halten vergleichsweise lange. "Den großen Solarboom gab es so um das Jahr 2004", sagt David Wedepohl vom Bundesverband Solarwirtschaft. "Rechnen wir 15 bis 20 Jahre drauf, dann muss das System stehen."

Konkurrenz aus Brüssel

Auch andere haben das erkannt. Unter dem Namen PV Cycle hat sich in Brüssel ein Netzwerk aus Solarunternehmen organisiert, das auf europäischer Ebene ein Rücknahme-System für Module aufbaut. Und auch das neue nationale Rohstoff-Zentrum im sächsischen Freiberg, das im Sommer gegründet werden soll, will sich um das Recycling als Gewinnungsstrategie kümmern. Bei beiden sieht Loser Chemie schon jetzt beste Chancen zur Bündelung von Kompetenzen.

Ulrich Loser wird der Sinneswandel insgesamt gefallen. Denn bisher, sagt er, sind viele Unternehmen eher skeptisch, wenn ihre im Verborgenen entwickelten Produkte beim Recycler in ihre Bestandteile zerlegt werden sollen. Auch Loser Chemie will das Solar-Recycling langsam angehen. "Die Verwertung von Produktionsabfällen ist der erste Schritt", sagt der Chef. "Die kompletten Module kommen erst im zweiten." Sie müssen eben erst noch kaputtgehen.

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