Sie sind hier: Home > Finanzen > Immobilien > Energie >

RWE setzt auf Strom aus Biomasse statt Atom

RWE setzt auf Strom aus Biomasse statt Atom

13.09.2011, 13:26 Uhr | dpa, dpa

Wenn die Pläne von Hans Bünting Realität werden, hätte RWE eine erste Antwort auf den Abschied von Atomkraftwerken gefunden. Die Energiekonzerne sind bisher schlecht auf die kleinteiligen Strukturen der deutschen Ökoenergie-Welt eingestellt. Mit Photovoltaik etwa können sie wenig anfangen. Daher sucht der Finanzchef der RWE-Ökosparte Innogy nach Lösungen im großen Stil. Büntings Vision: Kohlekraftwerke zum Verfeuern von Biomasse nutzen. "Das ist sicherlich auch eine Option für Deutschland. Ich muss nichts Neues bauen und kann bestehende Kraftwerke nutzen", sagt Bünting.

Auch Vattenfall fährt diese Linie, mit der zunächst etwa 10 bis 20 Prozent Biomasse aus Holz in Kohlekraftwerken mitverfeuert werden könnten. "Besonders Braunkohlekraftwerke könnten geeignet sein, weil die Pellets ein ähnliches Material sind. Sie werden genauso wie die Kohle zermahlen und wie Kohlestaub eingeblasen", sagt Bünting. Beim sogenannten Co-Firing habe RWE bereits Kombianlagen mit 400 Megawatt (MW) in Betrieb, 890 weitere MW seien im Bau.

Keine neuen Netze notwendig

Die Biomasse-Verbrennung etwa zur Stromerzeugung über Turbinen wird von Bünting als Garant für eine sichere Versorgung gepriesen. Und für den Klimaschutz. Die schwankende Wind- und Solarstromerzeugung könnte mit kontinuierlich verfügbarem Strom aus Biomasse-Kraftwerken ausgeglichen werden und RWE so Stromlieferverträge besser planen als etwa mit Solarstromanlagen. Hinzu komme, dass man keine neuen Netze brauche, da Kraftwerke erhalten werden, betont Bünting.

Man hofft langfristig auf Fortschritte bei der Entwicklung von Biokohle, also veredelten Holzstäbchen, die dem Energiegehalt von Kohle nahekommen. Aber die dunkelbraunen Stäbchen, die aus Sägespänen gepresst werden, sind nicht billig. Und es stellt sich die Frage, wo so viel Holz herkommen soll, wenn das die "große Lösung" werden soll.

Konzerne verlangen Förderung

Doch dann ist da auch noch ein anderer Knackpunkt. RWE und der Vattenfall-Konzern, der jüngst im Berliner Heizkraftwerk Reuter einen Biomasse-Pilotversuch unternahm, verlangen eine Förderung über das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). "Wir empfehlen die Abschaffung der Förderbegrenzung auf Biomasseanlagen mit einer Kapazität von maximal 20 Megawatt", so Bünting. Würde auch die Mitverbrennung im großen Stil mit einer Einspeisevergütung gefördert, die 20 Jahre lang garantiert wird, wäre das Ganze weit lukrativer. Doch der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) hält gar nichts davon, dass die Konzerne nun derart mitmischen wollen im Zukunftsfeld der Erneuerbaren.

"Ich habe das Gefühl, dass hier finanzielle Möglichkeiten gesucht werden, um in den alten Strukturen weiterzumachen und nur den Brennstoff auszutauschen, sagt BEE-Geschäftsführer Björn Klusmann. "Es kann nicht sein, dass die Biomasse-Mitverbrennung über das EEG mitfinanziert wird, weil es ein Instrument ist, um den Ausbau der erneuerbaren Energien in neuen Anlagen voranzubringen." Die Konzerne würde bei der Mitverbrennung schon dadurch sparen, dass sie weniger CO2-Verschmutzungsrechte kaufen müssten.

Werk in den Niederlanden bis 2015 umgerüstet

Während in Deutschland das Ganze noch in den Kinderschuhen steckt, ist RWE im Ausland schon weiter. Das Steinkohlekraftwerk Amer 9 in den Niederlanden soll bis 2015 für die Zufeuerung von bis zu 50 Prozent Biomasse umgerüstet werden. Das Kohlekraftwerk Tilbury B in Großbritannien soll sogar komplett umgerüstet werden und mit einer Leistung von 750 MW das wohl größte Biomassekraftwerk Europas werden. Für RWE ist es wegen der Milliardeneinbußen durch den Atomausstieg wichtig, die hohen Kosten für CO2-Zertifikate rasch zu reduzieren.

Hans Dieter Hermes, Leiter der Biomasse-Einheit bei Vattenfall, betont, dass durch mehr Biomasse-Anlagen auch der Neubaubedarf bei Gaskraftwerken gemindert werden könnte. Vattenfall will vor allem forstwirtschaftliche Abfälle und schnell nachwachsende Rohstoffe als Rohmaterial nutzen - so nutze man auch Gummibaumplantagen in Liberia.

Berliner Kraftwerk Reuter West als Vorbild

Hermes verweist auf den erfolgreichen Test jüngst im Berliner Kraftwerk Reuter West. Dort wurden im Juli in fünf Tagen 4000 Tonnen der Holzstäbchen ohne technische Probleme zusammen mit Steinkohle verbrannt. Damit seien 20 Prozent der Kraftwerksleistung erzeugt worden, rund 120 Megawatt. Die Menge an holzartiger Biomasse sei derzeit weltweit zwei bis drei Mal höher als der Bedarf. In der gesamten Kette, inklusive Herstellung und Transport, werde bis zu 90 Prozent weniger CO2 verursacht als bei Kohle, betont Hermes. Er sieht nun die Bundesregierung am Ball, die Ökoförderung hierfür zu öffnen.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail
Gas-Rechner
AnzeigeGaspreisvergleich
Gaspreise vergleichen

Jetzt Gaspreise vergleichen und Geld sparen


Jobsuche

Anzeige
 

Gas-Rechner
AnzeigeGaspreisvergleich
Gaspreise vergleichen

Jetzt Gaspreise vergleichen und Geld sparen


Mehr zum Thema
Sie sind hier: Home > Finanzen > Immobilien > Energie

shopping-portal