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Energiewende: Osten hängt Westen ab

Blühende Energielandschaften: Osten hängt Westen ab

04.10.2011, 13:08 Uhr | dpa, dpa, t-online.de

Energiewende: Osten hängt Westen ab. Windräder bei Zepkow (Müritz): Hoher Ökostromanteil im Osten (Quelle: dpa)

Windräder bei Zepkow (Müritz): Hoher Ökostromanteil im Osten (Quelle: dpa)

Peter Hahn spricht von einem steinigen Weg, aber zum Schluss konnten alle Landwirte überzeugt werden. "Das haben wir friedlich und schön hingekriegt", sagt der EDV-Experte aus dem brandenburgischen Schlalach, der nun auch Windfachmann ist. Während er spricht, drehen sich die 138 Meter hohen Windräder etwas träge, der graue Himmel ist wolkenverhangen. Da für die Fläche rund 100 Grundstücksbesitzer ins Boot geholt werden mussten, wurde die Idee eines Bürgerwindparks geboren - alle Besitzer bekommen einen Teil der Einnahmen und zusätzlich fällt Geld für das ganze Dorf ab.

Schlalach ist nur ein Beispiel, wie gerade in Ostdeutschland die Energiewende vorangetrieben wird. Ein Vorteil ist sicher die oft dünne Besiedlung, vielerorts gibt es auch weniger Proteste als im Westen Deutschlands. Mecklenburg-Vorpommern (2009: 51,8 Prozent), Sachsen-Anhalt (32,2 Prozent) und Thüringen (40,1 Prozent) haben einen Ökoanteil bei der Stromerzeugung, der klar über dem Bundesschnitt von 20 Prozent liegt.

Viele Kohlekraftwerke trüben die Ökobilanz

Brandenburg kam 2009 auf 18,8 Prozent. Das liegt auch daran, dass hier viele Kohlekraftwerke Strom für Berlin produzieren und dies den Ökoanteil dämpft. Das Land gewann schon mehrfach den "Leitstern" für die bundesweit besten Bemühungen zum Ausbau der Ökoenergien. In dem Bereich arbeiten in Brandenburg mittlerweile mehr Menschen als in der Braunkohleverstromung. Nur Sachsen hinkt mit knapp zehn Prozent Ökoanteil an der Stromproduktion im Osten hinterher.

Neben dem Dialog sei auch eine Beteiligung der Bürger an den Anlagen entscheidend, sagt der Geschäftsführer der Agentur für erneuerbare Energien, Philipp Vohrer. "Nur so kann der erfolgreiche Strukturwandel durch die erneuerbaren Energien auch für alle von Nutzen sein." Beteiligung ist auch in Schlalach die Erfolgsformel. Nach der Ausweisung einer Windeignungsfläche durch die Regionale Planungsgemeinschaft Havelland-Fläming hatten die Bürger die Ausschreibung für einen Windpark selbst in die Hand genommen und einen Arbeitskreis mit 15 Dorfbewohnern gegründet. Man beauftragte die Firma Enercon mit Errichtung und Betrieb des Windparks.

Platz für 16 Windräder

Es gibt 1000 Euro jährlich pro verpachtetem Hektar, insgesamt wurden 320 Hektar Windeignungsfläche benötigt. Die Besitzer, auf deren Grund und Boden Windmühlen stehen, bekommen etwas mehr Geld. 16 Windräder sind im Einsatz. Es wird 60 Mal mehr Strom produziert, als die knapp 1000 Einwohner verbrauchen können. Nach zehn Jahren sollen sich die Investitionen von rund 62 Millionen Euro amortisiert haben.

"Wir haben so gut wie keine Spannungen im Ort", sagt Ortsvorsteher Marcel Just. Jedes der 2,3 Megawatt starken Windräder bringt etwa eine halbe Million Euro pro Jahr durch die Stromproduktion ein. Neben der gerechten Verteilung der Pachteinnahmen wurde auch die Idee einer Bürgerstiftung geboren. 50.000 Euro sollen jährlich Vereinen und sozialen Projekten zufließen und so die Dorfgemeinschaft stärken.

Neue Jobs in strukturschwachen Regionen

In Deutschland haben sich einer Erhebung des Netzwerks Dezentrale Energien zufolge 118 Regionen mit 17,8 Millionen Einwohnern das Ziel einer vollständigen Versorgung aus Ökoenergien gesetzt - der Osten gilt vielen als ein Vorreiter. Im sachsen-anhaltinischen Dardesheim erzählt Bürgermeister Rolf-Dieter Künne Besuchern gerne die Vorteile des eigenen Windparks und der Solaranlagen, auch weil Kommunen so neue Steuereinnahmen haben. Und junge Leute bleiben eher im Ort und es entstehen plötzlich neue Jobs in strukturschwachen Regionen.

Die kommunale Wertschöpfung durch erneuerbare Energien lag 2009 nach Berechnungen des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) bereits bei 6,8 Milliarden Euro und könnte bis 2020 auf 13,2 Milliarden Euro steigen. Im Ökoenergie-Bereich arbeiten bereits 340.000 Menschen.

Energiewende im Westen

Auch im Westen wird die Energiewende im Kleinen als Zukunftsmodell gesehen. Der CSU-Umweltpolitiker Josef Göppel kann von vielen Beispielen aus Bayern berichten. Er betont, in ländlichen Räumen lebe bei der Energiewende gerade die Genossenschaftsidee des Sozialreformers Friedrich Wilhelm Raiffeisen wieder auf. Dessen Motto lautete: "Das Geld des Dorfes dem Dorfe".

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