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Teurer Strom belastet Arme

Kaltes Wasser und Nudeln ohne alles

14.02.2013, 13:14 Uhr | dapd , dpa

Teurer Strom belastet Arme. Hartz-IV-Empfängerin Sylvia Brahm am Stromzähler vor ihrer Wohnungstür (Quelle: dpa)

Hartz-IV-Empfängerin Sylvia Brahm am Stromzähler vor ihrer Wohnungstür (Quelle: dpa)

Strompreisbremse oder Steuersenkung - die explodierenden Strompreise sorgen für immer hektischere Debatten in der Politik. Menschen mit niedrigen Einkommen können da oft nur hilflos mit den Schultern zucken: Noch mehr sparen geht einfach nicht. Das Beispiel einer Hartz-IV-Empfängerin zeigt, was die hohen Energiekosten im Budget ärmerer Menschen anrichten.

Angst vor neuer Strompreisrunde

Die Hände wäscht sie sich möglichst kalt, der Kühlschrank steht gerade mal auf Eins, und beim Duschen fasst Sylvia Brahm sich kurz. Die 45-jährige alleinerziehende Hartz-IV-Empfängerin aus dem Essener Norden führt einen Dauerkampf mit ihrem Haushaltsbudget - und dazu zählen die Stromkosten. "Wenn die Strompreise im Herbst noch mal steigen - ich kann einfach nicht noch mehr sparen", sagt sie.

Die Rechnung der Langzeitarbeitslosen ist schlicht und unterscheidet sich fundamental von der Lebenswirklichkeit vieler Politiker. 533,84 Euro bekommt Brahm von der Hartz-IV-Behörde, plus 184 Euro Kindergeld für ihren 19-jährigen Sohn, der gerade eine Kochlehre absolviert und noch mit in der gemeinsamen 60-Quadratmeter-Wohnung lebt. Von dem Geld muss alles bezahlt werden: 273 Euro Kaltmiete, Versicherungen, Essen und Trinken - und eben auch der Strom.

Alte Nachtspeicheröfen

Sylvia Brahms Wohnung hat alte Nachtspeicheröfen und im Bad - wie früher vielfach üblich - gar keine Heizung. Um im Winter nicht zu sehr zu frieren, hat sie dort ein Elektrogebläse aufgestellt - alles Energiefresser. Ihr Verbrauch liegt bei runden 4000 Kilowatt im Jahr - eigentlich der Schnitt einer vierköpfigen Familie.

Ein Billig-Stromanbieter wollte dafür nur 45 Euro Abschlag im Monat - Frau Brahm griff zu. Doch schon für das erste Halbjahr 2012 kamen hohe Nachforderungen von 276 Euro. Jetzt ist die 45-Jährige wieder bei einem großen Stromkonzern und zahlt 86 Euro Abschlag monatlich.

Energieberater der Stadt Essen und einer Diakonie-Tochter waren bei Sylvia Brahm und brachten Energiesparlampen, ein Kühlschrankthermometer und das nötige Problembewusstsein mit. Ein neuer Job fehlt ihr aber weiterhin - seit 2008. Die heute 45-Jährige hatte Asthma bekommen und fehlte lange in der Arbeit. Als es dann schlecht lief in ihrem Unternehmen, musste sie gehen.

Verbraucherzentrale NRW warnt

Für Menschen wie Sylvia Brahm könnte die Strompreis-Explosion existenziell gefährlich werden, sagt Vorstandsmitglied Klaus Müller von der Verbraucherzentrale NRW. Schon jetzt gäben Einkommensarme einen überdurchschnittlich hohen Anteil ihres Geldes für Energie aus. Im Hartz-IV-Regelsatz seien nur knapp acht Prozent für den Strom angesetzt - unrealistisch wenig. Bei den ständigen Strompreiserhöhungen wachse die Unterdeckung gefährlich an. Am Ende stehe oft die Stromsperre.

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7,8 Prozent aller Ratsuchenden bei der Caritas sorgten sich in den vergangenen zwölf Monaten um ihre Stromversorgung, fast der Hälfte von ihnen wurde der Strom tatsächlich abgedreht, sagt Reiner Sans vom Deutschen Caritasverband. Fachleute schätzen die Zahl der Stromsperren bundesweit auf 600.000 im Jahr.

Nudeln ohne alles

"Klar, manchmal überleg ich, was koch ich", sagt Brahm. "Dann ist halt mal kein Fleisch dabei, Nudeln ohne alles oder mit einem Ei drüber tun's doch auch." Hungern muss die 45-Jährige nicht. Ihr Sohn, der Kochlehrling, bringt aus seiner Großküche manchmal Essensreste mit - willkommene Entlastung für die Haushaltskasse.

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