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Studie: Kohle kurbelt Stromexport an

Studie: Kohle kurbelt Stromexport an

04.08.2013, 11:57 Uhr | t-online.de - Frank Lansky mit dpa-AFX und Reuters

Studie: Kohle kurbelt Stromexport an. Das RWE-Kohlekraftwerk Niederaußem (Quelle: dpa)

Das RWE-Kohlekraftwerk Niederaußem (Quelle: dpa)

Während die deutschen Verbraucher immer höhere Strompreise zahlen, steigt die Ausfuhr von billigem Strom ins Ausland. Die Umweltstiftung Deutsche Umwelthilfe (DUH) kritisiert den steigenden Anteil von exportiertem Kohlestrom: Laut DUH sorgt nicht der Zuwachs von Ökostrom für Ausfuhr-Rekorde, sondern der neue Boom der Kohlekraft.

Mehr billiger Strom für das Ausland

Der Kohlestrom kann laut DUH wegen des Niedergangs des europäischen Emissionshandelssystems konkurrenzlos billig angeboten werden. Nach der DUH-Untersuchung wird sich die Entwicklung im laufenden Jahr 2013 verschärfen.

Demzufolge lag der Exportsaldo 2012 schon bei 23,1 Terawattstunden, was mehr als der Jahresproduktion von vier großen Kohleblöcken entspreche. 2013 werde der Export voraussichtlich die 30 TWh-Marke deutlich übertreffen. Im ersten Halbjahr 2013 legte der Exportsaldo laut der DUH-Analyse gegenüber dem Vorjahreszeitraum noch einmal um knapp 50% zu (14,8 TWh gegenüber 10,1 TWh).

Kohle schaltet Gas-Kraftwerke aus

Die DUH kritisierte weiter, über den Export von Kohlestrom in die Nachbarländer würden flexible Gaskraftwerke aus dem Markt gedrängt, während unflexible Kohleblöcke teilweise im Jahresdauerbetrieb liefen. Gerd Rosenkranz, der Leiter Politik und Presse der DUH, erklärte, Deutschland erlebe einen neuen Kohleboom. Treiber der Entwicklung sei vor allem der Niedergang des europäischen CO2-Zertifikatehandels.

Die DUH-Analyse stützt sich laut "Spiegel Online" auf mehrere Quellen: Die Menge der Stromexporte wird vom European Network of Transmission System Operators for Electricity (entso-e) erhoben. Die Produktion der verschiedenen Kraftwerkstypen wird näherungsweise auf der Web-Seite der Strombörse EEX ausgewiesen, die meisten Kraftwerke werden hier berücksichtigt.

Must-Run-Problem bei Kohle

Zum Hintergrund: Kohlekraftwerke bleiben aufgrund des sogenannten Must-Run-Problems ungeachtet der Nachfrage angeschaltet, da sie nur schwer hochzufahren sind. Der Kohlestrom ist im Vergleich zum Ökostrom sehr günstig und füllt damit die Lücke des Atomstroms.

Das Statistische Bundesamt (Destatis) hatte Anfang Juli ebenfalls die dominierende Rolle von Kohle im deutschen Energiemix bestätigt: Gegenüber 2010 sei der Anteil an Braunkohle destatis zufolge von 2010 um 2,5 Prozentpunkte auf 23,2 Prozent 2012 gestiegen.

Nach Angaben der Statistiker fiel zugleich der Anteil von Strom aus Atomkraftwerken von 22,4 Prozent im Jahr 2010 auf 16,1 Prozent im Jahr 2012. Dagegen hat sich der Anteil an erneuerbaren Energien im selben Zeitraum von 16,4 Prozent auf 22,1 Prozent erhöht.

Schon Anfang des Jahres hatte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) mitgeteilt, trotz des Ausbaus erneuerbarer Energien habe sich der Anteil des klimaschädlichen Kohlestroms in Deutschland im Jahr 2012 erhöht. Der Braunkohleanteil am Strommix kletterte demnach von 24,6 auf 25,6 Prozent, der von Steinkohle von 18,5 auf 19,1 Prozent. Zugleich stieg aber auch der Ökostromanteil von 20,3 Prozent auf den neuen Rekordwert von 21,9 Prozent.

Der Handel mit CO2-Zertifikaten ist auch deswegen stark gesunken, weil die Industrie mehr sauberen Strom produziert. Viele Umweltschützer und die EU-Kommission fordern daher, das Angebot an CO2-Rechten zu verknappen, dagegen sperrt sich Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP).

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