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Energiewende: Enervie droht mit Blackout wegen niedrigem Strompreis

Energieversorger  

Enervie droht mit Blackout

28.09.2013, 11:21 Uhr | dpa

Energiewende: Enervie droht mit Blackout wegen niedrigem Strompreis. Kraftwerk von Enervie in Werdohl-Elverlingsen (Quelle: Enervie)

Kraftwerk von Enervie in Werdohl-Elverlingsen (Quelle: Enervie)

Die Energiewende macht den Betreibern konventioneller Kraftwerke immer stärker zu schaffen: Der westfälische Energieversorger Enervie sieht sich mit dem Rücken zur Wand - und greift zu einem drastischen Schritt. Wegen des Einbruchs der Strompreise hat das Unternehmen nur wenige Tage nach der Bundestagswahl seinen kompletten konventionellen Kraftwerkspark zur Stilllegung angemeldet.

Blackout in Südwestfalen droht

Es ist ein Schritt mit einigem Drohpotenzial. "Wenn wir unsere Kraftwerke nicht betreiben, gehen wir davon aus, dass Südwestfalen innerhalb von 24 Stunden einen Blackout erlebt", sagte Enervie-Vorstand Ivo Grünhagen am Freitag.

Enervie hält Trumpf in der Hand

Enervie ist keiner der großen Spieler auf dem Markt. Das Unternehmen, das zwölf kommunalen Gesellschaftern und RWE gehört, versorgt insgesamt 400.000 Kunden in Hagen und im Märkischen Kreis mit Strom, Gas, Wärme und Trinkwasser. Die in Frage stehenden Kohle- und Gas-Kraftwerke haben eine Kapazität von gerade einmal 1300 Megawatt. Das entspricht der Leistung eines großen Kernkraftwerks.

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Doch Enervie hat einen besonderen Trumpf in der Hand. Das Unternehmen betreibt ein sogenanntes "Inselnetz", das nur mit einer Kupplungsstelle an die großen Überlandnetze angeschlossen ist. Deren Kapazität sei nicht groß genug, um einen Totalausfall der Enervie-Kraftwerke in der Region auszugleichen, sagt Grünhagen.

Bundesnetzagentur darf Stilllegung untersagen

Trotzdem muss wohl niemand in Hagen und Umgebung damit rechnen, im Dunkeln zu sitzen. Denn die Anmeldung der Stilllegung bei der Bundesnetzagentur bedeutet nicht, dass sie auch wirklich vom Netz gehen. Die Bundesnetzagentur kann Stilllegungen untersagen, wenn die Kraftwerke systemrelevant sind. Die Betreiber bekommen dann aber eine Entschädigung dafür, dass sie die Anlagen betriebsbereit halten. Und genau darauf legt es Enervie wohl auch an.

Gaskraftwerk nur acht Monate am Netz

Enervie-Chef Grünhagen macht daraus auch gar keinen Hehl. "Dieses Jahr werden wir wahrscheinlich 30 Millionen Euro Verlust in der Erzeugung machen", sagt Grünhagen. Das hochmoderne Gaskraftwerk des Unternehmens habe wegen des großen Angebots erneuerbarer Energien gerade vier Monate am Stück stillgestanden.

Das könne sich das Unternehmen auf Dauer nicht leisten. Er betont, Enervie habe die Bundesnetzagentur schon im Vorfeld über den geplanten Schritt unterrichtet und hoffe bis Ende des Jahres mit der Aufsichtsbehörde eine Lösung zu finden. Die Bundesnetzagentur selbst gibt sich wortkarg. Sie bestätigt lediglich den Antragseingang. Man befinde sich mit allen Beteiligten in Gesprächen.

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Experten äußern Verständnis

Bei Energieexperten stößt der Schritt des Unternehmens auf ein gewisses Verständnis. "Es ist ein radikales Signal. Finanziell kann ich es verstehen", sagte Tobias Federico von der Unternehmensberatung Energy Brainpool. Mit Gaskraftwerken lasse sich heute kein Geld mehr verdienen.

Manuel Frondel vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) meint: "Enervie spekuliert wohl darauf, dass die Kraftwerke als systemrelevant eingeschätzt werden und am Ende Prämien für den Erhalt gezahlt werden." Er warnt: "Ich denke, dass das Nachahmer finden könnte. Denn nicht nur bei Enervie wird mit Gaskraftwerken kein Geld mehr verdient und auch die Steinkohlekraftwerke werden langsam unrentabel."

Netzbetreiber sieht Vorgang gelassen

Claudia Kemfert, Energieexpertin beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, sieht das ganz ähnlich. Sie rät deshalb dazu, die für systemrelevante Kraftwerke vorgesehenen Sonderregelungen nur zurückhaltend anzuwenden. Sonst werde es zu teuer für die Volkswirtschaft. Doch werde die Bundesnetzagentur den Fall sicher genau prüfen.

Der Netzbetreiber Amprion, an dessen Verteilnetz Enervie angeschlossen ist, sieht den Fall dagegen gelassen. Die Kraftwerke des westfälischen Versorgers hätten vielleicht für die Region große Bedeutung, für die Netzstabilität des überregionalen Amprion-Netzes seien sie aber nicht relevant. Mit anderen Worten: Den gefürchteten großen Blackout wird es wegen Enervie nicht geben.

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