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Angela Merkel gehen die Kraftwerke aus: 26 Anlagen vor Einmottung

26 Anlagen vor Einmottung  

Der Kanzlerin drohen die Kraftwerke auszugehen

08.10.2013, 18:18 Uhr | dpa, t-online.de, dpa-AFX

Angela Merkel gehen die Kraftwerke aus: 26 Anlagen vor Einmottung. Auch die Zukunft des Trianel-Kraftwerks in Lünen ist ungewiss (Quelle: dpa, Marius Becker)

Auch die Zukunft des Trianel-Kraftwerks in Lünen ist ungewiss (Quelle: dpa, Marius Becker)

Angesichts des Booms bei der Produktion von Ökostrom erwägen Deutschlands Energieriesen immer öfter, Kraftwerke abzuschalten. Der Bundesnetzagentur flattern in der Folge Monat für Monat neue Stilllegungsanträge ins Haus. Inzwischen sollen 26 Kraftwerksblöcke (Kohle und Gas) mit einer Leistung von 6735 Megawatt in Deutschland eingemottet werden, weil sich ihr Betrieb nicht mehr rechnet. Auch die Politik hat diese beunruhigende Entwicklung auf dem Energiemarkt auf der Agenda: Gehen Kanzlerin Angela Merkel die Kraftwerke aus?

Schrittweiser Atomausstieg verschärft Lage

Die derzeit zur Disposition stehende Leistung der Kraftwerke, die nach dem Willen ihrer Betreiber stillgelegt werden sollen, entspricht immerhin der von fünf großen Atomkraftwerken. Was jetzt noch kein größeres Problem darstellt, droht sich heftig zu verschärfen, wenn bis 2022 schrittweise die letzten neun Atommeiler vom Netz gehen.

Laut Bundesnetzagentur entfallen bei den Stilllegungsanträgen 1705 Megawatt Leistung auf Anlagen in Süddeutschland. Hier werden wegen der Abschaltung dreier Atomkraftwerke aber praktisch alle anderen konventionellen Kraftwerke gebraucht. Viele Betreiber klagen über die Konkurrenz durch immer mehr Ökostrom, der die Verkaufspreise stark drücke - und gerade die teureren Gaskraftwerke unrentabel mache.

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Nur eine Drohgebärde?

Die Frage sei, ob die Stilllegungsanträge lediglich als Drohgebärde der Betreiber zu werten sind oder nicht, sagte Niklas Schinerl, Energieexperte von Greenpeace, im Gespräch mit t-online.de. Für Unruhe sorgt etwa ein Bericht der "Süddeutschen Zeitung", wonach RWE, der größte Produzent von Braunkohlestrom, angeblich das vorzeitige Ende des Tagebaus Garzweiler II bis 2018 statt erst im Jahr 2045 prüft.

Nach bisherigen Planungen soll dort Kohle auf einer Fläche von rund 6500 Fußballfeldern abgebaut werden. RWE-Chef Peter Terium will jedoch von einem vorzeitigen Ende nichts wissen. "RWE hält an seinen bisherigen Planungen zur Fortführung des Tagebaus Garzweiler II unverändert fest", sagte Tertium. Aber zugleich betont das Essener Unternehmen, man setze auf Gesetzesänderungen, die auch der konventionellen Stromerzeugung eine Perspektive böten.

Neue Geschäftsmodell für Betreiber

Die wachsende Bedeutung der erneuerbaren Energien auf dem deutschen Energiemarkt im Zuge der Energiewende bringt Schinerl zufolge ein neues Geschäftsmodell hervor. Weil es bei der Energieerzeugung mit Wind und Sonne besonders im Süden und Südwesten der Bundesrepublik noch zu Engpässen kommen kann, müssen Gas- und Kohlekraftwerke die Versorgung ergänzen.

Betreiber, die dazu die Leistung von Kraftwerken zur Verfügung stellen, die stillgelegt werden sollten, wollten das natürlich bezahlt haben, erklärte der Greenpeace-Mann. Nach einer Idee bekommen etwa Kraftwerksbetreiber künftig Zusatzgelder dafür, dass sie rund um die Uhr eine gesicherte Stromleistung garantieren - als Absicherung sozusagen für Versorger, wenn der Wind nicht weht. Wie sich die Zusatzprämien im Strompreis widerspiegeln, ist ungewiss.

Problem im Fokus der Politik

Doch wenn es in Berlin zur Bildung einer schwarz-grünen Koalition kommen sollte, brächen für RWE wohl schwere Zeiten an - die Grünen wollen einen kompletten Kohleausstieg bis 2030. Die SPD hingegen gilt als kohlefreundlicher. Händeringend wartet die Branche auf politische Signale, wie immer mehr Ökostrom und weiter notwendige Kraftwerke sich so ergänzen können, dass die Versorgung sicher bleibt und sich die Geschäfte zugleich noch lohnen.

Für Kanzlerin Angela Merkel (CDU) dürfte die Kraftwerksfrage nach einer Koalitionsbildung eine der ersten großen Reformbaustellen werden. Drei Beispiele: Im Juni eröffnet der norwegische Statkraft-Konzern in Hürth ein 350 Millionen Euro teures Gaskraftwerk, fährt es aber nicht an.

Anlagen machen Millionen Miese

Im Juli teilt der größte Stadtwerkeverbund Trianel mit, dass das 750-Megawatt-Steinkohlekraftwerk im westfälischen Lünen im ersten Betriebsjahr 100 Millionen Euro Miese erwirtschaften werde. Und der Versorger Enervie aus Hagen meldete Ende September seinen gesamten Kraftwerkspark mit 1300 Megawatt zur Stilllegung an.

Union und FDP reagierten auf die Misere mit dem "Wintergesetz". Damit kann die Abschaltung "systemrelevanter" Kraftwerke von der Bundesnetzagentur untersagt werden. Daraus wurde im Juni eine Reservekraftwerksverordnung, die bis Ende 2017 befristet wurde.

Neues Gesetz kann teuer für Verbraucher werden

Das Gesetz kann die Strompreise treiben, wenn Anlagen stillgelegt werden sollen, dies aber gerade in Süddeutschland wegen des Wegfalls von drei Atommeilern untersagt wird. Bleiben die Anlagen im Stand-by-Modus, müssen Erhaltungsausgaben, etwa für einen Korrosionsschutz, Brennstoffkosten sowie Personalkosten entschädigt werden. Sie werden auf die Netzentgelte umgelegt, die Teil des Strompreises sind.

Eine Dauerlösung dürfte das nicht sein - sonst müssen die Bürger nicht nur Milliarden für Wind- und Solarenergie mitbezahlen, sondern auch für unrentable Stand-by-Kraftwerke. Und Investitionen bleiben aus. Gerade hoch flexible Gaskraftwerke werden gebraucht, um auf die stark schwankende Ökostromproduktion zu reagieren.

Sie stoßen zudem weit weniger CO2 aus als Kohlekraftwerke. Patrick Graichen von der Denkfabrik Agora Energiewende erwartet ohne Gegensteuern bis zum endgültigen Atomausstieg 2022 eine Deckungslücke an sicherer, immer abrufbarer Leistung von 5000 bis 15.000 Megawatt in Deutschland.

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