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Energiewende: Ausbau des Stromnetzes kommt keinen Kilometer voran

Energiewende 2013  

Ausbau des Stromnetzes kommt keinen Kilometer voran

08.12.2013, 09:47 Uhr | Spiegel Online

Energiewende: Ausbau des Stromnetzes kommt keinen Kilometer voran. Dass die Energiewende jede Menge Masten und Kabel mit sich bringt, gefällt vielen Bürgern überhaupt nicht (Quelle: dpa)

Dass die Energiewende jede Menge Masten und Kabel mit sich bringt, gefällt vielen Bürgern überhaupt nicht (Quelle: dpa)

Die Bundesnetzagentur zieht eine bittere Bilanz: Der Bau wichtiger Stromleitungen stagniert 2013 komplett, heißt es in einem noch unveröffentlichten Bericht der Behörde. Dabei sind die neuen Verbindungen für die Energiewende unverzichtbar.

Der stockende Ausbau des deutschen Stromnetzes gefährdet die Energiewende. Von den 1855 Kilometern an neuen Trassen, die laut Bundesregierung rasch gebaut werden müssen, wird im laufenden Jahr kein einziger neuer Kilometer realisiert. Das geht aus dem neuen Monitoring-Bericht der Bundesnetzagentur hervor, der SPIEGEL ONLINE vorliegt.

Gerade mal 14,5 Prozent der Leitungen gebaut

Der Ausbau der Netze ist nötig, um mehr Strom vom windreichen Norden in die Industriestädte im Süden zu transportieren, die besonders viel Elektrizität verbrauchen. Insgesamt 23 neue Leitungen hält die Bundesregierung für unverzichtbar, damit der Atomausstieg und die Umstellung auf eine stärkere Versorgung durch erneuerbare Energien gelingen kann. Bislang sind erst 268 Kilometer besagter Trassen im Höchstspannungs-Übertragungsnetz gebaut worden, damit sind gerade 14,5 Prozent des prioritären Netzausbaus geschafft.

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"Ursprüngliches Ziel war es, einen Großteil der Vorhaben bis zum Jahr 2015 zu verwirklichen", schreibt Deutschlands oberste Regulierungsbehörde für das Stromnetz. "Bei realistischen Schätzungen ist jedoch davon auszugehen, dass bis 2016 nur etwa 50 Prozent erreicht werden."

Zeitplan der Energiewende mächtig unter Druck

Den Leitungsbauern läuft damit die Zeit davon. Ende 2015 soll das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld vom Netz. Es liegt südlich von Schweinfurt und produziert jährlich mehr als zehn Milliarden Kilowattstunden Strom - genug, um fast 2,9 Millionen Durchschnittshaushalte ein Jahr lang zu versorgen. Der Strom wird in den umliegenden Industriestandorten dringend gebraucht. Er muss ab 2016 aus anderen Regionen geliefert werden; doch ohne Netzausbau wird es eng in den Leitungen.

Zentral ist der Bau eines insgesamt 210 Kilometer langen Höchstspannungskabels zwischen Bad Lauchstädt (Sachsen-Anhalt) und Redwitz (Bayern). Wird dieses nicht pünktlich fertig, müsste die Stromreserve im Ausland von aktuell rund 2,5 Gigawatt auf 4,8 Gigawatt aufgestockt werden, sagte Jochen Homann, Chef der Bundesnetzagentur, am Samstag der Nachrichtenagentur dpa.

Halbherzige Bürgerbeteiligung

Der stockende Ausbau des Stromnetzes behindert auch den Umbau des deutschen Kraftwerkparks. Die großen Versorger haben bei der Bundesnetzagentur inzwischen 30 Kraftwerke zur Stilllegung angemeldet, heißt es im Monitoring-Bericht. Die Unternehmen wollen die teils sehr alten Meiler schließen, weil sie sich nicht mehr wirtschaftlich betreiben lassen. Doch in Süddeutschland wurde den Versorgern bislang die Stilllegung von fünf dieser Kraftwerke verboten. Erst wenn die neuen Leitungen fertig sind, dürfen sie sie abreißen.

Homann gibt sich zuversichtlich, dass der Netzausbau schnell genug vorangeht. 2014 dürfte es deutliche Fortschritte geben, sagte er der dpa. Andere Beobachter sind skeptisch. "Das bisherige Management für den Netzausbau ist unbefriedigend", sagt Udo Sieverding, Bereichsleiter Energie bei der Verbraucherzentrale NRW, SPIEGEL ONLINE.

Die Bürger wehren sich gegen neue Leitungen

Der Bau neuer Leitungen scheitert regelmäßig am Widerstand der Anwohner. Dutzende Bürgerbewegungen protestieren gegen die neuen Strippen, torpedieren Genehmigungsverfahren und Bauprojekte. Die Regierung will den Protest abmildern, indem sie die Bürger am Leitungsbau beteiligt. Doch entsprechende Initiativen stoßen bislang auf wenig Interesse.

"Die Finanzprodukte sind zu kompliziert, zu intransparent und zu riskant", moniert Sieverding. "Das sind Feigenblatt-Produkte. Wir haben den Eindruck, dass die Netzbetreiber kein ernsthaftes Interesse an Bürgerbeteiligungsmodellen haben. Vermutlich weil die institutionellen Geldgeber angesichts der üppigen Renditen Schlange stehen."

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