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Fracking: Stehen wir vor einer weltweiten Energierevolution?

Gastkolumne  

Stehen wir vor einer weltweiten Energierevolution?

27.01.2014, 14:26 Uhr | von Arnim Kogge für t-online.de

Die Internationale Energieagentur (IEA) hat in ihrem neuesten Report eine "weltweite Energierevolution" gefordert. Demnach steigt der Energiebedarf bis zum Jahr 2030 um 45 Prozent an. Bedeutet dies auch gleichzeitig einen höheren Ölbedarf? Weltweit betrachtet ja. Von 85 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2013 liegt die Prognose für das Jahr 2030 bei 108 Millionen Barrel pro Tag. Es wird aber eine wesentliche Verschiebung des Ölbedarfs geben. In der westlichen Welt wird der Bedarf zurückgehen, während er im östlichen Teil, insbesondere in Indien und China, stark ansteigen wird.

Welt-Primärenergie-Bedarf nach Energietypen in MTOE  (Megatonnen Öleinheiten, 1 Megatonne = 1 Million Tonnen)  (Quelle: BP)Welt-Primärenergie-Bedarf nach Energietypen in MTOE (Quelle: BP)

Nach der Ölkrise 1973 wollte sich insbesondere der Westen aus der Umklammerung der OPEC-Staaten befreien. Zuerst wurde die Nordsee angezapft, dann der Golf von Mexiko, gefolgt von Alaska. Seit 2000 haben nun die USA sich einer neuen Methode zur Gewinnung von Öl und Schiefergas zugewandt.

Fracking ist eine Methode zur Erdgas- und Ölförderung, bei der in Tiefenbohrungen eine Flüssigkeit eingepresst wird. Die Durchlässigkeit der Gesteinsschicht wird dadurch erhöht und Öl und Gas können mit großer Wirtschaftlichkeit gefördert werden. Durch diese Fördermaßnahmen werden die USA voraussichtlich bereits 2015 zum größten Ölproduzenten der Welt aufsteigen.

Aktienkurse profitieren von Fracking-Boom

Profiteure von Fracking sind unter anderem die folgenden Unternehmen: Emerge Energy Services. Ein Unternehmen, das sich auf den Sand spezialisiert hat, der vor dem Fracking speziell aufbereitet werden muss. Phillips 66 (neuester Kauf von Warren Buffett) hat Spezial-Chemikalien, die die Fließgeschwindigkeit von Öl in den Pipelines erhöht.

Die Eisenbahngesellschaft Union Pacific transportiert die Unmengen von Material, die benötigt werden, und betreibt mit seinem Schienennetz genau die entsprechenden Gebiete im Nordwesten der USA. Schoeller-Bleckmann aus Österreich liefert das Ausrüstungsmaterial wie die Bohrstangen und Motoren. Alle vier Unternehmen haben bereits gewaltige Kurssteigerungen hinter sich.

Es gibt allerdings auch inzwischen Zertifikate, die 20 bis 25 Unternehmen abdecken, die sich im Fracking-Bereich tummeln.

Wirtschaftlich nicht umstritten

Wirtschaftlich ist diese Methode unumstritten, auch wenn sich keiner über das Jahr 2020 in der Prognose hinauswagt. Auch die deutsche BASF und ihr Chef Kurt Beck machen sich stark für diese Fördertechnik in Deutschland. Dies ist erklärlich, da BASF selbst auf günstiges Erdgas angewiesen ist und seine neue Ammoniakanlage aufgrund des günstigen Gaspreises in den USA bauen wird.

In Deutschland locken Gasvorräte für zehn Jahre. Da nur 14 Prozent des verbrauchten Gases aus dem eigenen Land stammen, wäre hier ein enormer Wettbewerbsvorteil möglich. Bisher wurde Fracking in Deutschland nur in einem sehr geringen Umfang angewandt. Nach Bekanntwerden von Risiken für Natur und Umwelt sind die Bohrungen gestoppt worden.

Immobilien verlieren an Wert

Die Risiken sind auch in den USA inzwischen klar erkennbar. Zum einen bei den Hausbesitzern. Die Schäden durch Risse und Absenkungen von Wänden sind beträchtlich. Hinzu kommt der große Wertverlust der Immobilie.

Zum anderen hat sich nun aber auch ein Trinkwasserproblem ergeben. In immer mehr Gewässern wurde ein hoher Anteil von Säuren und Metallen gefunden, die auch zu einem Massensterben bei den Fischen geführt haben. In Deutschland haben sich inzwischen 700 Unternehmen der Wasser- und Getränkeindustrie (wie Gelsenwasser und der deutsche Brauer-Bund) zusammengeschlossen, um ein Verbot von Fracking zu fordern. Der Landschaftsschutz schlägt ebenfalls Alarm.

Bedeutet dies gleich wieder das Ende von Fracking? Sicher nicht. Die USA werden weiter aufrüsten, um ihre Energieunabhängigkeit zu erreichen. Länder mit weniger Bevölkerungsdichte werden versuchen, diese Methode anzuwenden, um wirtschaftliche Freiheit im Energiebereich zu erhalten.

In Deutschland setzt sich Energiewende fort

Auch in Europa wird diese Fördertechnik voranschreiten. Voraussichtlich aber nicht in Deutschland. Hier gilt es unsere Energiewende fortzusetzen. Allerdings ohne politische Polemik auf beiden Seiten der neuen Regierungskoalition. Da unsere Energiekosten, insbesondere in den Branchen Chemie, Eisen, Stahl, Papier und Glas, stark steigen werden, sind Alternativen natürlich gefragt. Mit der Kohle-Industrie sollte nicht so viel geliebäugelt werden. Der Ausstoß an Schadstoffen ist erheblich.

Was bleibt? Erneuerbare Energien? Sicherlich ein Weg, der sogar ohne Subventionen funktionieren könnte, wenn die Pläne zum Anschluss an die Wasserkraftwerke Skandinaviens gelingen sollten. Spannend wird in Baden-Württemberg werden, ob das ehrgeizige Regierungsprogramm bezogen auf die Windkraft durchgeführt werden kann. Für Investoren in erneuerbare Energien konnte bei den Aktiengesellschaften bisher nur die dänische Vestas (allerdings auch hier Rekordkursniveau) überzeugen.

Die IEA hat natürlich Recht mit ihrer Forderung nach einer "weltweiten Energierevolution", aber wie diese durchzuführen ist und mit welcher Energie, dazu schweigt auch sie.

Arnim Kogge, Geschäftsführer der Vertiva Family Office GmbH  (Quelle: Vertiva Family Office GmbH )Arnim Kogge, Geschäftsführer der Vertiva Family Office GmbH (Quelle: Vertiva Family Office GmbH )

Der Autor, Arnim Kogge, ist geschäftsführender Gesellschafter der Vertiva Family Office GmbH in Stuttgart. Zuvor war er für zahlreiche große Kreditinstitute und Privatbanken in leitender Funktion tätig - unter anderem als Leiter des Private Bankings für die Privatbank Ellwanger & Geiger.

-- Die Meinung von Gastautoren ist unabhängig von der Meinung der Redaktion von t-online.de. --

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