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Höhere Strompreise treffen vor allem private Haushalte

Strompreis-Dilemma  

Privathaushalte zahlen mehr, Industrie spart

11.09.2014, 16:22 Uhr | dpa, AFP

Höhere Strompreise treffen vor allem private Haushalte. In den vergangenen sechs Jahren ist der Strompreis für private Haushalte deutlich gestiegen (Quelle: dpa)

In den vergangenen war der Strompreis für private Haushalte deutlich gestiegen (Quelle: dpa)

Für Haushalte erhöhten sich die Stromkosten zwischen Juli 2008 und Juni 2014 um 38 Prozent. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf Fragen der Grünen-Fraktion hervor. Für die Industrie stiegen die Preise lediglich um rund 14 Prozent, energieintensive Betriebe konnten ihre Stromkosten sogar um ein Prozent senken.

Im Sommer 2008 mussten Haushalte im Durchschnitt 21,4 Cent pro Kilowattstunde (kWh) zahlen, im Juni dieses Jahres waren es 29,4 Cent pro kWh, wie das Bundeswirtschaftsministerium auf Grundlage von Zahlen des Statistischen Bundesamtes errechnete. Die Strompreise für die Industrie lagen laut dem Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) 2008 im Schnitt bei 13,3 Cent/kWh und 2014 (Stand Mai) bei 15,4 Cent/kWh.

In den alten Ländern zahlte ein Haushalt bei einem Verbrauch von 4000 kWh im Jahr 2008 im Schnitt 841 Euro, heute sind es dem Portal Verivox zufolge 1132 Euro. In den fünf ostdeutschen Ländern muss noch etwas mehr bezahlt werden: Vor sechs Jahren waren es 897 Euro, heute sind es 1172 Euro. Am günstigsten ist Strom demnach mit 1105 Euro im Jahr derzeit in Bremen, gefolgt von Niedersachsen (1113 Euro) und Nordrhein-Westfalen (1123 Euro). Am teuersten ist Strom in Brandenburg (1189 Euro).

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Preise für Industrie mit schwächerem Anstieg

Die Einkaufspreise, die Stadtwerke und andere Stromanbieter zahlen mussten, gingen im Vergleichszeitraum nach Regierungsangaben jedoch um rund 46 Prozent zurück. Die privaten Haushalte seien somit die Hauptleidtragenden der Preissteigerung, kritisierten die Grünen. Sie müssten einerseits die volle Ökostrom-Umlage bezahlen, hätten aber kaum etwas vom niedrigen Preis an der Strombörse, weil die Versorger die Preissenkungen nur zum Teil weiterreichten.

Die Industrie profitiere hingegen davon, dass sie nur zum Teil zur Förderung der Erneuerbaren Energien herangezogen werde, und davon, dass der Börsenpreis für Strom sich seit 2008 nahezu halbiert habe. Das Gewerbe schließlich könne sich zwar über die gesunkenen Börsenpreise freuen, müsse aber die volle EEG-Umlage zahlen, weswegen der durchschnittliche Preis hier um rund 14 Prozent gestiegen sei.

"Die Großhandelspreise sind seit 2008 um rund fünf Cent die Kilowattstunde gefallen. Gleichzeitig ist die EEG-Umlage um fünf Cent gestiegen", erklärte die Vorsitzende des Bundestagsumweltausschusses, Bärbel Höhn (Grüne). Leider sei bei den privaten Haushalten aber nur der preissteigernde Faktor angekommen. "Hier kann man den Verbrauchern nur raten, stärker die Preise der unterschiedlichen Anbieter zu vergleichen", empfahl die Grünen-Politikerin.

Energieintensive Firmen profitieren

Doch warum zahlt die energieintensive Industrie noch deutlich weniger? Zum einen profitiert sie direkt von den um fast 50 Prozent gesunkenen Einkaufspreisen für Strom. Sie erhält zudem umfassende Rabatte und zahlt zum Beispiel ab 100.000 Megawattstunden Jahresverbrauch nur 0,05 Cent Ökostrom-Umlage.

2013 lag der Preis für Aluminiumhütten und Stahlwerke bei etwas über 10 Cent pro Kilowattstunde. Im Zuge der Ökostrom-Reform wurde vereinbart, dass 1700 Firmen weiter Rabatte bekommen. Insgesamt soll das Volumen weiter bei rund fünf Milliarden Euro liegen. Dies belastet die Ökostrom-Umlage, denn die Gesamtkosten verteilen sich dadurch auf weniger Schultern. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel verteidigt das so: Soll man für 40 Euro Entlastung pro Haushalt im Jahr Hunderttausende Arbeitsplätze in Gefahr bringen?

Institut rechnet mit Preisrückgang von drei Prozent

Am Dienstag hatte das "Manager Magazin" berichtet, dass die Strompreise möglicherweise im kommenden Jahr erstmals seit Beginn der Energiewende sinken könnten. Unter Berufung auf Energieexperten hieß es, die Verbraucher könnten 2015 von den stark gesunkenen Börsenpreisen für Elektrizität profitieren. Das Berliner Öko-Institut rechnet demnach mit einem Strompreisrückgang von drei Prozent.

Überschuss auf Ökostrom-Konto

Ende vergangener Woche war bereits bekannt geworden, dass die Ökostrom-Umlage im nächsten Jahr erstmals sinken könnte. Die Umlage nach dem Erneuerbare Energien-Gesetz (EEG) wird seit dem Jahr 2000 zur Förderung von Ökostrom-Anlagen erhoben und stieg seit Einführung von 0,19 Cent je Kilowattstunde auf mittlerweile 6,24 Cent. Ende August wies das Ökostrom-Konto der vier Übertragungsnetzbetreiber jedoch einen Überschuss von 1,506 Milliarden Euro aus. Im August 2013 hatte dort noch ein Defizit von 2,288 Milliarden Euro gestanden.

Nach Berechnungen des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) könnte die Umlage 2015 um 0,24 Cent auf 6,0 Cent sinken. Die genaue Höhe der EEG-Umlage wird jedes Jahr Mitte Oktober festgelegt.

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