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Prokon-Gründer Rodbertus wirbt für undurchsichtige Geldanlage

Verbraucherschützer entsetzt  

Prokon-Gründer wirbt für undurchsichtige Geldanlage

25.09.2014, 14:18 Uhr | Florian Dieckmann, Spiegel Online

Prokon-Gründer Rodbertus wirbt für undurchsichtige Geldanlage. Carsten Rodbertus bei der Gläubigerversammlung von Prokon im Juli 2014 (Quelle: dpa)

Carsten Rodbertus bei der Gläubigerversammlung von Prokon im Juli 2014 (Quelle: dpa)

75.000 Anleger haben bei der Prokon-Pleite viel Geld verloren. Jetzt berät Firmengründer Rodbertus ein Unternehmen, das neue Millionensummen bei Privatleuten einwerben will. Verbraucherschützer sind entsetzt.

Wer am 22. Juli die Gläubigerversammlung von Prokon miterlebt hat, wird sie so schnell nicht vergessen. Stundenlang sezierte der Insolvenzverwalter die hanebüchenen Zustände, die er bei der Itzehoer Windenergiefirma vorfand: Chaos in der Buchhaltung, weder Budgetplanung noch Controlling, nicht testierbare Jahresabschlüsse, ein Firmenflugzeug, das überwiegend zum Fallschirmspringen eingesetzt wurde. Vor allem aber wurden die Zinsen für bestehende Anleger durch das Geld der neuen Anleger bezahlt - so funktionieren Schneeballsysteme.

Herbe Verluste statt satte Zinsen

Die meisten der etwa 7000 anwesenden Gläubiger lauschten damals zunehmend entgeistert. Insgesamt gut 1,5 Milliarden Euro hatten rund 75.000 oft betagte Anleger in Prokon-Genussrechte gesteckt, dem Unternehmen also Kredit gewährt. Bis zu acht Prozent Zinsen waren ihnen versprochen worden. Nun werden sie wohl 40 bis 70 Prozent ihres Investments verlieren.

Folgerichtig kassierte Firmengründer Carsten Rodbertus eine krachende Abstimmungsniederlage. Doch sein Charisma wirkte noch immer: Lang hielt der Applaus für seine mit Verschwörungsvorwürfen gespickte Verteidigungsrede an, 17.000 Anleger scharten ihre Stimmrechte hinter ihm.

An Fans wie diese wendet sich Rodbertus auf seiner Website nun erneut, genauer an Interessenten, "die dem herkömmlichen Finanzsystem nicht mehr vertrauen": Er berate eine neue Gesellschaft, die zum "Beispiel für direkte bürgernahe Finanzierungen für Unternehmen" werden soll.

Namenswahl wohl kein Zufall

Konkret soll das heißen: Wie bei der insolventen Prokon sollen Privatleute ihr Geld an ein Unternehmen verleihen. Und wieder müssten sie sich im Fall einer Pleite in der Schlange der Gläubiger ganz hinten anstellen. Schon der Name der neuen Gesellschaft ist offenbar mit Bedacht gewählt: "PmK - Projekte mit Konzept für eine lebenswerte Zukunft GmbH" heißt die Firma mit Sitz in Magdeburg. Es dürfte kein Zufall sein, dass sie sich auch prima mit "ProKon" abkürzen ließe.

Ein paar kleine, aber feine Unterschiede gibt es dann doch: Anders als bei Prokon können Anleger bei der PmK keine Genussrechte kaufen. Stattdessen sollen sie der Gesellschaft sogenannte Nachrangdarlehen gewähren. Im Gegenzug sollen sie eine Rendite von lediglich drei bis fünf Prozent erhalten. Bis zu 250 Millionen Euro will die PmK laut Zeichnungsunterlagen insgesamt einsammeln.

Wie Prokon soll die PmK nicht einfach nur Geld verdienen, sondern auch die Welt zu einem besseren Ort machen. Diesmal geht es um die Rettung des deutschen Mittelstands, genauer jener kleinen und mittelständischen Betriebe, die "nachhaltige, gemeinnützige, soziale oder kulturelle" Dinge herstellen oder tun. In die will die PmK investieren.

Denn gerade der Mittelstand, so die PmK, leide unter "der restriktiven Geschäftspolitik der Banken", durch die "die Versorgung mit Kapital ein wesentliches Hemmnis für die Entwicklung dieser Betriebe" sei. Rodbertus selbst raunt sogar davon, dass ertragreiche Unternehmen durch den "Entzug von Liquidität in die Insolvenz gezwungen werden".

Experte zweifelt an Argumenten von PmK

Es klingt wie das bekannte und mittlerweile als haltlos entlarvte Prokon-Versprechen: Geld gewinnbringend anlegen, gleichzeitig den ökologisch-sozialen Wandel antreiben und zudem den Banken eins auswischen.

Doch von einer restriktiven Geschäftspolitik der Banken könne gar keine Rede sein, sagt Dirk Schiereck von der TU Darmstadt: "Die Aussage, es gebe in Deutschland allgemein eine Kreditklemme - oder auch nur eine erhöhte Kredithürde - für mittelständische und kleine Betriebe, ist schlicht falsch." Schließlich flute die Zentralbank die Banken mit Geld, diese hätten also ein großes Interesse, gewinnbringend Kredite zu vergeben.

"Wir raten Kleinanlegern grundsätzlich ab"

Rodbertus legt im Übrigen Wert darauf, weder Gesellschafter noch Geschäftsführer der PmK zu sein. Erst vor wenigen Tagen hat er die Prokon-Anleger laut "Wirtschaftswoche" darüber informiert, dass ihm die Privatinsolvenz droht. PmK selbst sah sich außerstande, "Spiegel Online" derzeit Fragen nach der konkreten Rolle von Rodbertus, nach Investitionsobjekten und Risikobedenken zu beantworten.

Verbraucherschützer sind entsetzt. "Diese sogenannten qualifizierten Nachrangdarlehen sind bislang gesetzlich völlig unreguliert", sagt Renate Daum von der Stiftung Warentest. Kapitalmarktexpertin Ulrike Brendel von der Verbraucherzentrale Bremen sagt: "Von einer derartigen Anlage raten wir Kleinanlegern grundsätzlich ab."

Die Anleger müssten bangen, ob sie ihr Geld pünktlich bekommen, sobald die Gesellschaft in eine Krise gerate, erläutert Daum. So könne die Gesellschaft Zins- und Rückzahlung aussetzen, wenn anderenfalls die Insolvenz drohe. Sollte es dennoch zu einer Pleite kommen, sehe es noch schlechter aus: Dann müssten erst alle vorrangigen Gläubiger bedient werden - etwa Lieferanten oder Mitarbeiter. "Die Nachrangigen bekommen in der Regel nichts mehr", sagt Daum.

Dubioses Firmengeflecht

Was bereits bei namhaften Unternehmen ein Risiko ist, gilt im Fall PmK umso mehr. Erst am 2. September wurde die Firma in das Handelsregister Stendal eingetragen. Sie sei die "Tochtergesellschaft eines Unternehmens, das sich dem Erhalt von regional bedeutenden und ertragreichen mittelständischen Unternehmen verschrieben hat", schreibt Rodbertus auf seiner Website.

Diese Beschreibung ist erstaunlich. Laut Handelsregisterauszug ist die PmK eine Tochter der "MIU Mitteldeutsche Industrie Union GmbH" in Magdeburg, die allerdings bis zum April dieses Jahres noch "Argyla Capital GmbH" hieß und in Berlin saß. Die MIU gehört wiederum inzwischen vollständig der "Bestpractice Real Estate GmbH". Deren Gegenstand sind Immobilienprojekte - sowie "der Handel mit neuen und gebrauchten Wasserfahrzeugen für den Freizeitbereich".

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