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Die Energiewende ist besser als ihr Ruf

Die Energiewende ist besser als ihr Ruf  

Die Lichtblicke 2014

07.01.2015, 09:45 Uhr | dpa, t-online.de

Die Energiewende ist besser als ihr Ruf. Blühender Raps vor dem RWE-Kohlekraftwerk Niederaussem: Die Energiewende hinterlässt ihre Spuren (Quelle: dpa)

Blühender Raps vor dem RWE-Kohlekraftwerk Niederaussem: Die Energiewende hinterlässt ihre Spuren (Quelle: dpa)

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Rekordtag: Wer weiß schon noch, was er am 11. Mai gemacht hat, einem Sonntag. Für die Energiewende war es ein ganz besonderes Datum. Mit 48 Gigawatt gab es um 13 Uhr eine so hohe Wind-, Solar-, Wasser- und Biomasse-Stromproduktion wie an keinem anderen Tag. Es ist äußerst selten, dass es sowohl viel Wind als auch strahlenden Sonnenschein gibt. Satte 80 Prozent des Verbrauchs konnten nur mit Ökostrom gedeckt werden. Aber: Das führte wegen parallel laufender Kraftwerke zu negativen Strompreisen: Abnehmer des Stroms bekamen Geld dazu. An 64 Stunden gab es 2014 negative Preise, 37 Millionen Euro mussten auf die Strompreise umgelegt werden.

Negativtag: Das Gegenteil war der 12. November, kaum Wind und Sonne, bei hohem Verbrauch. Einem Bedarf von 82,7 Gigawatt standen um 17 Uhr gerade mal 8,6 Gigawatt Ökoenergie gegenüber, sie deckte also nur zehn Prozent des Bedarfs. Das ist das Wesen der Energiewende - starke Schwankungen. Ohne einen Durchbruch bei der Speicherung von Ökostrom braucht es weitere Hunderte Kraftwerke, die notfalls einspringen. Damit die sich noch rechnen, bastelt Energieminister Sigmar Gabriel (SPD) an einer weiteren Reform.

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Neue Rangfolge: Nach Angaben von Agora und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) haben erneuerbare Energien erstmals sowohl bei der Erzeugung als auch beim Verbrauch Platz eins übernommen: Braunkohle - 2013 gab es noch die höchste Produktion seit dem Ende der DDR - ist auf Platz 2 verdrängt worden. Bei der Erzeugung lag der Ökoenergie-Anteil bei 25,8 Prozent, beim Verbrauch nur in Deutschland stieg der Anteil auf 27,3 Prozent. Damit liegt man genau im Zielkorridor der Bundesregierung, bis 2025 soll der Anteil der Erneuerbaren am Stromverbrauch auf 40 bis 45 Prozent steigen.

Verlierer: Während sich die klimaschädliche Braunkohle wegen niedriger Preise für CO2-Verschmutzungsrechte weiterhin rechnet, kommen nach den Gaskraftwerken auch die Steinkohlekraftwerke zunehmend unter Druck, deren Brennstoff teurer ist als bei der heimischen Braunkohle. Die Produktion sank laut Agora seit 2013 um 7,1 Terawattstunden (TWh), bei Erdgas um 8,9 TWh. Atomstrom blieb konstant - aber im Frühjahr gehen wegen der Stilllegung des bayerischen Kernkraftwerks Grafenrheinfeld weitere 1345 Megawatt vom Netz. Sie könnten durch über 2000 Megawatt an Leistung aus neuen Meeres-Windparks fast ersetzt werden. Allerdings fehlen noch Leitungen in den Süden.

Glühbirnen-Effekt: Eigentlich hatte sich die Regierung schon fast von dem Ziel verabschiedet, den Stromverbrauch bis 2020 um acht Prozent im Vergleich zu 2008 zu senken. Nun ist er trotz Wirtschaftswachstum um 3,8 Prozent gesunken - geschafft sind plötzlich 6,8 Prozent weniger als noch 2008. "Wahrscheinlich macht sich zum Beispiel bei der Beleuchtung auch das oft geschmähte Glühbirnenverbot bemerkbar, die LED-Beleuchtung setzt sich jetzt durch. Aber es sind auch gut zehn Terawattstunden durch den milden Winter eingespart worden", analysiert Agora-Direktor Graichen.

Strompreis: Es gibt zwar Preissenkungen, die Ersparnis beträgt über alle Anbieter gerechnet aber nur 0,4 Prozent oder etwa fünf Euro pro Haushalt und Jahr, wenn Verbraucher den Anbieter nicht wechseln. Aber zumindest ist der Trend nach oben vorerst gebremst. Förderkürzungen sollen die Ökostrom-Förderumlage dauerhaft im Zaum halten.

Standleitung ins Ausland: Die Überproduktion infolge auch der schwer berechenbaren Wind- und Solarstromerzeugung führte zu erheblichen Stromflüssen ins Ausland, die auch dort vor allem Gaskraftwerke ausbremsten.

Weniger Treibhausgas: Nach zwei Jahren mit einem Anstieg - auch wegen der Braun- und Steinkohlestromproduktion - geht es nun wieder in die andere Richtung. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) rechnet damit, dass die Emissionen 2014 um etwa drei Prozentpunkte gesunken sind. Damit wird wohl auch das "Energiewende-Paradox" aufgelöst: Rund 23 Milliarden Euro an Förderung für Ökoenergie im Jahr - aber dennoch steigende Kohlendioxid-Ausstöße. Um das Ziel von 40 Prozent weniger CO2 zu schaffen, soll 22 Millionen Tonnen CO2 zusätzlich bei Kohlekraftwerken eingespart werden.

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