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Geräumtes Wuppertaler Hochhaus bleibt vorerst unbewohnbar

Risiko Wärmedämmung  

"Hoffen, dass der Warnschuss ernst genommen wird"

28.06.2017, 12:57 Uhr | dpa , rok , t-online.de

Geräumtes Wuppertaler Hochhaus bleibt vorerst unbewohnbar. Wegen einer Fassadendämmung, die dem Londoner Grenfell Tower ähnele, wurde ein Haus in Wuppertal geräumt. (Quelle: dpa/Holger Battefeld)

Wegen einer Fassadendämmung, die dem Londoner Grenfell Tower ähnele, wurde ein Haus in Wuppertal geräumt. (Quelle: Holger Battefeld/dpa)

Die Mieter eines aus Brandschutzgründen geräumten Hochhauses in Wuppertal dürfen bis auf weiteres nicht mehr in ihre Wohnungen. Der Chef der Frankfurter Feuerwehr fordert besseren Brandschutz und erklärt bestimmte Dämmungen für unsicher. Welche Gefahren gehen von der Wärmedämmung an Gebäuden aus?

Nur ihre Habseligkeiten konnten die Anwohner unter Aufsicht noch aus dem Hochhaus in Wuppertal holen, das wegen seiner Fassadenverkleidung als feuergefährdet gilt und geräumt wurde. Die Brandschutzmängel seien bekannt gewesen, erklärt eine Sprecherin der Stadt. Für die Ordnungsbehörde sei es aber sehr langwierig, einen Hausbesitzer zur Beseitigung solcher Mängel zu bringen. Bei jedem Besitzerwechsel "kann man wieder bei Null anfangen", sagte sie.

Die Fassade des Hochhauses im Stadtteil Oberbarmen mit rund 70 Bewohnern sei brennbar – das betreffe den Unterbau aus Holz, die einer Holzwolle ähnelnde Dämmung wie auch die Kunststoffverkleidung. Der Brand des Grenfell-Hochhauses in London mit mindestens 79 Toten habe das Risiko derart deutlich gemacht, dass sich die Stadt zum Handeln entschlossen habe, sagte die Sprecherin. Außerdem hat die Stadt begonnen, alle 70 Hochhäuser auf ihrem Gebiet zu untersuchen.

Nach der plötzlichen Räumung am Dienstag wurde das Haus versiegelt, es wird nun von einem Sicherheitsdienst bewacht. Falls Bewohner noch Wertsachen, Kinderspielzeug oder Kleidung aus ihren Wohnungen holen wollen, sei dies kein Problem, versicherte die Stadtsprecherin. Sie würden dann von städtischen Mitarbeitern begleitet, die allerdings darauf achten müssten, dass niemand in dem Haus bleibt. Eine endgültige Rückkehr in das Hochhaus sei nur möglich, wenn die Gefahr beseitigt, die brennbare Fassade also ausgetauscht worden sei.

Feuerwehr fordert besseren Brandschutz in Deutschland

Fachleute haben unterdessen eindringlich einen besseren Brandschutz für Gebäude in Deutschland gefordert. Im Hinblick auf die Katastrophe in London, bei der mindestens 79 Menschen ums Leben kamen, fordert der Leitende Branddirektor der Frankfurter Feuerwehr, Reinhard Ries: "Wir können nur hoffen, dass der Warnschuss aus London endlich ernstgenommen wird." 

Ries zufolge behauptet ein Großteil der Fachwelt einschließlich Industrie und Politik, die Wärmedämmverbundsysteme seien sicher. Dies sei aber nicht der Fall. Die Frankfurter Feuerwehr gilt als Vorreiter für Brandschutz bei höheren Gebäuden - auch, weil in der Main-Metropole bundesweit die meisten Hochhäuser stehen.

Ähnliche Vorfälle wie in London in Frankfurt und Duisburg

Dem Frankfurter Feuerwehrchef zufolge hat eine Fassadenkonstruktion im Jahr 2012 in Frankfurt und 2016 in Duisburg zu ähnlichen Vorfällen wie in London geführt, nur mit deutlich geringerem Schaden. "Unsere konkrete Forderung lautet: Das Erdgeschoss muss so verkleidet sein, dass es nicht brennbar ausgestaltet ist und dass es nach jedem Geschoss einen Brandriegel gibt", sagte Ries. Erst vor zwei Wochen, unmittelbar vor dem Unglück in London, hätten unter anderem die Berufsfeuerwehren und der Deutsche Feuerwehrverband ein Papier erstellt, das vor Polystyrolschaum als Dämmstoff warnt.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann leitete nach eigenen Angaben erste Schritte zur Überprüfung insbesondere von Gebäudedämmungen ein. "Mir geht es hier insbesondere um die Überprüfung, ob die aus energetischen Gründen geforderte Außendämmung bei Häusern unter 22 Meter Höhe eine zusätzliche Brandgefahr auslöst und ob es bei unseren einschlägigen Vorschriften und deren Umsetzung Handlungsbedarf gibt", teilte der CSU-Politiker auf Anfrage mit.

Wärmedämmung hat sich zu einem florierenden Geschäft entwickelt. In Deutschland waren bis Ende 2016 35,9 Millionen Kubikmeter Gebäudefläche isoliert. Die Bundesregierung will die energetische Gebäudesanierung in Privathaushalten bis 2020 mit über 17 Milliarden Euro fordern.

Höchste Brandschutzstufe erst ab 22 Metern

In Deutschland gilt die höchste Brandschutzstufe für Fassaden nur für Gebäude, die höher als 22 Meter sind. Deren Außenwandverkleidungen müssen den Standard "nichtbrennbar" erfüllen. Für Gebäude, die zwischen sieben und 22 Meter hoch sind, gilt die Stufe "mindestens schwerentflammbar", für Gebäude, die nicht höher als sieben Meter sind "mindestens normalentflammbar".

Die Frage stellt sich, warum erst ab einer Gebäudehöhe von 22 Metern die höchsten Anforderungen an die Dämm-Materialien gestellt werden. Welch katastrophale Folgen eine brennende Dämmung haben kann, musste man beim Brand des Grenfell Tower in London mit ansehen. Bewohnern dürfte es bei einem Brand vollkommen egal sein, ob sie sich ober- oder unterhalb einer 22-Meter-Marke befinden. Der Vorfall in Wuppertal wirft außerdem die Frage auf, wie streng und genau bei Dämmvorhaben kontrolliert wird.

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