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Wirtschaft: Stromnetz unter Druck - Tennet meldet Rekordkosten für Noteingriffe

Wirtschaft  

Stromnetz unter Druck - Tennet meldet Rekordkosten für Noteingriffe

01.01.2018, 17:21 Uhr | dpa-AFX

BAYREUTH/BONN (dpa-AFX) - Der Ausbau der erneuerbaren Energie setzt das deutsche Stromnetz immer stärker unter Druck. Der große Netzbetreiber Tennet musste 2017 wegen unzureichender Leitungskapazitäten fast eine Milliarde Euro für sogenannte Noteingriffe ins Netz zahlen. Das teilte Tennet, dessen Netzgebiet in der Mitte Deutschlands von Schleswig-Holstein bis zum Süden Bayerns reicht, am Montag auf Grundlage vorläufiger Zahlen mit.

Noteingriffe werden nötig, wenn Stromleitungen fehlen, um vor allem Windstrom von Norden nach Süden zu bringen. Die Eingriffskosten lagen 2015 noch deutlich niedriger bei 710 Millionen Euro, im windschwachen Jahr 2016 sogar nur bei 660 Millionen Euro. Die Kosten werden über die sogenannten Netzentgelte auf den Strompreis umgelegt und landen am Ende beim Verbraucher.

"Das Netz ist wegen des starken Zubaus der Erneuerbaren weiter extrem belastet. Wir brauchen zwingend ein Energiewende-Netz, also die vom Gesetzgeber bereits beschlossenen Netzausbauprojekte", forderte das Tennet-Geschäftsführungsmitglied Lex Hartmann. "Bis dahin sind Netzengpässe, hohe Kosten für die Verbraucher und eine zunehmend instabile Versorgung die harte Wirklichkeit."

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Auch der Präsident der Bundesnetzagentur, Jochen Homann, sieht Milliardenkosten auf die Verbraucher zukommen: "Die Stabilisierung der Netze ist komplexer geworden und kostet uns alle viel Geld. Diese Kosten sinken erst durch die großen Stromleitungen", sagte Homann. Allerdings hält der Behördenchef die Versorgung auch in der Zwischenzeit bis zum Start der neuen Leitungen für sicher: "Eine Warnung vor Stromausfällen bis dahin wäre übertrieben."

Im stürmischen Herbst und Winter müssen im Norden immer wieder Gas- und Kohlekraftwerke heruntergefahren oder Windparks gegen Kostenerstattung abgeschaltet werden, weil sonst mehr Strom produziert würde als die Netze aufnehmen können. Damit im Süden nicht die Lichter ausgehen, müssen dort konventionelle Reservekraftwerke hochgefahren werden. Oft kommt die Netzreserve auch aus Österreich. Auch dafür müssen die Netzbetreiber Entschädigung zahlen.

Grünen-Experte Oliver Krischer sagte, "solange Kohle- und Atomkraftwerke weiterlaufen, auch wenn viel Erneuerbare Energien im Netz sind, steigen logischerweise die Kosten für Netzeingriffe". Der Kohleausstieg sei nötig, um die Zahl der Eingriffe und die Kosten zu reduzieren. "Wir brauchen aber auch Transparenz und neue Regeln im Stromnetz", forderte der Bundestags-Fraktionsvize. "Die Netzbetreiber können weitgehend schalten und walten, wie sie wollen, ohne sich für Notwendigkeit und Kosten der Netzeingriffe rechtfertigen zu müssen." Die Bundesnetzagentur könne nicht nachvollziehbar erklären, welche Eingriffe und Kosten wirklich nötig seien.

Der Ausbau vor allem der Windkraft auf dem Meer und im Landesinneren kommt voran. Nach vorläufigen Zahlen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ist der Anteil erneuerbarer Energie an der Stromerzeugung 2017 auf 33,1 Prozent gestiegen.

"Die Lage wird sich erst entspannen, wenn das Energiewende-Netz ausgebaut ist", sagte Hartmann. Tennet baut zusammen mit TransnetBW die "Schlagader der Energiewende", die Stromverbindung Südlink für den Transport von Windstrom von der Nordsee nach Bayern und Baden-Württemberg. Nach jetziger Planung soll sie 2025 fertig werden.

Auf Tennet entfällt der größte Anteil an den deutschen Netzeingriffskosten. Nach Abschaltung der letzten Atomkraftwerke 2022 könnten die Eingriffskosten laut Bundesnetzagentur sogar auf bis zu vier Milliarden Euro bundesweit im Jahr steigen.

Der durchschnittliche Strompreis für Haushalte lag 2017 nach früheren BDEW-Angaben bei 29,23 Cent je Kilowattstunde (2016: 28,80 Cent). Der Anteil von Steuern, Abgaben und Umlagen am Haushaltsstrompreis sei auf 55 Prozent gestiegen, hieß es im Mai. Der Anteil der Netzentgelte, aus denen der Netzausbau, aber auch die Noteingriffe wegen Mangel oder Überlastung bezahlt werden, betrage 26 Prozent.

Anmerkung der Redaktion: Diese Nachricht der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ist Teil eines automatisierten Angebots, das auf unserer Webseite ausgespielt wird. Weder der Inhalt noch die Rechtschreibung wurden durch die t-online.de-Redaktion geprüft. Die dpa arbeitet aber streng nach journalistischen Standards. Sollten Sie dennoch Fehler entdecken, freuen wir uns über eine Rückmeldung. Herzlichen Dank!

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