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Leitzins: Kommt jetzt die Zinswende?

Kommt jetzt die Zinswende?

07.04.2011, 14:26 Uhr | dapd, dapd, t-online.de

Leitzins: Kommt jetzt die Zinswende?. Steigende Zinsen? Sparer und Kreditnehmer müssen rechnen (Foto: imago) (Quelle: imago images)

Steigende Zinsen? Sparer und Kreditnehmer müssen rechnen (Foto: imago) (Quelle: imago images)

Der 7. April 2011 ist ein wichtiges Datum für Banker, Sparer und Kreditnehmer. An diesem Donnerstag könnte die Europäische Zentralbank (EZB) nämlich zum ersten Mal seit Mitte 2008 den historisch niedrigen Leitzinssatz von 1,0 Prozent wieder erhöhen. Die Inflationsrisiken sind gestiegen, die Teuerungsrate liegt etwas höher als sich das die Währungshüter wünschen. Deshalb könnten sie sich veranlasst sehen, dem entgegenzusteuern.

Zumindest war ein Zinsschritt vor der Atomkatastrophe in Japan noch angepeilt. Sollte die Notenbank den Daumen tatsächlich heben, bedeutet das für Verbraucher, dass Kredite in der Regel teurer werden - gleiches gilt für die Überziehung des Girokontos. Inflationssorgen treiben das Baugeld schon seit Monaten leicht nach oben. Dafür lohnt sich das Sparen wieder mehr, weil auch die Guthabenzinsen anziehen.

Inflationsrate über zwei Prozent

Noch vor einem Jahr ging die Angst vor dem wirtschaftlichen Niedergang um. Heute ist es die Sorge vor der Geldentwertung im Euro-Raum. Die Inflation ist bereits auf den höchsten Stand seit 2008 geklettert und lag im Februar bei durchschnittlich rund 2,4 Prozent. Vollzieht die EZB jetzt die umstrittene Zinswende nach oben, wie die Mehrzahl der Analysten es erwartet, gilt das als Signal für eine restriktivere Geldpolitik. In der Regel erhöhen Notenbanken die Leitzinsen über zwei bis drei Jahre hinweg, bis sie die Inflation im Griff haben. Steigt der Leitzins, wird es für Kreditinstitute teurer, sich bei ihnen mit Geld zu versorgen.

Das hat auch direkte Auswirkungen auf den Alltag der Bürger. Wollen sie Geld von der Bank, müssen sie in der Regel mehr für Ratenkredite hinblättern. Der Einfluss höherer Leitzinsen dürfte sich auch bei den Guthabenzinsen direkt bemerkbar machen. Häufig dauert es nicht allzu lang, bis Banken und Sparkassen reagieren und die Zinsen auf Tagesgeldkonten und für Festgeldanlagen anheben. Millionen Sparer dürfte das freuen, nachdem es zuletzt kaum mehr etwas einbrachte, Geld auf die hohe Kante zu legen.

Tagesgeld wird schon jetzt besser verzinst

Nach einem Überblick der unabhängigen Finanzberatung FMH in Frankfurt gab es für 5000 Euro Tagesgeld bislang bestenfalls 2,3 Prozent Zinsen, im schlechtesten Fall nur 0,25 Prozent. Ähnlich mager die Ausbeute für Festgeld: Zwischen 0,5 und 2,2 Prozent auf sechs Monate. Schon im Vorfeld einer möglichen Leitzinserhöhung hatten Anbieter wie etwa die Versicherung Cosmos Direkt 0,25 Prozent mehr Zins fürs Tagesgeld zum 1. April angekündigt.

Keinen direkten Einfluss hat eine Leitzinserhöhung jedoch aufs Baugeld, wie Jörg Sahr von der Zeitschrift "Finanztest" der Stiftung Warentest betont. Beim Hypothekenzins erfolge die Refinanzierung über Anleihen und Pfandbriefsätze, erläuterte Max Herbst, Inhaber der FMH. Dabei gehe es mehr um Sicherheit und Einschätzung des Inflationsrisikos. Meist sei zu beobachten, dass die langfristigen Zinsen bereits im Vorfeld einer Leitzinserhöhung ansteigen.

Baufinanzierungen werden teurer - auch ohne Leitzinserhöhung

Die aktuelle Entwicklung scheint das zu bestätigen: Die historisch billigen Hypothekenzinsen haben bereits im September vergangenen Jahres ihr Allzeittief hinter sich gelassen und sich seither um fast ein ganzes Prozent verteuert - zum Leidwesen derer, die sich jetzt eine Immobilie zulegen wollen. Derzeit müssen Bauherrn für einen Baukredit mit einer Laufzeit von zehn Jahren im Schnitt 4,1 Prozent Zinsen zahlen, gut 0,9 Prozentpunkte mehr als noch Ende August 2010.

Die Baugeld-Zinskurve zeigt also nach oben, ganz ohne Leitzinserhöhung. Immobilienkäufer sollten sich aber jetzt nicht unter Druck setzen lassen und aus Sorge um steigende Zinsen übereilt Kredite abschließen, mahnte Finanzexperte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Obwohl keine Eile angebracht sei, heiße es aber mittelfristig Abschied nehmen von der historischen Tiefzinsära, ist Zinsexperte Herbst überzeugt. Das allgemeine Zinsniveau werde steigen.

Forward-Darlehen bei der Baufinanzierung prüfen

Das dürfte so manchen Bauherrn bei der Anschlussfinanzierung in die Bredouille bringen. Wer fürchtet, dass er in einigen Monaten wegen höherer Hypothekenzinsen finanziell in Schwierigkeiten gerät, sollte über ein Forward-Darlehen nachdenken, riet Sahr von "Finanztest". Damit lässt sich der günstige Zins von heute verbindlich für die Zukunft reservieren. Je näher die Anschlussfinanzierung, desto eher kann sich das "Zins-Bunkern" rechnen. Das ist allerdings nicht mehr so günstig zu haben wie früher einmal. Jeder Monat Vorlauf verteuert das Forward-Darlehen um etwa 0,02 bis 0,03 Prozentpunkte. Bei zwei Jahren Reservierung kann der Marktzins schlimmstenfalls um ein ganzes Prozent teurer ausfallen, warnte Sahr. "Nach unseren Statistiken lohnt sich das Darlehen nur selten", gab Herbst zu bedenken. Er meinte: "Wer weiß heute schon wirklich, was an den Zinsfronten passiert."

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